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Spartaner545

(Mitglied)

Hallo Zusammen,

in dem Leben eines Seitengewehrsammlers sind die zugehörigen Schusswaffen zwar meist nur "die Dinger auf die man die Seitengewehre auch aufpflanzen kann", manchmal sind die Scchusswaffen selbst aber auch interessant.

Daher möchte ich hier (die wirklich kläglichen Reste) eines Schutztruppengewehrs 98 vorstellen.

Dieser Name stellt dabei keine offizielle Bezeichnung dar, beschreibt aber schon seit sehr langem in Sammlerkreisen die modifizierten Gewehre 98 der deutschen Kolonialsoldaten, der "Kaiserlichen Schutztruppe", in Deutsch-Südwestafrika.

Zur allgemeinen Einführungsgeschichte des G98 möchte ich hier nichts schreiben und springe daher direkt zu den Modifikationen.
1908 wurden die regulären Gewehre 98 in DSWA, präziser formuliert, in der Waffenwerkstatt Windhuk abgeändert. Das stellte die Geburtsstunde des Schutztruppengewehrs dar.

Einerseits wurde der gerade Kammerstengel nach unten abgebogen. Gleichzeitig wurde dann auch, ähnlich dem späteren Karabiner 98(AZ), eine Vertiefung in den Schaft eingefräst. So konnte der Schütze beim Repetieren mit seiner Hand gut unter den nun gebogenen Kammerstengel fassen.
Grund für den krummen Kammerstengel war wohl die Tatsache, dass das Gewehr bei den, meistens als berittene Infanterie kämpfenden, Schutztruppen in DSWA in einem Holster am Sattel getragen wurden.

Zweitens wurde die Schutztruppengewehre 98 im Jahr 1908 zwar auf die S-Patrone abgeändert, das Visier aber bei seiner ursprünglichen Einteilung von 200-2000 Meter belassen! Bei der Änderung auf die S-Patrone im restlichen Deutschen Kaiserreich ab 1903 wurden die Visiere mit einer neuen Einteilung von 400-2000 Meter versehen und später direkt so produziert. Einer Theorie nach, blieb die geringe Mindestvisiereinstellung bei dem Schutztruppengewehr 98 von "nur" 200 Meter bestehen, um den "Nahkampf" im dichten Busch zu ermöglichen.

1913 befanden sich 10.069 Schutztruppengewehre 98 sowie 1.560 reguläre Gewehre 98 in DSWA.


Bei dem hier vorgestelltem Schaft-Fragment kann ich leider nur die Vertiefung für den gebogenen Kammerstengel zeigen. Bei den Bildern einmal im Vergleich zu einem regulären G98. Diese Vertiefung in Kombination mit dem Schutztruppen-Truppenstempel erlaubt es jedoch, dieses Fragment eindeutig zu einem Schutztruppengewehr 98 zuzuordnen. Das Stück kommt auch aus Südafrika. Dort wurde es vor kurzem auf einer alten Farm in der Scheune gefunden.
Der Versand aus Südafrika nach Deutschland war dann auch bedeutend teurer als der Preis für dieses, doch noch recht interessante, Belegstück.

Falls jemand hier ein komplettes Schutztruppengewehr 98 besitzt und vorstellen möchte, würde ich mich freuen.

Mit besten Grüßen

Vincent

Quellen:
-Storz, Dieter 2006: "Gewehr & Karabiner 98"; Verlag Militaria, Wien
-Lehner, Heinz 1984: "Die ersten deutschen Militärkarabiner 98 Teil 2"; DWJ 06/1984
-Frömming, Hans 1966: "Die Bewaffnung der Kaiserlichen Schutztruppe von Südwest-Afrika"; DWJ 08/1966


PS: Eventuell sollte eine neue Unterkategorie für die Feuerwaffen des Deutschen Kaiserreiches erstellt werden. Immerhin waren die Schutztruppen, wie auch die Ostasientruppen, Marine etc., kein Teil der preußischen Armee.

15.12.20, 16:44:49

corrado26

(Super-Moderator)

Anbei das Foto eines kompletten Gewehrs 98S der Schutztruppe DSWA. Erwähnenswert ist vielleicht, dass die Skala des Visiers des Schutztruppengewehrs bereits bei 200m begann. Beim regulären Gewehr 98, welches im übrigen ebenfalls in DSWA in großen Mengen zum Einsatz kam, begann die Visierskala erst bei 400m.



16.12.20, 10:15:37
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