Eine Sammlung auflösen
29.06.26, 08:40:26
briquet
Hallo zusammen,
hat von euch schon mal jemand die Sammlung eines befreundeten Sammlerkollegen über ein Auktionshaus veräußert? Wie waren euere Erfahrungen?
Ich bin jetzt 82 Jahre alt und meine Wohnung ist ausgestattet mit Blankwaffen und Pistolen, darunter auch sehr wertvolle Stücke. Meine Kinder/Enkel sind an dieser Sammlung nicht interessiert, und mich plagt der Gedanke, dass nach meinem möglichen Wegzug in ein Altersheim von ihnen alles mangels Kenntnis „verscherbelt“ wird. Eine Möglichkeit wäre, sie jetzt schon eigenhändig zu verkaufen, aber wenn ich die Sammlung ansehe, dann erfreue ich mich daran, und das möchte ich so lange wie möglich genießen.
Bleibt dann wohl nur ein seriöses Auktionshaus wie z.B. Hermann Historica, welches meine alte Freundin und jetzige Lebensgefährtin beauftragen müsste. Bitte daher um eure Info, gern auch per PN.
Gruß
Winfried
29.06.26, 10:57:51
Ulan13
geändert von: Ulan13 - 29.06.26, 11:22:09
Hallo Winfried,
so etwas ist immer eine schwierige und - wie ich finde - sehr traurige Angelegenheit. Man hat ja all die Stücke, die man in vielen Jahren zusammengetragen hat, liebgewonnen und sie bilden durchaus einen Anker in einer immer fremder werdenden Welt. Letztendlich muß jeder selbst entscheiden, ob er sich trennen will und kann von diesen Dingen und inwieweit er den Erben/Testamentsvollstreckern, ect. die Verantwortung übertragen will, die Sammlung später zu veräußern. Eine durchaus schwere Entscheidung (vor der jeder Sammler irgendwann einmal steht :( ).
Die Sachen selbst, über Egun etwa oder ähnliche Plattformen, zu veräußern, ist halt schon recht aufwändig und man ist auch nicht vor Streß mit Betrügern, säumigen Zahlern, etc. gefeit. Andererseits sind natürlich die Auktionsgebüren in diesem Fall deutlich geringer als bei den traditionellen Auktionshäusern wie Hermann oder Kube, wo man dafür jedoch eine professionelle Abwicklung garatiert bekommt und sich, außer um die Einlieferung um nichts kümmern muß. Die Abgabe der kompletten Sammlung an einen Händler ist wohl mit sehr großen Einbußen verbunden und käme für mich nicht in Frage.
Alles in allem eine - wie gesagt - sehr schwierige Frage und ich bin mal gespannt auf die Meinungen der anderen Forumsmitglieder!
Eine weitere Option für mich persönlich wäre auch noch die testamentarische Überlassung der ganzen Sammlung an einen Sammlerfreund, bei dem ich ich dann die Gewißheit hätte, daß er erstens Freude daran hat und zweitens alles beieinander bleibt. Das wäre sogar so zu regeln, daß er die Sammlung bei Übersedlung in ein Altersheim bereits als Dauerleihgabe übernimmt und nach meinem Tod dann Besitzer wird. Ich könnte auf diese Weise meine Sammlung weiter genießen und hätte zusätzlich jedesmal ein nettes Plauderstündchen mit dem Freund!
Grüße vom Ulanen
29.06.26, 11:44:25
Steppemwolf
geändert von: ulfberth - 29.06.26, 12:54:53
Hallo Winfried
Jeder Sammler steht irgendwann vor diesem Problem ,wenn die Kinder oder Enkel sich nicht für die Sammlung interessieren .
Habe mir auch schon mal Gedanken gemacht und bin zu der Erkenntnis gekommen das ich meine Sammlung behalten werde bis ich nicht mehr Herr über meine Sinne bin .
Habe meine Sammlung gut Dokumentiert und mit Fotos ,Wertangaben,Auktionsergebnissen etc versehen .Alles zusammen in einen Ordner und habe meiner Frau und den Kinder gesagt was sie zu machen haben und welchen Wert sie erzielen könnten .
Wenn sie sich jetzt immer noch über den Tisch ziehen lassen ,sind sie es selbst Schuld und ich bekomme es ja eh nicht mehr mit .
Ich glaube auch es ist zur Zeit besser Dinge zu vererben als das liebe Geld auf dem Konto .
Wenn du dich jetzt schon trennen willst oder musst ,dann ist es am besten die Sachen selber und einzeln zu verkaufen ,,das bringt das doppelte an Erlös .
Ein Händler der dir alles auf eimal abkauft ,wird dir nur 25-40% geben .
