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Infanteriegewehr Bayern?

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20.11.21, 15:12:54

ral6014

geändert von: ral6014 - 20.11.21, 16:12:32

Vorab die Grunddaten:
Gesamtlänge: 141cm
Rohrlänge: 103cm
Kaliber:18,1mm
Das Rohr hat ein Zug-Feld-Profil(!)
Dieses Gewehr hat kürzlich den Weg zu mir gefunden.
Als Besonderheit würde ich - neben dem gezogenen Rohr - den Oberring nach bayer. Art sowie das suhler Schloss mit von Innen verschraubter Batterie benennen wollen. Auch das Korn, welches gleichzeitig als Bajonetthaft dient, ist wohl eher ungewöhnlich. Leider sind bis auf die Suhler Meistermarke und dem Druckbuchstaben "N" keine weiteren Kennzeichnungen vorhanden. Auch dieses Gewehr macht auf mich den Anschein einer aus allen möglichen Teilen "recycelten" Waffe. Das Rohr zeigt auf der Unterseite Reste einer Splintbefestigung. In diesem Schaft war es jedoch schon immer mit Ringen verbaut.Aufgrund des relativ großen Kalibers hätte ich die Waffe eher um 1800 rum verortet - zumal Bayern nach 1806 sein Kaliber auf 17,5 reduziert hat. Keine Ahnung, ob ich mit meiner Annahme leidlich richtig liege. Evtl. weiß ja jemand mehr?
20.11.21, 15:15:15

ral6014

geändert von: ral6014 - 20.11.21, 15:40:12

Hier noch einige Detailansichten u.a. der mageren Bestempelung:
20.11.21, 16:39:24

corrado26

geändert von: corrado26 - 21.11.21, 10:46:36

Wenn man das Schloss genau anschaut, fällt auf, dass es keine Batterieschraube, dafür aber einen durch das Schlossblech gehenden Stift gibt. Ob das tatsächlich ein Stift ist oder doch eine von innen eingesetzte Schraube kann ich mangels Foto nicht feststellen. Sollte es sich tatsächlich um einen Stift handeln, dann ist das ein in Suhl nach der in England und Hannover entwickelten Schhlosskonstruktion gefertigtes Stiftschloss. Verwendung fand dieses Schloss in Hannover und wie es aussieht, offensichtlich auch in Braunschweig. Der gezogene Lauf ist sicherlich zugehörig, da es sich um ein braunschweigisches Füsiliergewehr um 1780 handeln dürfte. Aber auch wenn der Stift sich als Schraube herausstellt, kommt das Stück dennoch aus Braunschweig, das Schlossgegenblech in dieser Form kam so nur in Braunsvchweig vor. Mit Bayern hat das gute Stück mit absoluter Sicherheit nichts zu tun!
20.11.21, 17:22:54

ral6014

Interessant. Nein, ein Stiftschloss ist das sicher nicht. Die Batterie ist von innen verschraubt.
21.11.21, 10:20:14

ral6014

Gibt es eigentlich empfehlenswerte Literatur zu braunschweigischen Waffen? Konnte da im ganzen WWW nix finden.
21.11.21, 10:45:58

corrado26

geändert von: corrado26 - 21.11.21, 10:47:23

In der Allgemeinen Militärzeitung Darstadt (AMZ), welche in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Periodikum entstanden ist, gibt es aus dieser Zeit einige Beiträge zu Braunschweig. Doch außer dem Band 11 Braunschweig in der Reihe von Udo Vollmer über die deutschen Militärhandfeuerwaffen und den Beiträgen von Hans Dieter Götz in seinem Werk "Militärpistolen der deutschen Staaten 1800-1870" ist mir in der heute verfügbaren Literatur sonst nichts bekannt. Aber Götz und Vollmer gehören ja sozusagen zur Standart-Literatur, die in jeder Sammlung sowieso vorhanden ist oder zumindest sein sollte, oder?
21.11.21, 12:49:31

ral6014

Zitat von corrado26:
.... Aber Götz und Vollmer gehören ja sozusagen zur Standart-Literatur, die in jeder Sammlung sowieso vorhanden ist oder zumindest sein sollte, oder?


Klar habe ich den Götz. War einer der ersten Bände die ich mir als "Heranwachsender" gezogen habe. Damals gab es im deutschsprachigen Raum fast gar keine Literatur zu diesen Themen. Von Udo Vollmer habe ich leider nicht alle Bände. So fehlen bei mir - wer hätte das gedacht - die Bände 1, 9,10 und 11. Leider sind die auch ums berühmte Verre.... nicht aufzutreiben. Denke ich werde mal in den sauren Apfel beißen müssen und mir für 600€ den ganzen Band kaufen müssen. Ist halt leider ärgerlich aber anders werde ich meine "blinden" Flecken insb. bez. bayer. und hier jetzt braunschweigischen Waffen wohl nicht beseitigen können. Gerade im Hinblick auf bayer. Waffen bin ich mir aber fast sicher, dass auch der Band 1 von Vollmer nicht alle - besonders zwischen 1800 und 1815 entstandenen - Waffen behandelt bzw. behandeln kann. Dazu wurde damals einfach zu viel mehr oder weniger wild auf Teufel komm raus zusammengebaut.
21.11.21, 16:47:30

corrado26

Zu Bayern existieren zwei sehr gute Bücher, beide von Reckendorf: "Die Faustfeuerwaffen der Königlich Bayerischen Armee", erschienen 1981 im Selbstverlag des Autors und "Die Bayerischen Handfeuerwaffen 1800-1875", ebenfalls im Sebstverlag des Autors 1998 erschienen. Die Bücher sind leider längst vergriffen und tauchenh nur noch selten am ehesten bei einschlägigen Auktionen auf.
21.11.21, 17:46:54

ral6014

Zitat von corrado26:
Zu Bayern existieren zwei sehr gute Bücher, beide von Reckendorf: "Die Faustfeuerwaffen der Königlich Bayerischen Armee", erschienen 1981 im Selbstverlag des Autors und "Die Bayerischen Handfeuerwaffen 1800-1875", ebenfalls im Sebstverlag des Autors 1998 erschienen. Die Bücher sind leider längst vergriffen und tauchenh nur noch selten am ehesten bei einschlägigen Auktionen auf.


Danke für den Hinweis.
24.11.21, 08:25:04

ral6014

geändert von: ral6014 - 24.11.21, 08:30:25

Kurzes update.
Habe gestern das Buch über Bayer. Waffen von Reckendorf erhalten.
Sehr gut gemacht. Es wird auf viele Details, etwa zur Entwicklung und Bestempelung der Waffen eingegangen. Einige aussagekräftige SW-Bilder sind auch vorhanden.
Ein echtes Muss für Leute die diesem Thema etwas abgewinnen können. Und ja.... das hier von mir vorgestellte Gewehr ist wohl tatsächlich meilenweit von Bayern entfernt einzustufen - wenn auch in Bayern viele Derivate aus österr., altbaierischen und suhler Teilen entstanden sind die sehr uneinheitlich daherkommen und daher nicht immer einfach bestimmbar sind.Könnte mir gut vorstellen, dass man allein vom Bayer. Gewehr M.1801 kaum zwei haargenau gleiche Stücke finden wird - mal ganz davon abgesehen, dass solche Waffen extrem selten auftauchen.
 
 
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