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Jagdsammler

(Moderator)

Messingmontierter zierlicher Hirschfänger mit Kreuzgefäß.
Der Griff aus schräg gerilltem dunklem Horn hat eine Kappe in Form eines Blütenkelchs und einen hohen Vernietknopf.
Er hat ein kleines Stichblatt in Muschelform. Die bewegte Parierstange hat schneckenförmige Enden, das Mittelstück ist mit Arabesken und Bogen mit Pfeilköcher dekoriert.
Die keilförmige Klinge hat Hohlkehlen und einen ca. 11 cm langem Rückenschliff. Beide Seiten der Klinge mit geätztem Bandelwerk, Jagdhund im Medaillon und eine stilisierte Büste mit seitlich angeordneten Fahnen und Stangenwaffen. Der Hintergrund ist noch mit Resten von Vergoldung ausgelegt. Der Klingenrücken zeigt einen geätzten Pfeil wie er aus Solinger Produktion bekannt ist.

Es handelt sich um einen relativ zierlichen Hirschfänger der gut zum Jagdkostüm einer Dame passen würde oder vielleicht auch zu einer jugendlichen Person.

Gesamtlänge:...............470 mm
Klingenlänge:..............324 mm
Klingenbreite max.:.......23,4 mm
Klingenstärke max.:........6,4 mm

02.03.22, 14:57:24

Preussen

(Mitglied*)

Guten Tag Jagdsammler,
ist eine zeitliche Einordnung des schönen Stücks möglich?
Gruss
Preussen


03.03.22, 08:37:45

Jagdsammler

(Moderator)

Ich gehe davon aus, dass der Hirschfänger aus der Zeit um 1730 stammt.
Die Zierelemente deuten noch auf die Barockzeit hin aber man ahnt hier schon das kommende Rokoko.

Viele Grüße vom Jagdsammler

03.03.22, 12:47:40

Ulan13

(Mitglied)

Vielen Dank für's Zeigen! Ein wirklich sehr zierliches Teil. Ich freue mich immer wieder, wenn ich diese wunderschönen Jagdwaffen, die insbesondere Du, Jagdsammler, hier vorstellst, sehen kann. Gerne mehr davon!
Und ich muß ehrlich gestehen, ich habe diese Art Blankwaffen nun auch in meine Sammlung miteinbezogen. Man kann einfach nicht anders als diese kleinen Kunstwerke zu lieben...

Grüße vom Ulanen

05.03.22, 10:37:36

Jagdsammler

(Moderator)

Hallo Ulan,

vielen Dank für das positive Feedback.
Ja, das fasziniert mich auch an den Stücken, jedes ist individuell gestaltet, zumindest in der Zeit bis ca. 1800.
Danach ging es mit der Industrialisierung los und die Hirschfänger wurden einfacher.
Die Französische Revolution hat da natürlich auch viel beigetragen.
Der Adel konnte sich keine Feudaljagden mehr erlauben beziehungsweise leisten.
Somit ist das 18. Jahrhundert das ergiebigste, da werden gleich drei Stilrichtungen abgedeckt: Barock, Rokoko und Klassizismus.

Jedenfalls habe ich noch einige Teile zum vorstellen.

Viele Grüße vom Jagdsammler

08.03.22, 18:32:44

Ulan13

(Mitglied)

Das will ich hoffen, in mir findest Du einen stets begierigen Freund dieser Waffen. Was Deine Einschätzung betrifft bezüglich des Nachlassens der Individualität, kann ich Dir nur beipflichten. Überhaupt wurde ja durch die Industrialisierung alles mehr und mehr genormt, es war bloß mehr ein Zusammenstellen vorgefertigter Stücke. Das findet sich auch bei den Feuerwaffen und den militärischen Blankwaffen in starkem Maße. Leider! Man sieht nicht mehr die Liebe des Handwerkers zu seinem Werk.
Ich schätze jedenfalls diese herrlich individuellen Stücke vor 1800 mit den zum Teil ineinander übergehenden Stilelementen, wobei dann bei den Sachen vor 1700 auch noch Renaissanceelemente hinzukommen. Die Handwerkskunst, die vielen verschiedenen Materialien, aus denen ein Stück "komponiert" wurde, sind ein Hochgenuß sowohl für das Auge als auch für die Haptik.
So, genug geschwärmt, auf alle Fälle freue ich mich über jedes von Dir gezeigte Stück und ich denke, da bin ich nicht alleine hier lachen

Grüße vom Ulanen

10.03.22, 11:52:12

Jagdsammler

(Moderator)

Ja, das 17. Jahrhundert hat wieder ganz eigene Elemente. Da dominiert noch ganz stark das Eisen.
Bei jagdlichen Blankwaffen ist dann um 1700 ein Umbruch festzustellen.
Ab diesem Zeitpunkt wird fast ausschließlich Messing als Gefäßmaterial verwendet.
Ich nehme an, dass das Gelbgussverfahren hier neue Gestaltungsmöglichkeiten eröffnete.

Das 17. Jahrhundert ist bei mir leider noch nicht so zahlreich vertreten, aber ich arbeite daran. zwinkern
Grüße vom Jagdsammler

11.03.22, 14:48:24

Ulan13

(Mitglied)

Zitat von Jagdsammler:
Ich nehme an, dass das Gelbgussverfahren hier neue Gestaltungsmöglichkeiten eröffnete.

Ja, erstens das, durch den niedrigeren Schmelzpunkt ist Gelbguss einfacher zu handhaben; darüberhinaus war es auch eine Modefrage. Durch den zunehmenden Repräsentationszwang (vgl. Louis XIV) wurden die Waffen immer auswändiger und schöner gestaltet. Und da der Glanz des Gelbgusses dem des Goldes ähnelt (und er auch gut zu vergolden war), wurden diese Techniken zunehmend populärer. Dazu kam dann noch das Aufkommen des Manufakturwesens, so daß die Produktion langsam vorindustrielle Züge bekam und einfach mehr schönere Waffen schneller und preisgünstiger produziert werden konnten. Und so kam dann auch der einfache Landadelige zu prächtigen Hirschfängern, etc.
Und wir Sammler haben die Auswahl aus der oben bereits beschriebenen Vielzahl schöner Stücke. lachen
Obwohl es natürlich auch in der "eisernen Zeit" des siebzehnten Jahrhunderts tolle und unheimlich aufwändig gemachte Waffen gab. Wenn ich da an die gold- und silbertauschierten Sachen denke... Aber die waren halt auch damals schon sehr teuer und dran hat sich bis heute nix geändert.

Viele Grüße vom Ulanan


15.03.22, 11:52:35
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