Voriges Jahr war ich bei einer Haushaltsauflösung. Die Frau und ihre Tochter staunten nicht schlecht, als ich sagte, dass ich die Wohnung nicht sehen, wohl aber im Keller stöbern möchte. Viel Platz ist in den kleinen Mietwohnungskellern nicht, weshalb ich auch keine großen Schätze erwartete. Neben etwas nützlichem Krimskrams sah ich aber eine kleine Werkbank mit Schraubstock drauf. Beides habe ich reserviert, habe Christian, meinen Schwiegersohn in spe geholt und das Teil aus den Keller in mein Auto geladen. Auf seine Frage hin, wo ich sie aufstellen will, musste ich ihm antworten, dass ich erstens keinen Schimmer habe und zweitens nicht mal einen Bedarf. Ein Grinsen und ein Augenrollen seinerseits folgten unmittelbar.
Nun hatte ich sie, eine professionell konstruierte Werkbank, wahrscheinlich schon um die 50 bis 60 Jahre alt. Die Arbeitsfläche mit einer grünen Linoleumbahn bezogen, gezeichnet von jahrzehntelangem Gebrauch. Mit Löchern von zwei unterschiedlichen, nacheinander montierten Schraubstöcken, übersäht von reingeschmolzenen und -geschliffenen Narben, Farbklecksen und einer Notiz. So ein Oberfläche ist wie ein Fingerabdruck und hat eine Seele. Der ehemalige Besitzer muss sie gerne genutzt haben.
Die Arbeitsfläche beträgt 800x530 mm, die Höhe etwa 910 mm. Die Holzbohlen haben eine Stärke von ca. 38 mm. Die Arbeitshöhe ist ungewöhnlich aber erstaunlich komfortabel.
Nun, da ich auch dieses schöne Stück aus Platzgründen nicht in meiner Werkstatt integrieren kann, habe ich die interessante Oberfläche entfernt um Platz für neue Ab- und Eindrücke zu schaffen.
Der Schraubstock, welcher darauf montiert war, war mal gebrochen und wurde erstaunlich gut repariert. Den hatte ich aufgearbeitet und inzwischen schon wieder verkauft.
Gruß,
Thomas