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Zietenhusar

(Hausmeister)

Bei der Durchsicht der Blankwaffenvitrinen fiel mir dieser chilenische Sable Caballeria 1890 auf, mit der Zuordnung als preußischer Aushilfssäbel 1. Weltkrieg.

Diese Verwendung war mir neu. Kann das jemand bestätigen?

Gruß,
Thomas

01.09.26, 14:32:06

mario

(Administrator)

Wäre mir auch neu...
Gruß Mario


123
01.09.26, 18:18:35

ulfberth

(Moderator)

Wäre der Säbel 1914 für Deutschland verfügbar (Ankauf / Beschlagnahme) gewesen, hätte es durchaus sein können. Hier herrschte auch Mangel an Waffen für Berittene.

Trotzdem bleibt die Frage, aufgrund welcher Merkmale die Identifizierung erfolgte? Ich sehe auf den Bildern keinerlei Markierungen, welche den Schluß zulassen.

Gruß

ulfberth


www.seitengewehr.de
01.09.26, 20:46:13

Zietenhusar

(Hausmeister)

Vielen Dank, Mario und Rolf.

Um so einen Säbel erbeuten zu können, muss er in Frankreich im Krieg eingesetzt gewesen sein. Hier liegt wahrscheinlich der Schlüssel. Ich meine, irgendwo mal gelesen zu haben, dass Frankreich den Export dieser Säbel im 1. Weltkrieg wegen Waffenmangel gestoppt hatte.
Grundsätzlich ist nichts unmöglich, aber so ohne Stempel doch sehr fragwürdig.

Gruß
Thomas

01.09.26, 21:54:48

joehau

(Mitglied)

Der Säbel M1890 und wurde sicherlich zeitnah nach Chile geliefert. Relativ
unwahrscheinlich, dass 24 Jahre später noch Stücke in Châtellerault lagen,
die dann zuerst in französische Dienste kamen und danach noch als
Beutestücke dienten.

Ich vermute eher eine Nachlässigkeit bei der Einordnung in
der Ausstellung. Dafür spricht auch die Zuordnung 'Preussen'.

Auffällig ist das vermickelte Gefäßes. Die Gefäße des chilenischen
Mannschaftssäbels waren normalerweise aus blankem Stahl.


02.09.26, 00:18:21

Zietenhusar

(Hausmeister)

In den frühen 2000er Jahren hatte ich mir so einen Säbel beim Jagdausstatter "Frankonia Jagd" als Original bestellt. Nachdem ich diesen nach wenigen Jahren verkaufen wollte musste ich mir sagen lassen, dass es sich um eine Kopie handelt. Das veranlasste mich, Kontakt zu Frankonia aufzunehmen. Auf meiner enttäuschten Reaktion hin, empfahlen sie mir die Kontaktaufnahme mit dem hauseignen Experten für historische Waffen.
Als ich diesen am Hörer hatte, merklich ein Herr jenseits der 70 Lebensjahre, empörte er sich zuerst darüber, dass man ihn seitens Frankonia einfach weiter reichte, dann erklärte er sich eigens auf das Expertenwissen zu Feuerwaffen und zuletzt beschrieb er mir dann doch den Werdegang dieses Säbels.

Die Säbel dieses Modells im Lager von Frankonia Jagd beruhten auf einen umfangreichen Bestand an Klingen, die aufgekauft und nach Indien gesandt wurden, um sie dort mit diesem Gefäß und einer Scheide zu vervollständigen. Die Aussage die dann folgte erzählte ich schon oft, zuletzt am vergangenen Donnerstag in Rastatt. Der Experte meinte dann, dass ein Gegenstand als historisches Original anzusehen ist, wenn der Anteil davon mindestens 15% beträgt.

Was ich aus diesem Gespräch mitnehmen konnte war unter anderem, dass von diesen Klingen in den 1970er und 80er Jahren reichlich vorhanden gewesen sein mussten. Wo genau, das wurde nicht gesagt bzw. habe ich vergessen.

Gruß,
Thomas

02.09.26, 08:19:45

ulfberth

(Moderator)

Der deutsche Versandhandel um 1905-1914 hatte solche Säbel - soweit mir bekannt - nicht im Dekorationsangebot. Hier tauche "Blücher" und franz. "Fahrkanoniere" bzw. 1822er auf.

Kriegsbeute in Belgien ist ebenso wenig zu erwarten wie eine solche in Frankreich.

Unabhängig davon ist die von Dr. Michael Gordon angelegte Studiensammlung allein schon eine Reise nach Rastatt wert.

Gruß

ulfberth


www.seitengewehr.de
02.09.26, 08:49:25

joehau

(Mitglied)

15% Eigenanteil ist eine sehr eigenwillige Definition, der ich mich
durchaus nicht anschließen möchte. Anfangs verkaufte der Franke
noch gefährlich gute Säbelkopien, allerdings unter der Bezeichnung
'originalgetreu', später wurde es mehr und mehr billiger Indienschrott.

Andererseits stöberen deren Einkäufer so manche Depots auf, und sie
verkauften Unmengen originaler Bajonette, man denke z.B. an Argentinien.



02.09.26, 08:55:44

Ulan13

(Mitglied)

Zitat von Zietenhusar:
Der Experte meinte dann, dass ein Gegenstand als historisches Original anzusehen ist, wenn der Anteil davon mindestens 15% beträgt.
Das ist ja lachhaft! Wenn ich mir also eine Kürassieruniform mit allem Drumherum anziehe, somit das Gewicht dieser Uniform 15% meines Gesamtgewichts übersteigt, bin ich als originaler Kürassier anzusehen, oder was? Sollte es zufällig ein Ensemble sein, das Bismarck gehörte, bin ich ergo der originale Bismarck und somit eine historische Persönlichkeit... lachen lachen lachen
Nein, im Ernst, so eine Aussage ist aus Sammlersicht kompletter Unfug und zeigt deutlich die Kompetenz eines solchen "Experten". Da fühlt man sich vera...!
Na ja, in etlichen Museen ist ja auch inzwischen die "politisch korrekte" Einordnung der Exponate wichtiger als die historisch korrekte... traurig

Grüße vom Ulanen

02.09.26, 10:12:37

joehau

(Mitglied)

Zitat von Zietenhusar:
...
Die Säbel dieses Modells im Lager von Frankonia Jagd beruhten auf einen
umfangreichen Bestand an Klingen, die aufgekauft und nach Indien gesandt
wurden, um sie dort mit diesem Gefäß und einer Scheide zu vervollständigen.


Es ist möglich, dass Frankonia da mal irgendwas gefrickelt hatte.

Das Modell 1890 aus Châtellerault gab es aber in Chile. Châtellerault hatte
auch die Vorgängermodelle an Chile geliefert. Ich habe gerade mal kurz im
Internet recherchiert. Das Museo Marítimo Nacional hat einen solchen
Säbel M1890 als Exponat. Und die sollten es ja eigentlich wissen...


02.09.26, 11:56:09
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