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Thema: Schmiedezangen (https://www.deutsches-blankwaffenforum.de/topic.php?id=10300)
Geschrieben von: Zietenhusar am: 30.04.25, 05:02:59
Die Schmiedezange,
unspektakulär und oft unansehnlich, grob im Design und doch für die Feinarbeit am Amboss unverzichtbar, in der Regel vom Schmied selbst gefertigt, hin und wieder aber auch industriell. Es gibt sie in den unterschiedlichsten Ausführungen, für die verschiedensten Materialstärken und -formen.
Sehr selten finde ich mal eine auf dem Flohmarkt. In den vergangenen 1,5 Jahren habe ich gerade mal vier Stück zusammenbekommen. Es handelt sich hierbei um so genannte Wolfsmaulzangen. Mindestens zwei davon sind von einem Schmied handgeschmiedet, mindestens eine ist aus industrieller Fertigung und bei einer bin ich mir nicht sicher.
Jedenfalls halte ich immer die Augen offen, auch wenn sie selten ein Schnäppchen sind.
1. Foto: Die mit 520 mm Gesamtlänge größte im Bunde. Maul mit planen Flächen.
2. Foto: Gesamtlänge 455 mm, mit Längsnut zum Greifen von runden Werkstücken, z.B. Stäbe.
3. und 4. Foto: Gesamtlänge ca. 440 mm, gestempelt mit G64
5. und 6, Foto: Gesamtlänge 385 mm, Maul für Rundmaterial, Unklar gestempelt mit OS/US, daneben 1 im Dreieck (DDR-Gütezeichen) und darunter unleserlicher Schriftzug.
7. Foto: Alle vier im Bunde
Gruß,
Thomas
Geschrieben von: Ulan13 am: 30.04.25, 10:32:15
Sehen ganz schön archaisch aus, besonders die selbstgeschmiedeten. Daher wird wohl gerade bei diesen eine Datierung ziemlich schwer sein, wie ich mir vorstellen kann. Erinnern mich irgendwie auch an die Zangen, die bei Kaminbestecken dabei sind.
Vielen Dank für's Zeigen, sowas ist immer faszinierend.
Grüße vom Ulanen
Geschrieben von: Zietenhusar am: 03.11.25, 04:45:46
Letztens bekam ich ein Buch in die Hand gedrückt, mit den Worten "Thomas, das könnte dich vielleicht interessieren."
Angewandte Landmaschinenkunde
Band 1
Acker-Kulturgeräte
Ing. Reinhold Thebis
Berlin 1947
Verlag Werner Cronbach
Auf der Seite 55 finden sich auf Abb. 54 "Schmiedefeuergeräte".
Geschrieben von: Zietenhusar am: 21.12.25, 07:30:35
Heute zeige ich die HIER schon mal kurz erwähnte Schmiedezange. Laut Verkäufer hing sie, zusammen mit dem hinter demselben Link befindlichen Beil und einer Blechschere als Deko an einer Wand.
Man sagt ja, dass sich jeder Schmied sein Werkzeug selbst schmiedet. So ist auch diese Zange ein handgeschmiedetes Produkt. Als Werkzeugliebhaber kann man diesbezüglich auf einen noch ausreichend vorhandenen Bestand alter Schmiedewerkzeuge zurückgreifen.
Hier der Fundzustand und nach meiner üblichen Reinigungs- und Pflegeprozedur.
Geschrieben von: Zietenhusar am: 21.12.25, 07:42:21
Und hier die im Beil-Thema erwähnte "kleine Kunstfertigkeit". Um sowas zu entdecken braucht man ein gutes Auge, was ich zum Glück noch besitze.
Es handelt sich nicht um eine schöne Verzierung. Es ist eine Feuerverschweißung.
Die nachfolgende Anekdote findet sich wahrscheinlich schon einmal im Forum, aber an dieser Stelle will ich sie dennoch einmal erzählen.
Als Lehrling, etwa 17-jährig, arbeitete ich bei unserem Betriebsschmied. Neben diesen hatten wir noch einen Maschinenschlosser, der Kunstschmied erlernte. Eines Tages standen beide am Amboss und bereiteten etwas vor. Ich trat neugierig heran und schaute wohl fragend aus der Wäsche, da meine der Schmied zu mir, dass sie die beiden, funkensprühenden Enden verschweißen wollen. Ich fragte, warum auf dem Amboss und wie geht das ohne Schweißgerät? "Dann schau mal zu, Junge!"
Und so sieht's dann aus, fester und spannungsärmer als jede Elektroschweißnaht.
Ich wünsche allen einen schönen 4. Advent.
Gruß,
Thomas
Geschrieben von: Ulan13 am: 21.12.25, 10:47:46
Tolles Teil, besonders weil handgemacht und daher in Grunde so wie hunderte Jahre vorher. Das nenne ich Tradition! Im Zeitalter der Massenproduktion undenkbar! Vielen Dank auch für die Schmiede-Anekdote. Ich finde so etwas immer interessant und faszinierend.
Übrigens ist diese Zange auch als Grillzange gut zu gebrauchen, wie es scheint
!
Grüße vom Ulanen
Geschrieben von: stavblue0815 am: 21.12.25, 17:21:13
Vielen Dank für das Zeigen - solche Reaparaturen in alter Handwerkskunst verleihen so einem Stück auch ein besonderes Stück Geschichte!
Beste Grüße
Ferdinand