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Teome

(User)

So, hier mal mein zweiter Kauf.

Erworben habe ich den Säbel bei einem, bei uns sehr bekannten Auktionshaus im
Nachverkauf. Das Auktionshaus garantiert für die Echtheit dieses zeitgenössischen
Säbels, jedoch konnten sie keine genaueren Angaben dazu machen. Sie vermuten,
dass es ein französischer Säbel um 19 Jhr. ist.

Weder auf der Klinge, noch auf dem Griff befinden sich irgendwelche Punzen oder
Schriften die auf einen Hersteller schließen lassen. Die Metallscheide ist
komplett von Leder umfasst und hat nur einen Tragering. An diesem Ring
befinden sich Reste einer Aufhängung. Die Griffwicklung ist nur in Resten
vorhanden, ansonsten aus Holz oder Horn.

Kann jemand von euch etwas dazu sagen?

13.11.21, 17:34:11

Clouseau

(Mitglied)

Das dürfte ein französischer Säbel für die leichte Kavallerie Modell 1822 sein; "sabre d´officier de cavalerie légère modèle 1822". Ausführung für Offiziere mit verziertem und ehedem vergoldeten Messingefäß, Griffhülse aus Horn. Die Griffkappe sollte beim Offizier allerdings ebenfalls verziert sein. Diese hier ist vom Mannschaftsmodell und sitzt ungewöhnlich auf dem Griff.

Im Weltkrieg war es in Frankreich bisweilen üblich, die Scheide, teilweise auch das Gefäß, mit Leder zu umkleiden. Sollte wohl der Tarnung dienen, Klappern / Rasseln vermeiden; man findet heute eher selten Waffen mit diesen Überzügen.

Das Gefäß ist stark verbogen/-zogen, vielleicht wurde es gerichtet und neu vernietet? Dann könnten dabei Punzen und Ätzungen verschwunden sein. Üblich war auf dem Klingenrücken die Bezeichnung des Modells und der Manufaktur; auf wesentlichen Teilen auch bei den Offizierswaffen Abnahmestempel.

Vermutlich deshalb blieb der Säbel auf der Auktion unverkauft. Wenn der Ausstellungsraum begrenzt ist, sollte dieser Säbel einem Stück im besseren Zustand den Platz freimachen.


14.11.21, 00:46:14

Zietenhusar

(Supporter)

Ich hatte mir mit Markus an anderer Stelle schon Gedanken zum Säbel ausgetauscht.

Bevor das Fehlen der Klingenrückeninschrift bekannt war schlug ich einen
Sabre d'Officier de Cavalerie légère Modèle 1822
oder auch ein
Sabre d'Officier de Artillerie Mle 1822-99
vor. Das Fehlen von Inschrift und Stempel ist für mich aber in beiden Fällen ungewöhnlich.

Die Waffe als solche kam auch
in der Schweiz, als Säbel für Kavallerieoffiziere - eidgenössische Ordonnanz 1852 (hier wohl ohne Klingenrückeninschrift?)
und vermutlich auch noch in einigen Ländern des amerikanischen Kontinents vor.

Allein die lederüberzogene Scheide lässt mich vorerst aber an Frankreich festhängen.

Anbei noch zwei Fotos. Eines vom Mundblech mit einer Punze und eines vom schmalen Zug zwischen Hohlkehle und Klingenrücken, von mir angefordert, da ich diesen auf den anderen Fotos nicht ausmachen konnte.

Gruß,
Thomas

14.11.21, 06:30:02

Teome

(User)

Hallo,

ich habe eben mal ein besseres Bild vom Mundblech gemacht, damit man besser sieht was Thomas meinte mit den Punzen.Vielleicht hilft das ja bei der Bestimmung.

GRuß Markus

14.11.21, 14:04:16

joehau

(Mitglied)

Zitat von Zietenhusar:

Die Waffe als solche kam auch in der Schweiz, als Säbel für Kavallerieoffiziere
- eidgenössische Ordonnanz 1852
(hier wohl ohne Klingenrückeninschrift?)


Schweiz schließe ich aus. Bei der Ord. 52 steht der meist deutsche Hersteller
auf der Fehlschärfe. Die Offz. Ausführung hat wie das französiche Vorbild
auch eine verzierte Griffkappe.

Den Lederbezug - sieht man häufiger bei britischen Blankwaffen - würde ich auch
eher kurz vor oder in den Weltkrieg verorten. Ich vermute, dass hier Teile
verschiedener Säbel und die nicht markierte Montmorencyklinge eines
nichtstaatlichen Herstellers zusammengebaut wurden.

Zitat von Clouseau:
Wenn der Ausstellungsraum begrenzt ist, sollte dieser Säbel einem Stück im
besseren Zustand den Platz freimachen.


Genau, so würde ich es machen.



21.11.21, 20:59:14

Teome

(User)

Zitat:
Den Lederbezug - sieht man häufiger bei britischen Blankwaffen - würde ich auch
eher kurz vor oder in den Weltkrieg verorten. Ich vermute, dass hier Teile
verschiedener Säbel und die nicht markierte Montmorencyklinge eines
nichtstaatlichen Herstellers zusammengebaut wurden.


Du meinst wenn das passierte noch vor oder während des Krieges oder eher
irgendwann neuzeitlich danach?

22.11.21, 19:51:59

joehau

(Mitglied)

Das Gefäß hat, wie man sieht, schwer einen mitgekriegt. Ich nehme an,
dass das der Grund für die Reparatur war. Wann dass passiert ist, lässt
sich nicht mehr feststellen. In Friedenszeiten wäre ein Offizier
sicher nicht mit so einem schlecht reparierten Säbel aufgetreten.


23.11.21, 00:25:44

Ulan13

(Mitglied)

Irgendwie glaube ich auch, daß das eine (wahrscheinlich neuzeitliche) Zusammenstellung nach dem Motto war: "Aus drei kaputten Säbeln mache einen ganzen!" Es passt halt alles nicht so wirklich zusammen, so daß ich mir eine reguläre militärische Verwendung eigentlich nicht vorstellen kann.

Grüße vom Ulanen

24.11.21, 22:16:40

Teome

(User)

Hallo,

danke für die Antworten. Es ist also scheinbar Frankensteins Säbel. Ist ja eher ernüchternd.

25.11.21, 18:59:41

corrado26

(Super-Moderator)

Diese Erfahrung ist zwar ernüchternd aber die Meisten hier dürften schon Ähnliches erlebt haben. Mein Rat: Zu allererst entsprechende Literatur besorgen, die dann auch erst einmal lesen und dann erst auf die Suche und ans Beschaffen gehen. Dann wird auch was draus!!

25.11.21, 19:13:21
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