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Ulan13

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Hier zu sehen ist das Denkmal Großherzogs Ludwig IV., welches in Bingen am Rhein vor der alten Stadthalle steht.
Zunächst ein paar Daten zu dem dargestellten Fürsten:
Ludwig IV, Großherzog von Hessen und bei Rhein (geb. 1837) war der Sohn des Prinzen Carl von Hessen und bei Rhein (1809–1877) aus dessen Ehe mit Elisabeth (1815–1885), Tochter des Prinzen Wilhelm von Preußen. Ludwigs Vater war der jüngere Bruder des Großherzogs Ludwig III., der, ohne Nachkommen, seinen Neffen zum Erben designiert hatte, nachdem Prinz Karl die Nachfolge aus gesundheitlichen Gründen abgelehnt hatte. Ludwig heiratete am 1. Juli 1862 in Osborne House auf der Isle of Wight Prinzessin Alice von Großbritannien und Irland (1843–1878), die zweitälteste Tochter von Königin Victoria. Nach dem Deutschen Krieg, an dem Ludwig als Kommandeur der 2. Hessischen Infanteriebrigade teilnahm, bekannte sich der Erbgroßherzog entgegen Ludwig III. und dessen Ministerpräsidenten von Dalwigk zu einer propreußischen Richtung in der Deutschen Frage. Ludwig drohte dabei mit dem Rücktritt vom Kommando der hessischen Armeedivision und setzte somit eine militärische Neuordnung durch. Im Deutsch-Französischen Krieg kämpfte Ludwig bei Gravelotte, vor Metz und bei Orléans als Kommandeur der hessischen Division. Er führte als solcher die hessische Division gegen Frankreich und wurde nach Kriegsende mit seinen Truppen jubelnd in Darmstadt empfangen.
Nach dem Tod seines Onkels wurde Ludwig 1877 Großherzog von Hessen und bei Rhein. Seine Herrschaft zeichnete sich durch eine liberale Haltung aus, die nicht zuletzt auf den Einfluss seiner Ehefrau zurückzuführen war. Er förderte während seiner Regentschaft nicht nur Wirtschaft und Verkehrswesen, sondern auch Wissenschaft, Bildung, öffentliche Wohlfahrt sowie die Kunst. Großherzogin Alice starb schon 1878, nur vier Wochen nach ihrer jüngsten Tochter Marie.
Die engen dynastischen Verbindungen mit Preußen, Großbritannien und Russland verliehen dem großherzoglichen Haus Hessen eine besondere Stellung, wirkten sich aber politisch kaum aus. Ludwig IV., bekannte sich auch während seiner Regierung in der Deutschen Frage zu Preußen. 1891 wurde er von Kaiser Wilhelm II. zum Generaloberst der Infanterie ernannt.
Ludwig IV. verstarb am 13. März 1892 an einem Schlaganfall. 1910 wurden seine sterblichen Überreste in das eben erst fertiggestellte Neue Mausoleum der großherzoglichen Familie im Park Rosenhöhe in Darmstadt überführt. Alles in allem war Ludwig ein äußerst beliebter Monarch, dessen Volkstümlichkeit höher zu bewerten war als sein politischer Einfluss.
Daß das Denkmal in Bingen ihm gewidmet ist, geht auf seinen Sohn Ernst Ludwig, den letzten Großherzog von Hessen und bei Rhein, zurück. Die Binger Bürger wollten eigentlich diesem ein Denkmal setzen. Ernst Ludwig lehnte aber ein Denkmal zu seinen Lebzeiten ab und schlug vor, stattdessen sein Vater zu ehren. 1913 wurde die Statue enthüllt. (Quelle: Wikipedia)

