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stavblue0815

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Der unbeugsame Förster und sein Hirschfänger

Es könnte die Kaiserzeit oder aber auch die Weimarer Zeit einschlägig sein, da ich das Aufnahmedatum des Fotos nicht kenne: Heute habe ich die WSBG in Greding besucht und diesen für mich persönlich tollen Fang gemacht: Einen bayrischen Hirschfänger von W.K. & C. für Förster mit wohl zugehörigem Portepee und Gehänge. Zu dem Foto meines Großvaters gibt es eine kleine Geschichte:

Mein Großvater diente schon in der Kaiserzeit als Förster und Jäger im bayrischen Wald. Kurz vor Ausbruch des Krieges zog er aufgrund einer Beförderung um, verkaufte in seiner alten Heimat seine Wälder und wollte dafür Wälder in der Nähe seines neuen Sägewerks erwerben. Mit Kriegsbeginn platzten seine Verträge und aus Not investierte er den Großteil seines Vermögens in Kriegsanleihen und den anderen Teil hortete er in Silber im Keller. Beruflich lief es für ihn leider auch nicht besser, da er sich weigerte, in die Partei einzutreten. Nachdem er sich nicht überzeugen ließ, wurde er schließlich frühpensioniert.

Als zum Kriegsende die Amerikaner auf den Ort zurückten, verteidigte diesen verbissen eine versprengte SS-Einheit und fügte der amerikanischen Infanterie böse Verluste zu. Ein junger Deserteur der SS gelangte an das damals am Ortsrand abgelegene Försterhaus und bat meinen Großvater um Hilfe, er wolle nicht mehr, er wollte nur noch nach Hause. Mein Großvater nahm ihn auf und versteckte ihn, als dann kurze Zeit später die SS an der Türe pochte, deckte mein Großvater den jungen Burschen. Die Amerikaner übten sich derweil nicht in Geduld, sondern legten mit der Artillerie den Ort in Schutt und Asche. Als deren Panzer auf das Försterhaus zurollten, beschossen diese mit Panzergranaten das Anwesen, noch heute kann man in den Holzdecken die Granatsplitter stecken sehen. Mein Großvater hatte aufgrund einer Ahnung die Kellerdecken mit Eisenbahnschienen verstärkt, sodass die ersten Einschläge im Keller keinen Schaden anrichteten. Doch dann nahmen die „Befreier“, nachdem sie das Anwesen ohne Gegenwehr umfahren hatten, die Kellerfenster ins Visier:

Mein Großvater hörte das Klackern des drehenden Turmes und schnappte sich intuitiv seine beiden Knaben und schubste seine Frau in den benachbarten Kellerraum, der kriegsmüde Soldat folgte ihm dicht und deckte nun selbst mit seinen Körper meinen Großvater mit seinen beiden Söhnen auf dem Arm, als die Granate im Kellerraum einschlug: meine Familie überstand wie ein Wunder den Einschlag unverletzt, doch der jugendliche Soldat und eine aufgenommene Familie mit ihrer jungen Tochter, die sich auch mit dem Jungen zwischenzeitlich angefreundet hatte, starben.

Die GIs stürmten das Anwesen, schlachteten alle Hühner, jagten die Überlebenden in den Wald und plünderten das zerschossene Haus. Sie schleppten dabei nicht nur mit Gejohle das Silber aus dem Keller, sondern stahlen auch den geliebten Hirschfänger meines Großvaters. Doch nicht genug, später fanden sie aufgrund von Verrat die vergrabene Schusswaffensammlung meines Großvaters, weshalb sie diesen festnahmen, vor dessen entsetzten Augen die antiken Waffen zerschlugen und steckten ihn in ein KZ, das er nur überlebte, da er nicht Parteimitglied war. Zurückgekehrt trauerte er noch viele Jahre um seinen schönen Hirschfänger. Doch zumindest sind sie heute wieder auf der Wand vereint:

Der unbeugsame Förster und „sein“ Hirschfänger.

Beste Grüße
Ferdinand


20.03.26, 18:55:46

Ulan13

(Mitglied)

Was für eine Geschichte! Hervorragend geschildert, man sieht den Film geradezu vor dem inneren Auge ablaufen! Allerdings eher Drama als Kommödie. Wie die deutsche Geschichte eben ist...
Vielen Dank, daß Du uns hast teilhaben lassen. Und ebenso viel Spaß mit dem Hirschfänger. Dein Großvater wird im Himmel schmunzeln lachen

Grüße vom Ulanen

20.03.26, 19:08:38

frankoblanko

(Mitglied)

Die Amis warn halt auch nicht besser als die Russen.Wehe dem besiegten.Im übrigen hat sich daran nichts geändert,wie man gerade sehen kann.
Grüße,und Danke fürs zeigen.

20.03.26, 19:29:11
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