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corrado26

(Super-Moderator)

Pistolen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts sind an und für sich schon selten. Doch die meisten Sammler kennen z.B. die preußischen langen Pistolen 1723, 1731 und 1742 die französische Pistole 1733/34 oder die sächsischen frühen Pistolen um nur einige zu nennen. Doch von dem hier gezeigten Exemplar ist bis heute kein zweites Stück bekannt geworden. Es handelt sich mit größter Wahrscheinlichkeit um die Dragonerpistole 1744 von Sachen-Gotha-Altenburg, gefertigt in Zella-St.Blasii.

Beschreibung
Makelloser Nussbaum-Vollschaft mit Eisenbeschlägen, diese bestehend aus nur einem runden Ladestockröhrchen mit Endwulsten, flachem Schlossgegenblech mit drei Schrauben in Form einer bündig im Schaftholz eingelegten Schlange, Abzugsbügel vorne gestiftet, hinten geschraubt und Kolbenkappe mit rundem Nagel und langen, seitlichen Sporen. Steinschloss mit flachem, an den Kanten abgeschrägtem Schlossblech mit doppelter Zierrille links vom Hahn, mit ebenfalls flachem Schwanenhalshahn, facettierter Pfanne ohne Verbindungssteg zum Batterielager und von innen verschraubter Batteriefeder, deren Knie nicht über die vordere Schlossschraube reicht. Im hinteren Drittel kantiger, dann runder Lauf, die Oberseite bis zum Eisenkorn mit einer Abflachung. Kimme in das gerade endende Schwanzschraubenblatt eingefeilt, Eisenkorn auf dem Lauf 55mm hinter der Mündung. Herstellerstempel „ZEL“ zweizeilig am Lauf links und am Schwanzschraubenblatt, am Lauf links auch die Marke von Zella St.Blasii. Originaler, hölzerner Ladestock mit Setzkopf aus dunklem Horn.
Gesamtlänge 525mm, Lauflänge 350mm, Schlosslänge 140mm, Schlangenlänge 132mm, Kaliber des glatten Laufs 17,01mm, Gewicht 1.210g


Am 17.März 1744 hatte Herzog Friedrich III. von Sachsen-Gotha-Altenburg einen Vertrag mit den Generalstaaten geschlossen, in dem er sich verpflichtete, die Aufstellung eines Dragoner-Regiments à 10 Eskadrons zu Pferd und zwei Infanterie-Regimenter à 10 Kompanien à 90 Mann zu übernehmen. Das Dragoner-Regiment wurde in Maastricht formiert. Die an die Mannschaft ausgegebenen Karabiner und Pistolen hatten eine Garnitur aus Eisen und wurden offensichtlich, wie die vorgestellte Pistole belegt, in Zella St.Blasii beschafft.
Das Verleihen von Truppen, also der „Soldatenhandel“ war ein sehr umstrittenes Faktum, aber damals durchaus üblich. Nicht immer war Geldgier die Triebfeder absoluter Herrscher, sondern es diente auch dazu, die notwendigen, stehenden Truppenkontingente behalten und unterhalten zu können und damit auch soziale Härten wegen ansonsten notwendiger Entlassung mit allen negativen Folgen zu vermeiden.


20.06.20, 10:45:28

Zietenhusar

(Supporter)

Ganz großes Kino.
Vielen Dank für's
Zeigen und die super Beschreibung. 👍

Gruß,
Thomas

20.06.20, 17:38:19
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