Der Künstler:
Geschaffen wurde die Statue von Hans Dammann (geb.1867 in Proskau/Preußen, gest. 1942 in Berlin)
Die Bronze stellt nicht die zivilen Verdienste des Landesherrn, sondern eher seinen militärischen Rang in den Vordergrund. Dammann zeigt den Fürsten „in ruhiger Haltung, soldatisch einfach und straff“, wie die Mittelrheinische Volkszeitung zur Einweihung schrieb. Auch die Aufstellung des Denkmals am Zusammenfluss von Rhein und Nahe, dem westlichsten Punkt des Großherzogtums, und gegenüber dem Niederwalddenkmal (Germania), das an den gewonnenen Krieg von 1870/71 und die Gründung des Deutschen Kaiserreiches erinnert, erscheint bewusst gewählt.
Hans Dammann, der von 1888 bis1894 an der Königlichen Hochschule der Bildenden Künste in Berlin studierte, ist als Vertreter des Historismus künstlerisch heute kaum beachtet; zu seiner Zeit war er in Kollegenkreise und in der Öffentlichkeit anerkannt. Seine ersten Aufträge waren bauplastische Arbeiten und ein Brunnenmonument, ab 1899 widmete er sich vor allem der Grabplastik, die fast die Hälfte seines künstlerischen Schaffens ausmacht. 1914 wurde Dammann für seinen 1910 auf der Großen Berliner Kunstausstellung präsentierten und 1914 in Bad Homburg zu Ehren des 25. Regierungsjahres des Kaisers realisierten „Durst-Brunnen“ von Kaiser Wilhelm II. der Professorentitel verliehen (Daß Wilhelm II. sich dafür einsetzte, den von Dammann für Bad Homburg entworfenen monumentalen Elisabethenbrunnen während der Kriegsjahre bis 1918 fertigzustellen, brachte ihm viel Kritik ein). Ab 1914 erschuf er auch Soldatengrabmäler und schließlich ab 1922 vor allem Kriegerdenkmäler. Seine oft monumentalen Kriegerdenkmäler tragen ab 1930 durchaus zeitgeistspezifisch revanchistische Züge mit kampfbereit aufgerichteten Soldaten, die Wache stehen.

Geschichte des Denkmals:
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Statue von der französischen Armee in den Rhein geworfen, geborgen, und kurz darauf von den belgischen Truppen zurück in den Fluss gestoßen. Nach dem Abzug der Franzosen stellten die Binger die Skulptur 1929 erneut in den Rheinanlagen auf, bis sie die Amerikaner zu Ende des Zweiten Weltkriegs in den Fluss warfen. Als sie schließlich geborgen wurde, lag die Bronze zunächst viele Jahre im Bauhof der Stadt Bingen, bis sie 1967 in einem privaten Garten aufgestellt wurde, nicht nur stark beschädigt, sondern kopflos und ohne Säbel (Also eigentlich ein Sinnbild Deutschlands!). Mit der Zeit wurden dem Torso sowohl der Gala-Schleppsäbel, den ein Waffenliebhaber über Jahrzehnte aufbewahrt hatte, als auch der Kopf mit Helm, den ein Schüler Ende der 40er-Jahre im Wald versteckt gefunden hatte, wieder hinzugefügt. 2001 schließlich wurde das Standbild mit einem nach dem historischen Vorbild gestalteten Sockel am ursprünglichen Standort, dem Binger Rheinufer, wieder aufgestellt.

Und da steht das Denkmal nun und erfreut sich so großer Beliebtheit, daß es sogar mit gehäkelten Bändern geschmückt wird und als beliebtes Fotomotiv dient. Besonders der Säbel ist schön gearbeitet, wie die Bilder zeigen.

01.03.21, 15:30:56

Ulan13

(Mitglied)

Und noch ein Bild...

01.03.21, 15:32:07

schwekapi

(Moderator)

Ausgesprochen gut recherchiert und diese im Text gut umgesetzt. So etwas finde ich immer sehr gut.

Danke für die viele Arbeit und das aufzeigen dieser Arbeit.


Gruß vom alten Schweden,
Thomas
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Die Liebe des Volkes ist meine Belohnung.
Wahlspruch von König Carl XIV. Johan
01.03.21, 17:55:04

joehau

(Mitglied)

Schöne, ausführliche Beschreibung der Hintergründe zu diesem Denkmal!

Was die Fototechnik angeht, hilft bei Gegenlicht, in diesem Fall der
helle Himmel, der Blitz. Der wirkt sich allerdings nur bis ca. 10m aus.
Das würde im Falle der Nahaufnahme des IOS dann so aussehen:

03.03.21, 02:08:28

Ulan13

(Mitglied)

Vielen Dank für die freundliche Würdigung, es macht ja auch Spaß sich mit derlei heimatgeschichtlichen Dingen zu beschäftigen.
Vielleicht kommt als nächstes mal etwas über die Blankwaffen auf der Germania. Ist ja nur ein Katzensprung über den Rhein, zumindest wenn die Fähren wieder fahren.
Zu den Fotos: Stimmt, die könnten bessser sein, habe mit dem Handy fotografiert. Zwar mit Blitz, aber der war wohl zu schwach. Die Lichtverhältisse waren auch nicht optimal. Eventuell mache ich noch ein paar bessere...

03.03.21, 10:46:37

joehau

(Mitglied)

Gegen den blauen Himmel zu fotografieren, ist schwierig mit dem Mobiltelefon.

Bei geschlossener Wolkendecke wäre das Denkmal besser belichtet worden.

03.03.21, 16:26:19

Ulan13

(Mitglied)

Danke für den Tip! freuen

03.03.21, 16:58:02
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