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stavblue0815

(Mitglied)

Hallo zusammen,

nachdem ich bei meinem regionalen Händler die bereits vorgestellten drei Grabendolche in einer hinteren Vitrine ausgegraben hatte, habe ich dort weiter gestöbert und zwei weitere, private Stücke herausgepickt:

Ich war zuerst sehr skeptisch, da bei beiden die Parierstangen wackeln – fehlende Stoßleder? – aber das Stück mit der Säge fand ich von Anfang an wegen dem Herstellerort interessant: „STRASBURG“. Ein Strasburg liegt in der Uckermark, aber die Suche mit dem Herstellernamen: „L. SPRINGER“ ergab nur Treffer eines Herstellers namens Louis Springer zum heutig in Frankreich gelegenen Straßburg, auf Französisch: Strasbourg. Also liegt entweder eine mir unbekannte Schreibweise von Straßburg vor oder das Stück stammt vielleicht doch aus der Uckermark? Die Säge und teils schwarzbläulich patinierte Parierstange fand ich witzig, das Spiel der Parierstange nicht so schlimm wie bei dem anderen Stück und schön: die Lederscheide mit Schlaufe blieb im Wesentlichen intakt. Als der Händler 75 Euro als Kaufpreis bot, legte ich ihn nicht mehr zurück.

Den anderen schwarzgriffigen Dolch ohne erkennbare Markierungen fotografierte ich lediglich und fand zuhause glatt einen ähnlichen bei Halasz. Die Dolchspitze des Verschmähten ist allerdings ziemlich verschliffen und die Parierstange wackelt gefühlt fast wie ein Glöckchen, daher zaudere ich immer noch. Den Bezahnten wiederum habe ich in den Büchern von Halasz nicht finden können. Die Klinge des Sägezahns misst 225 mm, das ganze Stück 357 mm und wiegt 335 Gramm.


Bildzitat: Seite 143, Eugen von Halasz de Darbas, Deutsche Kampfmesser, Militair-Verlag Klaus D. Patzwall 22851 Norderstedt 1996

Beste Grüße
Ferdinand


16.01.26, 01:31:06

stavblue0815

(Mitglied)

Und hier noch der "Strasburger" mit der Säge:

16.01.26, 01:33:51

bert.f

(User)

Hallo,Louis Springer, ein Kaufmann aus Straßburg

16.01.26, 08:21:09

Josef

(Mitglied)

"Grabendolch" wird gern als Sammelbegriff für solche Art Messer/Dolche benutzt. Ist wertsteigernd, aber nicht zutreffend. Sind und bleiben Jagdmesser/Dolche. Wie Halasz selber schreibt, vor, während und nach dem Krieg produziert.

Grüße Josef

16.01.26, 10:49:10

ulfberth

(Moderator)

Grabendolch erst nach dem 2. Weltkrieg durch quasi- Übersetzung des engl. Ausdrucks „trench-knife" ins Deutsche übernommene Bezeichnung für zum Nahkampf bestimmte Messer und Dolche; s. Nahkampfmesser, Sturmdolch

Siehe auch Gerhard Seifert "Fachwörter der Blankwaffenkunde".

Gruß

ulfberth


www.seitengewehr.de
16.01.26, 12:07:14

ulfberth

(Moderator)

Ansonsten handelt es sich um jagdliche Messer und Dolche, die in dieser Form von der Mitte des 19ten Jahrhunderts bis in die Gegenwart gefertigt wurden.

Die Seite von Albrecht Kind (AKAH) ist von 1908, die von Hubertus von 1998.

Katalog Hubertus aus den 50er Jahren.

Was bei den Solinger Herstellern inzwischen weggefallen ist, sind die zweischneidigen Jagdnicker. Siehe Waffengesetz.

Natürlich tauchen solche Jagdnicker auch auf Fotos von jungen Soldaten beim der Ausmarsch auf. Blumen im Gewehr, ein Dolceh am Koppel, in der Tasche oder im Stiefel etc. Nur sollte man sich hierbei die Frage nach der Requisite des Gotographen stellen. Nicht alles was zu sehen ist, gehörte auch zur Ausrüstung. Gleiches git für die dabei gezeigten Gewehr älteren oder alten Modells.


Gruß

ulfberth


www.seitengewehr.de
16.01.26, 12:34:30

AndyB

(Mitglied)

Fraglich ob man solche Stuecke zeitlich begrenzen kann?
https://schlender-antik.com/en/shop/grabendolch-von-hammer-schlaegel-solingen/

16.01.26, 17:24:27

stavblue0815

(Mitglied)

Vielen Dank für eure Antworten, dann ist der Sägezahn also tatsächlich ein Straßburger. Aufgrund der eingedeutschten Schreibweise des Herstellerortes (STRASBURG) gehe ich daher von einen Entstehungszeitraum zwischen dem Ende des deutschfranzösischem Kriegs 1871 und dem Versailler Vertrag 1918 oder während der Besetzung 1940 bis 1944 aus. Der Hersteller markierte seine Produkte auch mit französischer Bezeichnung (Strasbourg) - daher stelle ich die Annahme auf, dass die unterschiedlichen Schreibweisen der unterschiedlichen nationalen Zugehörigkeiten im Laufe der Zeit geschuldet sein könnten. Das ist aber eine reine Vermutung von mir.

Beste Grüße
Ferdinand

17.01.26, 17:09:02
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