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ulfberth

(Zeugwart)

Revisions-Controlle oder Commission war früher ein interessantes Streitthema. Durch das Auffinden neuer Unterlagen im Schußwaffenbereich ist dies aber inzwischen geklärt.

Hans Reckendorf war m. W. der erste, der dies dann auch in seinem Band über die preußischen Militär-Faustfeuerwaffen publizierte und "RC = Revisions-Controlle" 1978 einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machte.

Genau genommen bestand die RC aus dem Ersten Revisionsbeamten, bzw. dessen Stellvertreter.

Gruß

ulfberth


www.seitengewehr.de
12.05.20, 08:41:14

joehau

(Mitglied)

Danke ulfberth !

Dann versuche ich mal, mir das einzuprägen.

12.05.20, 21:25:08

pdgdolch

(Mitglied)

Das "RC" Thema würde mich jetzt allerdings auch einmal interessieren.

Wacker und Görtz zitieren auf Seite 344 unter anderem aus:

"Vorschrift für die Untersuchung und Abnahme von Seitengewehrteilen und Seitengewehren..." von 1897
und
"Vorschrift für die Untersuchung und Abnahme von Pistolen 08 und deren Teilen" von 1913

Dort wird der Stempel "RC" als Revisions-Commission dargestellt.

Gruß Peter



13.05.20, 19:12:28

Gottscho1914

(Moderator)

Siehe hierzu Gerhard J.R. Seifert und Claus P. Stefanski "Der Blücher=Säbel" ,EDITION VISIER , Nassau 2001 , Seite 35

Schließlich ist noch die Abbreviatur R.C. (unter Krone) zu erörtern . R steht für Revision , was nicht strittig sein dürfte . Was aber bedeutet das C ? Commission ? Control(l)e ? Also: Revisions-Commission oder Revisions-Controlle ?

Wie bereits berichtet , gab es Revisions-Kommissarien (für den Revisionsstempel siehe 2.a) und Revisionskommissionen (zur Revision und Abnahme siehe 2. b) . Keine dieser beiden Institutionen signierte mit den Buchstaben R.C. Die Grundwörter der beiden Komposita schrieb man damals bereits mit K , statt mit C , was aber ohne Belang sein dürfte .

Da nicht nur den Verfassern die allererste Vorschrift unbekannt ist , in welcher die beiden Wörter der Abkürzung R.C. vollständig genannt werden , wird es erlaubt sein , dieselbe mit "Revisions-Controlleur" entschlüsseln zu dürfen , vergleichbar mit dem "Controleur principal" der französischen Waffenmanufakturen .

Die mit der Stempelung R.C. zusammenhängenden Bestimmungen sind - in ausführlicher Form wahrscheinlich erstmals mit A.K.O. vom 29. Januar 1857 in der "Dienst=Ordnung für die Militair=Waffen=Fabriken" veröffentlicht worden .
Dort heißt es im Paragraphen 64 zur "Dienstverrichtung des Waffen=Revisions=Personals":

"Die Waffen=Revisions=Beamten haben sich strenge nach den bestehenden Revisions=Instruktionen und Dimensionstabellen zu richten und dürfen somit nur diejenigen Waffentheile usw. ohne Weiteres mit ihrem Stempel versehen , welche innerhalb der bestimmungsmäßigen Toleranzen liegen . ...
Sind die Revisions=Beamten darüber in Zweifel , ob sie ein zu revidirrendes Stück annehmen oder zu verwerfen ist , so haben sie dasselbe dem Direktor vorzulegen , welcher darüber entscheidet und die Stempelung mit einem besonderen Zeichen (R.C.) ausführen läßt . Fehlerhafte Theile dürfen die Revisoren erst dann kassiren , wenn sie sich die Überzeugung verschafft haben , daß dieselben sich durch Reparaturen nicht mehr brauchbar herstellen lassen" .

Damit dürften Urheber und Bedeutung des Symbols R.C. geklärt sein , obwohl eine letzte Gewißheit über den Wortlaut der Abkürzung (noch) nicht besteht .


Gruß Jens

13.05.20, 20:31:06

pdgdolch

(Mitglied)

Hallo Jens,

vielen Dank für die Informationen.
Es ist schon schade, dass die allererste Vorschrift unbekannt ist.

