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Thema: Truppenstempel auf ZN-Gewehr (https://www.deutsches-blankwaffenforum.de/topic.php?id=10409)


Geschrieben von: todi.l am: 16.08.25, 09:31:22
Lieber Clouseau.
Natürlich, in aller erster Linie a, deshalb habe ich ja dieses Thema eröffnet.
Wie dein Kommentar unter b vermuten lässt, hast du eine andere Vermutung, oder noch besser, fundiertes Fachwissen.
Es wäre schön, wenn du das hier mitteilen würdest.
Zu b. Gerne kann natürlich auch darüber sachlich und fachlich diskutiert werden, wobei wir natürlich wieder bei a landen lachen .
Ich habe dieses Thema eröffnet, weil ich davon keine Ahnung habe (und davon reichlich) und ich gehe davon aus,
das die Vermutungen, die hier geäußert wurden, einen gewissen fachlichen Hintergrund haben und dann via Diskussionen und Dokumenten bestätigt
oder wiederlegt werden können.
Und da es noch keine Stichhaltige Erklärung gibt, denke ich,
ist das Thema auch für viele von Interesse.


Geschrieben von: corrado26 am: 16.08.25, 11:25:50
Irgendetwas verstehe ich da nicht:

Zu Anfang gibt es Bilder mit dem ominösen "Truppenstempel" und einem nicht militärischen Visiersockel. Dann aber tauchen plötzlich Bilder eines preußischen ZN-Gewehrs M/62 auf, das einen völlig anderen Treuppenstempel und ein völlig abweichendes Visier zeigt. Was soll das?

"Am 16.11.1851 hat das Artillerie-Corps Commando drei in der Gewehrfabrik Amberg hergestellte Zündnadelgewehre mit den dort erhaltenen Schießergebnissen vor. Zwei Gewehre wurden einer am 11.02.1850 zusammengestellten Handfeuerwaffen-Versuchskommisasion übergeben, welche Versuche vorzunehmen und ein Schlussgutachten abzugeben hatte. Die Ergebnisse konnten die bayerischen Fachleute nicht beeindrucken.
Generalmajor v. Ott als Vorstand dieser Kommission legte am 27.06.1854 dem Kommando des I. Armeekorps ein Protokoll über Versuche mit Zündnadelgewehren vor, das mit Begleitbericht vom 23.07.1854 an den König ging"
. (Reckendorf, die bayerischen Handfeuerwaffen 1800-1875, S.191 ff)

Auf dem Kolben des fraglichen Gewehres findet sich zweimal der Stempel "T.U.K.II.", was ich als Technische Untersuchungs-Kommission, Abteilung II interpretieren möchte und bei der es sich eventuell um die im Februar 1850 aufgestellte Handfeuerwaffen-Versuchs-Kommission handeln könnte.

Dass es sich hier eindeutig um ein Versuchsstück handelt, geht zweifellos aus dem minimalistischen Visier hervor, welches in dieser Art im Allgemeinen und nicht nur in Bayern zu Schieß- und Munitionsversuchen Verwendung fand.


Geschrieben von: Clouseau am: 16.08.25, 12:21:29
Ich denke, dass die Hinweise von ulberth schon in die korrekte Richtung weisen, während die Antwort des BAM in sich widersprüchlich ist.

Es soll sich -nicht- um einen Truppenstempel handeln, weil es in der Stempelordnung von 1877 kein „Z“ gibt. Gemeint ist offenbar die „Vorschrift über das Bezeichnen und Numerieren…“, herausgegeben vom Preuß. Kriegsministerium im Jahr 1877. Diese ist durch einen erfolgten Nachdruck allgemein bekannt; es gab jedoch wesentlich mehr Stempelvorschriften, deren Kenntnis jedoch in der Sammlerschaft nicht so verbreitet sind. Es handelt sich dabei um eine a) preußische Vorschrift, die b) nur für das Militär galt.
M. M. nach ausgeschlossen ist, dass es sich bei dem vorgestellten Stück um ein preußisches (Militär-) Gewehr handelt. Also kann man zur Identifizierung der Stempel keine preuß. Militär-Stempelvorschrift beiziehen.

Die Art der Stempelung auf der Kolbenkappe macht durchaus den Anschein eines Formationsstempels. Solche waren auf Versuchswaffen in dieser Form eher ungebräuchlich.
Zu beachten ist auch, dass die „1“ sowohl in diesem Truppenstempel (?), als auch auf Lauf und Verschluss auftaucht. Bei den letzteren ist idR. die Waffen-Nummer (ggf. deren zwei letzte Ziffern) zu finden, wie sie z. B. auf dem Schraubenkopf der Kolbenkappe vorhanden sind. Sie haben nicht angegeben, ob diese „92“ (?) oder die „1“ auf weiteren Einzelteilen zu finden ist. Eine weitere Besonderheit.

Ich würde mich an Ihrer Stelle zunächst um die Identifizierung der restlichen Schaftstempel bemühen: „LA“ (?) - Langer Anschlag und „T.U.K.II.“ (mir völlig unbekannt, s. den Vorschlag von corrado26).

Viel Erfolg beim weiteren Recherchieren


Geschrieben von: ulfberth am: 16.08.25, 12:41:49
Die bayerische H.St.V. von 1877 verwendet kein "Z". Bei den späteren sieht es dann anders aus. Zweibrücken (na ja, sind keine Bayern, sondern halt Päälzer) und die Verbindung zum Zug in Verbindung mit Lazarett.

Spielt aber m. E. aber keine Rolle, da das Stück vermutlich nicht militärisch sein dürfte.

Gruß

ulfberth


Geschrieben von: todi.l am: 18.08.25, 08:52:36
Vielen Dank für eure Ausführungen.