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Thema: Maulschlüssel und Ringschlüssel (https://www.deutsches-blankwaffenforum.de/topic.php?id=10176)
Geschrieben von: stavblue0815 am: 10.01.26, 16:13:34
Dieses 143 Gramm schwere und 159 mm lange Stück trägt das einen Adler stilisierende Logo der Adlerwerke im Zeitraum von 1932 bis 1945, wie auch diese Quelle für Reklame zeigt. Ursprünglich von Heinrich Kleyer 1880 als Kleyer-Werke in Frankfurth am Main gegründet, firmierte das Unternehmen ab 1886 als Adler-Fahrradwerke. Ab 1900 stellte das Unternehmen den ersten Personenkraftwagen her und nannte sich 1906 als Adler-Werke um.
Das Unternehmen florierte und auch nach dem Krieg waren die Weichen gut gestellt, als aus der „Siegerhaft“ der Generaldirektor „total geschockt“ zurückkehrte, alles verschrotten ließ und das Unternehmen anscheinend völlig auf den Kopf stellte: unter anderem ließ er statt Fahrzeuge nun Schreibmaschinen herstellen und besiegelte damit dessen Untergang. 1955 übernahm die Grundig-Gruppe die Reste des ruinierten Unternehmens. Also statt: Schwerter zu Pflugscharen, galt wohl: Autos zu Schreibmaschinen – so in der Art.
Beste Grüße
Ferdinand
Geschrieben von: stavblue0815 am: 17.01.26, 17:59:29
Hallo zusammen,
nachdem ich mich zu Audi schon etwas ausgelassen habe, komme ich nun „ungewollt“ etwas auf die Unternehmensgeschichte der Benzwerke Gaggenau zu sprechen: Eigentlich habe ich diesen Schlüssel als schnödes Tauschobjekt für einen Händler gegen einen begehrten Horchschlüssel erworben – der Händler wollte unbedingt mit einem Bordwerkzeug der Benzwerke Gaggenau tauschen: Das Werk in Gaggenau wurde bereits 1894 gegründet und produziert seit 1895 Fahrzeuge – es darf sich daher als das älteste bis heute produzierendes Werk der Welt für Fahrzeugbau betiteln. Ab 1907 kam die damalige Benz & Co ins Spiel: nach dem Einstieg übernahm 1912 Benz vollständig das Werk von der Süddeutschen Automobil-Fabrik, welches sich zwischenzeitlich auf LKW und Omnibusbau spezialisiert hatte. Das erklärt auch die Größe des Schlüssels von 300 mm und 902 Gramm Gewicht.
Nachdem 1926 Benz mit Daimler fusionierte, bleiben die Jahre von 1912 bis 1926 als Entstehungszeitraum für diesen „BENZWERKE GAGGENAU“ – Schlüssel. Diese Schlüssel besitzen für mich überraschend eine ziemliche Seltenheit. Die Suche gestaltete sich aufwändig, ich schaltete sogar einen für Mercedes-Oldtimer spezialisierten Ersatzteilbeschaffungsagenten ein, der gleich abwinkte: dieser wüsste nicht, wo noch überhaupt so ein Schlüssel herumliegen könnte. Doch ich wurde fündig und konnte also diesen Schlüssel erwerben. Als ich also äußerst stolz diesen von ihm begehrten Schlüssel zum Tausch anbot, fiel auf einmal dem Händler ein, dass er noch prüfen müsse, ob die Schlüsselweite für ihn genehm sei und meldete sich nicht mehr. Da musste ich schon etwas lachen, ich meine, wenn man schon einen sehr seltenen Schlüssel zum Tausch fordert, dann kann man selbstverständlich die heimlich gewünschte Weite erwarten, schon klar. Schwamm drüber – jetzt bleibt er in meiner Sammlung, jemand Kleines wollte ihn sowieso nicht mehr hergeben und wie es der Zufall will, hat mir das Schicksal den begehrten Horchschlüssel unerwartet aus anderer Richtung gereicht.
