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limone

(Super-Moderator)

Kürfürstentum Hessen - Kavallerie-Pistole M an 13 (1804/5)/1827/1846 UM

Folgend Fotos einer kurfürstlich hessischen Kavallerie-Pistole ursprünglich französischer Provinienz, mit der nach Gründung des französischen Trabanten-Staates von Napoleons Gnaden, des Königreichs Westphalen, vor ca. acht Generationen auch die nordhessischen, nun: westphälischen Kavalleristen ausgestattet wurden, der Pistole M an 13.

"Kavallerie"- und nicht "Husaren-"Pistole, weil die kurhessischen Husaren-Regimenter in der langen Verwendungszeit dieser Pistole der steten Wandlung unterlagen und im Zeitraum von 1832-45 (Leib-) Dragoner-Regimenter waren. Auch eine Verwendung bei der "Garde du Corps" ist denkbar - mangels Truppenstempel auf der Waffe.


     Fröhlich sein, Gutes tun, und die Spatzen pfeifen lassen...
12.01.11, 22:26:08

limone

(Super-Moderator)

Die vorliegende Pistole wurde 1810 in Frankreich in "St. Etienne" gefertigt, wie der Stempel "S E 1810" auf dem Kolben und die noch schwach auf auf dem Schlossblech zu lesende Gravur zeigen.

Noch unklar ist der "J" Stempel.


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12.01.11, 22:47:11

limone

(Super-Moderator)

Nachdem 1813 Jérôme Bonaparte das Hessenland verlassen musste und der Kurfürst Wilhelm I. aus seinem Prager Exil zurückkehrte, übernahm dieser wieder "seine" Kavallerie und damit auch ihre neue Bewaffnung.

1827 veranlasste er eine Veränderung der - immer noch Steinschloss - Pistolen wie folgt:

An den originalen Halbschaft wurde ein Vorderschaft angeleimt und die Ladestocknut entfiel. Als Ladestock für die Pistole wurde nun der für den Karabiner sowieso mitgeführte Ladestock verwendet. Die alte Ladestockbohrung ist bei zerlegter Pistole im verbliebenen Holz noch zu erkennen.

Ergänzt wurde auch eine Halb-Vorderschaftkappe aus Messing.

Auf den folgenden Fotos ist dies sowie die Schaftergänzung im Holz zu sehen.

Weiter Bilder der kurhessischen Kavallerie zur Zeit des Deutschen Bundes: Dragoner und Garde du Corps [Eckert/Monten]


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12.01.11, 23:51:50

limone

(Super-Moderator)

1846 wurde dieses Pistolenmodell erneut modernisiert und auf Perkussionszündung umgebaut - die Batteriefeder des Steinschlosses verblieb und diente nun als Feder für den Piston-Sicherungsflügel, den man ähnlich später auch bei der preußischen Kavalleriepistole M 1850 wiederfindet.

Der Umbau wurde von Pistor in Schmalkalden ausgeführt, wie die "P"-Stempel belegen.

Von dieser Pistole wurden ca. 1.500 Stück gefertigt, die hier abgebildete trägt die Nummer "1396".

Schon drei Jahre nach dem erneuten Umbau wurde dieses Modell von der neuen Kavalleriepistole "M 1849" abgelöst, verschwand zunächst in den Arsenalen und wurde später in den Handel gegeben.

Dank an corrado26, dass das gute Stück trotz der Wirren der Jahrhunderte wieder heim nach Kassel gefunden hat! freuen


Grüße

Carsten


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13.01.11, 00:33:24

corrado26

(Super-Moderator)

Das "J" auf der Schlossplatte steht für Jean Baptiste JAVELLE, welcher bis 1812 Kontrolleur in St. Etienne gewesen ist. Die Stelle als Kontrolleur hatte JAVELLE 1784 von Etienne Lambert übernommen, welcher bis zu diesem Zeitpunkt für das Kontrollieren der Schlossplatten und Schlossmechnik zuständig gewesen ist.

Anzumerken ist ferner, dass nur die Pistolen einen neuen Vorderschaft erhielten, deren Schaft vom Zustand her noch akzeptabel war, irreparable Schäfte wurden entsorgt und diese Pistolen wurden bei Pistor komplett neu geschäftet.
Gruß
corrado26

13.01.11, 08:56:24

limone

(Super-Moderator)

Danke für die ergänzenden Informationen!

Unten ein zeitgenössisches Gemälde, dass die beiden kurhessischen Husaren-Regimenter um 1830 im Manöver zeigt.


Grüße

Carsten


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14.01.11, 00:00:38

limone

(Super-Moderator)

Fotos der Pistole Nr. 592, ausgestellt im Museum Schloss Friedrichstein.


Grüße

Carsten


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20.04.11, 00:50:11
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