Dann doch lieber ein Auktionshaus ,das aber auch 30% Provision nimmt ,dafür aber auch oft höhere Preise erzielt .
Gruß und alles Gute
Gruß Michael
29.06.26, 11:54:20
briquet
Hallo und danke euch beiden für die schnellen Antworten. Euer Verständnis für meine Situation tat richtig gut.
Gruß
Winfried
29.06.26, 13:21:58
Preussen
geändert von: Preussen - 29.06.26, 20:50:57
Guten Tag Winfried,
zunächst einmal möchte ich Ihnen empfehlen, an Ihrer Waffensammlung so lange Freude zu haben und mit ihr zu leben, wie Sie sich dabei wohlfühlen und die positiven Aspekte des Lebens genießen können. Der persönliche Wert der Stücke ist oft unbezahlbar.
Ein möglicher Verkauf Ihrer Waffen über eine Auktion scheint mir von allen Möglichkeiten die ungünstigste zu sein. Ein Auktionator verdient dabei oft mehr als 50% des Einlieferungspreises, und diesen Betrag kann man sich sparen oder zumindest sinnvoll zwischen Verkäufer und Käufer aufteilen.
Ich habe kürzlich von einer Witwe gehört, die die Sammlung ihres verstorbenen Mannes verkauft hat. Ihr Ehemann hatte vorsorglich festgelegt, dass ein befreundeter Sammler sich um den Verkauf kümmert, aktuelle Marktpreise ermittelt und gezielt potenzielle Interessenten anspricht. Das hat, wie ich verfolgen konnte, hervorragend funktioniert.
Wenn man keinen solchen Sammlerfreund hat, halte ich es für empfehlenswert, heute schon eine Liste anzulegen und neben einer kurzen Beschreibung und oder Fotos realistische, nicht zu hoch angesetzte Preise zu vermerken, die die Erben ohne große Diskussion am Markt durchsetzen können. Für gute Stücke finden sich meist schnell Interessenten; den Rest kann man dann über einen seriösen Händler oder letztlich auch über eine Auktion verkaufen.
Sollten Sie nicht viele interessierte Sammlerkollegen kennen, bietet sich, um Angebotslisten zu teilen und Interessenten zu erreichen, für Sie oder Ihre Erben auch die Nutzung unseres Forums an.
Ich wünsche Ihnen noch lange Freude an unserem Hobby und bin mit bestem Gruss
Preussen
29.06.26, 16:58:09
excalibur
hallo winfried. man hat mich auch schon desöfteren gefragt, was mit den sachen passiert, wenn..... ich hab gesagt, solange ich freude damit habe, behalte ichs. ich glaube, dass wird sich nie ändern. und wenn sich die kinder übern tisch ziehen lassen, dann sind sie selber schuld. kratzt mich dann, höchstwahrscheinlich, nicht wirklich mehr. und wenn ich mit 90 noch was nettes bekomme, dann nehm ichs auch noch, wenns mir freude bereitet. einem auktionshaus, werfe ich nichts in den rachen. die haben so gut wie kein risiko und kasssieren doppelt. gruß. :)
29.06.26, 22:06:55
Friedrich2
Ich hätte hier eher einen anderen Vorschlag:
So lange man "Herr seiner Sinne" ist, sollte man überlegen, die Sachen noch zu Lebzeiten für einen angemessenen Preis in einem gut bekannte Sammlerhände zu geben. So ist sichergestellt, dass nichts schief läuft, ein realistischer Wert erzielt wird und loslassen muss man irgendwann sowieso.
29.06.26, 22:25:49
fritz1888
Ich hätte hier eher einen anderen Vorschlag:
So lange man "Herr seiner Sinne" ist, sollte man überlegen, die Sachen noch zu Lebzeiten für einen angemessenen Preis in einem gut bekannte Sammlerhände zu geben. So ist sichergestellt, dass nichts schief läuft, ein realistischer Wert erzielt wird und loslassen muss man irgendwann sowieso.
Dem würde ich mich anschließen. Ich kann mir gut vorstellen vielleicht 2-3 Stücke zu halten, für's Herz und für's Auge, aber dann, solange ich noch geschäftstüchtig bin, würde ich versuchen, den Großteil der Sammlung zu verkaufen.
Ob hier die einschlägigen Auktionshäuser die richtige Adresse sind oder man das selber macht, ist eine andere Diskussion. Auch ob die Sammlungen Seifert, Hofmann, Lengelsen & Co. richtig an den Markt gebracht worden sind kann man ausgiebig diskutieren, aber auf jeden Fall gibt es hier Präzedenzfälle.
Den Vorschlag von Preussen finde ich auch gut, wenn man solch einen Vertrauten hat.