Beste Grüße
Ferdinand
Geschrieben von: stavblue0815 am: 19.01.26, 18:09:33
Und hier die "neuen" Horchschlüssel, die in meine Sammlung gefunden haben, der gerade misst 251 mm und wiegt 430 Gramm, der Geschwungene bekommt 239 Gramm auf die Waage und streckt sich auf 226 mm: Man sieht sehr schön, dass die Vertiefungen in den Stücken wohl allesamt tiefschwarz lackiert (?) waren, die Schriftzüge hingegen nicht. Die beiden geschwungenen Ringschlüssel sehen auf den ersten Blick identisch aus, allerdings hat der Hersteller das oben bereits vorgestellte Stück (214 Gramm und 222 mm) an den Fassungen beidseitig sehr dünn geschliffen, während das neue Stück lediglich eine plangeschliffene Naht und abgerundete Ränder aufweist. Aufgrund der relativ akkuraten Arbeit schließe ich auf herstellerbedingte Arbeiten – möglicherweise für verschiedene Fahrzeugmodelle. Zuletzt grüßt der Horchschlüsselsalat!
Beste Grüße
Ferdinand
Geschrieben von: Ulan13 am: 19.01.26, 19:10:26
Feine Sammlung! Gratuliere!
Grüße vom Ulanen
Geschrieben von: stavblue0815 am: 24.01.26, 16:38:28
Benz & Cie A.G. oder Benz & Co A.G.?
Als ich mich mit den Benzwerken Gaggenau beschäftigte, landete ich natürlich auch bei Benz Mannheim. Also suchte ich nach einen würdigen, also den ältesten habbaren Vertreter seiner Benzart: dabei stieß ich auf zwei Vertreter: welche mit der Aufschrift „Benz & Cie. A.G. Mannheim“ und mit „Benz & Co A.G. Mannheim“.
Der „Cie.“-Schlüsselvertreter misst 234 mm und wiegt 378 Gramm, der große „Co“-Schlüssel erreicht 346 mm Länge und bekommt 1077 Gramm auf die Waage, der Kleine „Co“ streckt sich auf 176 mm und dessen Gewicht beträgt 112 Gramm.
Laut Wikipedia wurde die Bezeichnung „Cie.“ für den aus dem Französischen entlehnten Begriff Compagnie im deutschsprachigen Raum bis ins 19. Jahrhundert verwendet. Also dachte ich haha, der „Cie.“-Genosse ist der Ältere, aber: Carl Benz gründete 1882 zuerst die „Gasmotoren-Fabrik Mannheim“, aus der er 1883 ausschied und im gleichen Jahr die „Rheinischen Gasmotoren-Fabrik Benz & Co“ ins Leben rief. Allerdings nicht als Aktiengesellschaft, sondern als offene Handelsgesellschaft
1885 konstruierte Carl Benz das erste Automobil mit Verbrennungsmotor. Nach einem Streit schied Carl Benz wiederum aus der Firma aus, die aber den Namen Benz weiterführte und sich 1899 die offene Handelsgesellschaft in die „Benz & Cie. Rheinische Gasmotoren AG“ umbenannte.
Carl Benz hingegen gründete 1906 in Ladenburg bei Mannheim eine eigene Automobilfabrik, die er „Carl Benz Söhne“ benannte. Dieser dritte Anlauf konnte aber - gemessen an den Produktionszahlen - nur bescheiden an den Erfolgen der Benz & Cie. anknüpfen: 1924 stellte C. Benz Söhne die Fahrzeugproduktion ein und 2010 endete der Betrieb als Zulieferer gänzlich.
Tja, damit ist klar, dass die Herstellung des „Benz & Cie.“ -Schlüssels zwischen 1899 bis zur Fusion mit Daimler 1926 fällt. Aber woher stammen nun die „Benz & Co A.G.“ – Schlüssel? Ich habe die KI befragt - hier eine ihrer variierenden Antworten:
"Der Schlüssel mit der Aufschrift Benz & Co A.G. ist höchstwahrscheinlich der ältere bzw. stammt aus der unmittelbaren Übergangszeit um 1899, als die Rechtsform wechselte, aber der gewohnte Name „Co.“ noch auf Werkzeuge geprägt wurde. Die „Cie. A.G.“-Varianten decken den längeren Zeitraum bis zur Fusion zur Daimler-Benz AG im Jahr 1926 ab." Das hört sich nett an, aber KIs genießen eine Fehlerquote von 45 Prozent.
Beste Grüße
Ferdinand