Gruß Peter

15.05.20, 13:34:17

leila100

(Mitglied)

Hallo,

ich lese gerade in dem Beitrag "Ein selten Ding" von P. Freyda und C. P. Stefanski, Visier 3/2000,
folgenden Absatz auf S. 145:

Zitat: "Der erfolgreiche Waffengang 1870/71 brachte Deutschland eine große Menge an Kriegsbeute ein.
Darunter waren auch "sabre de cavalerie de reserve" und "sabre de dragons". Beide kamen gemäß A.K.O. vom 5. August 1876
in Preußen unter der Modellbezeichnung Kürassierdegen M 54 zur Einführung.
Alle Linien-Kürassier-Regimenter, wie auch das Regiment GdC, erhielten im Laufe der Zeit diese neue Waffe.
Nur das Garde-Kürassier-Regiment sollte den Kürassierdegen n/M (also M 45) behalten".

Ich war immer der Meinung, auch das Garde-Kürassier-Regiment bekam ab 1876 den M 54 (?).
Sonst hätte es doch den vorgestellten Degen von pdgdolch, vom 09. 05. 20 nicht gegeben (?).

Wenn die Garde Kürassiere den M 45 behielten, was geschah 1896 mit diesen Degen, als alle Kürassierdegen gekürzt wurden?
Mir ist nicht bekannt, dass dieses Modell (M 45) ebenfalls gekürzt -und der untere Scheidenring entfernt wurde.

Ich bin sehr gespannt auf eure Antworten.

Gruß Ingo









16.05.21, 16:50:09

Schwertfeger

(Mitglied)

Die erste aufgeworfene Frage lässt sich wie folgt beantworten.
In dem bezeichneten Artikel im Visier passierten seinerzeit bei der Umsetzung des Manuskriptes der Autoren in den Zeitschriftentext in der Schriftsetzung des Verlages Fehler. So geriet der nachfolgende Satz des Manuskriptes "unter die Räder". Er lautete: "Erst in späterer Zeit wurde auch dieses Regiment mit dem M 54 ausgestattet."
Auch bei der Danksagung schlug "der Fehlerteufel" zu. Dort muß es heißen: "Wehrgeschichtliches Museum Rastatt."


"Suum cuique" (Cicero: Jedem das Seine; Devise des Schwarzen Adler Ordens)
17.05.21, 12:24:07

leila100

(Mitglied)

Vielen Dank, Schwertfeger, für die
Richtigstellung.
Läst sich in etwa sagen, ab wann die Garde Kürassiere
den M 54 bekamen?

Gruß Ingo

17.05.21, 12:53:05

mario

(Administrator)

Zitat von leila100:


Ich habe zwei gekürzte M 54 und einen ungekürzten M 54 (G.d.C.) miteinander, auf Abnahmen in Bezug auf spätere Änderungen, verglichen.
1. M 54 G.d.C.: je vorn und hinten eine Abnahme unter nicht abgeknicktem Stichblatt (kleiner überkrönter Buchstabe). Auf dem Klingenrücke ein grösseres überkröntes W mit Jahreszahl, darunter ein kleiner überkrönter Buchstabe.
2. Zwei M 54 mit abgebogenen Stichblatt und gekürzter Klinge: unter dem Stichblatt vorn und hinten wie G.d.C. eine Abnahme. Auf dem Klingenrücken auch wie beim G.d.C. aber zusätzlich ein kleiner Buchstabe überkrönt im etwas unteren Bereich (wie auf dem hier vorgestellten G.K.-Degen).
Alle drei Degen preußische Fertigung.
3. ein M 54 franz. Beutestück, später abgeknicktes Stichblatt, gekürzte Klinge: keine preußischen Abnahmen!



Hallo Ingo,
der Hersteller der Degen G.d.C., war das W.S.&C.?
Welcher Hersteller ist bei G.K. zu sehen?
Gruß Mario


123
04.11.21, 15:35:57

leila100

(Mitglied)

Hallo Mario,

Degen M 1854, G. d. C., Hersteller: Alex Koppel.
Der angegebene G. K.- Degen befindet sich nicht in meinen Besitz.

Gruß Ingo



04.11.21, 17:33:47
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