P1908 Mark I* Cavalry Trooper Sword
12.07.26, 18:16:23
joehau
geändert von: joehau - Gestern, 06:39:08
P1908 Mark I* Cavalry Trooper Sword - Kavallerie Mannschaftsdegen
Gesamtlänge: 1070 mm
Klingenlänge: 885 mm
Klingenbreite: 23 mm max.
Länge der Scheide: 925 mm
Masse Degen: 1280 g
Masse mit Scheide: 1930 g
Hersteller: EFD Royal Small Arms Factory, Enfield
Beschreibung:
bis zu 140 mm breite, leicht asymmetrische Stahlblech-Griffbügelglocke
Schlitz für den Faustriemen, tropfenförmige Verstärkungsplatte am Angeldurchbruch
langer, ergonomisch geformter Griff aus braunem Kunstleder (Dermatine)
Griffseiten und Daumenmulde über der Zwinge gewaffelt, größtenteils abgenutzt
großer Knauf mit ovaler Stahlblechkappe, Angel mit Schlitzmutter verschraubt
schmale, gerade, einschneidige Stoßklinge, sich zur zweischneidigen Spitze verjüngend
beidseitiger Hohlschliff, kleine Widerlager in der Fehlschärfe für das Stoßleder
blanke Stahlblechscheide, abgerundeter Ort ohne Schleppblech
eine Längsseite zu einem 'Rücken‘ abgeflacht
zwei starre, gegenüberliegende Ringe auf schmalen, rechteckigen Sockeln
trichterförmigem Mundblecheinsatz, durch 2 Schrauben seitlich gesichert
12.07.26, 18:22:09
joehau
geändert von: joehau - 13.07.26, 17:23:29
Anmerkungen:
Der 1912 eingeführte P1908
Mark I* (Mark 1 Stern) unterscheidet sich vom Mark I
lediglich durch die bessere Abdichtung der Innenaustattung der Scheide gegen
Feuchtigkeit. Ein Modell Mark II gibt es nicht.
Der Kavalleriemannschaftssäbel Pattern 1908 war das letzte neue Säbelmodell, das in
der britischen Armee eingeführt wurde. Seine Entwicklung ging auf Beschwerden über
die bis dahin verwendeten Säbel während des Burenkrieges zurück. Die neue Konstruktion
war revolutionär, mit einer dünnen, sich verjüngenden Klinge, die ausschließlich auf
Stoß ausgelegt war. Mit hohem Schwerpunkt liegt der Degen gut ausbalanciert in der Hand,
der ungewöhnliche, ergonomische Griff bringt die Waffe fast automatisch in Stoßposition.
Der Säbel kam im 1.Weltkrieg mangels Kavallerieangriffen eher selten zum Einsatz.
Das gezeigte Stück trägt den Truppenstempel der Trans-Jordan Frontier Force (TJFF),
die im britischen Mandatsgebiets Transjordanien 1926 gegründet worden war.
Stempel:
auf Fehlschärfe rechts:
property mark ‘Broad Arrow’, Eigentumsmarke des britischen War Departments
darunter Herstellermarke EFD für Enfield
darunter ein Abnahmestempel und X - Biegetestmarke der Klinge
P08 Modellbezeichnung auf dem Klingenrücken
auf Fehlschärfe links: 2 Abnahmestempel und Herstellungsdatum 1 '16
auf der Innenseite Korb: TJFF - Trans-Jordan Frontier Force
Waffennummer 192 und unleserliche Nummernstempel
auf der Griffschale links Waffennummer 192
auf Mündstück der Scheide: 2 Abnahmenstempel und Jahreszahl '14
auf dem Scheidenrücken von oben nach unten:
I* für Mark 1 Stern
property mark ‘Broad Arrow’
Herstellermarke EFD für Enfield
Abnahmestempel
Herstellungsjahr '15 für den Scheidenkörper
weitere property mark ‘Broad Arrow’
weiterer Abnahmestempel
eine ‘25’
12.07.26, 18:27:39
joehau
geändert von: joehau - 12.07.26, 21:52:14
Die
Trans-Jordan Frontier Force
wurde am 01.04.1926 in Sarafand auf Betreiben des britischen High Commissioners in Jerusalem
gegründet und war ihm direkt unterstellt. Das Stammpersonal wurde hauptsächlich aus
der Arabischen Legion und der aufgelösten Palästinesischen Gendarmerie übernommen.
Die TJFF war in drei Kavallerieschwadronen (zu je 120 Mann), eine Kamelkompanie sowie
6 Reservetrupps (insgesamt rund 190 Mann) gegliedert. Die höheren Offiziere waren durchweg
Briten, die unteren Ränge rekrutierten sich aus palästinensischen Arabern, Tscherkessen
(Nachfahren der um 1860-70 ins Osmanische Reich geflüchteter Tscherkessen), syrischen
Arabern, Sudanesen für die Kamele und ein paar Juden.
Obwohl die
TJFF auch teilweise motorisiert war, gehörte sie zu den letzten berittenen
Verbänden der britischen Armee, die noch zum Kampfeinsatz kamen, z.B. im Sommer
1941 bei der Besetzung des Vichy-französischen Mandatsgebietes Syrien.
12.07.26, 20:54:21
Ulan13
geändert von: joehau - 13.07.26, 02:10:39
Vielen Dank für die ausführliche Vorstellung dieses Modells!
Irgendwie muß ich immer, wenn ich so einen P1908 sehe, ein gewisses Mißverhältnis
von diesem riesigen Griff und dieser dünnen, schmalen Klinge feststellen.
Der Handschutz, bzw. der ergonometrische (beinahe sportwaffenmäßige) Griff
mag ja sehr gut sein, allerdings diese Froschmesser-Klinge, hm... :rolleyes:
In meinen Augen eine der seltsamsten Kavallerie-Blankwaffen, die ich kenne.
Auch wenn die Stoßeigenschaften noch so gut sein sollten, als Hiebwaffe ist
wahrscheinlich sogar die Scheide effektiver! :D
Der alte thrusting/cutting Streit halt ;)
Grüße vom Ulanen