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Thema: Offizierssäbel M/1852 Leibregimenter zu Fuß (https://www.deutsches-blankwaffenforum.de/topic.php?id=10665)


Geschrieben von: Ulan13 am: 14.02.26, 15:20:48
Es ist ja nachgerade schon schwierig geworden, hier im Forum eine Ordonnanz-Blankwaffe
vorzustellen, über die noch nichts geschrieben wurde. Aber manchmal gelingt das doch. zunge raus
Hier also ein schwedischer M/1852 Offizierssäbel des Leibregiments zu Fuß aus der
Ära Oskars I. (reg. 1844 - 1859)

Zu der Klinge, einer sog. "Hafström-Klinge" hat unser leider viel zu früh versorbenes
Forumsmitglied "Schwekapi" ja schon einiges geschrieben, daher zitiere ich das hier nur:

Zitat von schwekapi:
1839 war man in Schweden der Ansicht, neue Modelle von Dragoner- und
Husarensäbeln anzuschaffen. Seine königliche Majestät befahl deshalb, dass der Leutnant
beim Svea Artillerieregiment Jonas August Hafström in Zusammenarbeit mit dem Rittmeister
bei der Leibgarde zu Pferd, Gustaf Fredrik Liljencrantz, sollten „konstruieren und zu
gnädiger Genehmigung vorlegen zwei solcher Modelle“. Als Resultat blieb ein Säbel, der
von Hafström allein konstruiert worden war. Dieses Projektmodell erfuhr noch einige Änderungen
am Gefäß und wurde 1842 als Modell eines neuen schwedischen Kavalleriesäbels genehmigt.

Der Handschutz auf der Terzseite war stark in Richtung Griffkappe gebogen. 1847 wurde
dieses Modell leicht geändert. Der Handschutz wurde beim Säbel m/1847 weiter nach unten
gebogen. Vermutlich gab es Beschwerden, dass die Reiter mit Handschuhen den Vorgänger
schlecht greifen konnten. Beide Modelle wurden an die Leibgarde zu Pferd (1846),
Skåne Husaren Regiment (1846) und Kronprinzhusaren Regiment (1852) ausgegeben.

Vermutlich wurden auch Säbel vom Modell m/1842 zum Modell m/1847 umgearbeitet.

Diese Klingenform wurde zu der Zeit noch bei vielen anderen Blankwaffenmodellen eingeführt.
Am bekanntesten ist wohl das Faschinenmesser m/1848. Mit dieser Klinge bekamen aber auch
beim Modell 1853 die Unteroffiziere der Infanterie und Infanterieleibgarderegimenter eine
neue Seitenwaffe. Auch der Säbel m/1849 für die Offiziere der Leibgarde zu Pferd hatte
diese Klinge. Die Säbel m/1852 für Offiziere der Leibregimenter zu Fuß,
der Enterhauer m/1851 und der Hauer m/1866 für die Schärengarten Artillerie
bekamen diese Klinge. Zu guter Letzt wurden mit dieser Klinge noch der Haudegen m/1843
für Unteroffiziere der Flotte, der Säbel m/1846 für Flaggenunteroffiziere,
der Hauer m/1885 für Unteroffizierskorporale (Flotte) und
der Säbel m/1850 für Seeoffiziere ausgestattet.



Geschrieben von: Ulan13 am: 14.02.26, 15:22:29
Nun zu dem hier vorliegenden Stück:

Hersteller: Morell & Co in Stockholm

Maße:
Gesamtlänge (mit Scheide): 93cm
Klingenlänge: 78,2 cm
Klingenbreite (max.): 3,5 cm
Klingenbreite (min.): 2,5 cm
Gewicht: 1489 g

Die Klinge ist einseitig geschliffen, ab ca. 20cm vor dem Ort doppelseitig. Obgleich Griff
und Klinge auf einer Linie liegen, wie bei einem Degen, ist dieser Säbel aufgrund der sehr
breiten Spitze (und auch des recht hohen Gewichts) wohl eine eher schlechte Stichwaffe.
Die Fähigkeiten als Hiebwaffe dürften ungleich wirkungsvoller sein.

Der pistolenförmige, gewaffelte, schwarze Holzgriff mit drei Messingnieten liegt gut in der
Hand und erinnert ein wenig an osmanische/persische Waffen, etwa einen Shamshir oder einen Kilij.

Asymetrisches Gefäß aus Messing (vergoldet) mit dem schwedischen Wappen, Verzierungen
(Fahnen, Trophäen) und der Herrscherchiffre Oskars I.
Die ungemarkte Hafströmklinge
(unverziert) mit mittigem Ort ist mit beidseitigem Hohlschliff bis 20cm vor dem Ort versehen.

Mir gefällt das Design dieses Säbels, besonders der Klinge, sehr. Von skandinavischer
Kargheit kann bei diesem Modell keine Rede sein.

Das Leibregiment zu Fuß, dessen Offiziere diesen Säbel nutzten, ist eine Eliteeinheit,
die seit 1573 nicht nur die königliche Familie zu beschützen hatte, sondern teilnahm an
zahlreichen militärischen Unternehmungen Schwedens, das ja eine durchaus ruhmreiche
Geschichte hat (Gustav-Adolf, Karl XII, etc...).
Sie existiert bis heute als "special force".

Grüße vom Uanen


Geschrieben von: M 71 am: 14.02.26, 19:29:19
schöner Beitrag !!

Mit Gruß: M 71


Geschrieben von: Ulan13 am: 14.02.26, 19:30:28
Vielen Dank! Ist ja auch ein schöner Säbel... cool


Geschrieben von: ulfberth am: 14.02.26, 20:04:02
Danke für die Vorstellung.

Gruß

ulfberth


Geschrieben von: joehau am: 17.02.26, 05:07:30
Ein sehr schöner Säbel. Die schlanke Hafström-Klingenform
gefällt mir außerordentlich gut.


Geschrieben von: Ulan13 am: 17.02.26, 11:17:34
Mir eben auch. Daher steht nun neben dem dazugehörigen schwedischen Faschinenmesser m/1848 auch noch ein sächsisches Ari-Faschinenmesser m/1879 auf dem Wunschzettel... lachen

Grüße vom Ulanen


Geschrieben von: joehau am: 17.02.26, 12:53:13
dieses hier:

Sachsen Artillerie-FM1879, GEBR. WEYERSBERG


Geschrieben von: ulfberth am: 17.02.26, 13:00:08
Und warum nicht ein solches Stück mit Aufpflanzvorrichtung? lachen



Geschrieben von: Ulan13 am: 17.02.26, 14:13:14
@joehau: Genau, dieses! Wun-der-schön! Auch den Griff finde ich absolut gelungen. Daumen

@ulfberth: Hm, warum eigentlich nicht...? zwinkern Das ist das Schöne an dieser Passion: Man entdeckt immer neue, tolle Modelle und wird irgendwann nur noch durch den Platz limitiert! ("Sehr geehrtes Bauamt, Ich muß mein Haus aufstocken, damit ich mehr Platz für meine Waffensammlung habe und bitte um die entsprechende Genehmigung..." lachen )

Grüße vom Ulanen