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Michael1966

(User)

Hallo,

mein Opa hat sich mit 17 Jahren als Freiwilliger zum ersten Weltkrieg gemeldet. (er hat überlebt)
Er war bei den Ulanen, ich vermute bei Regiment König Wilhelm I (2 Württembergisch Nr20)
Bin mir aber nicht sicher, leider gibt es keine Aufzeichnungen.

Ein Bild hoch zu Ross in Uniform habe ich als Kind gesehen, ist aber auch verschollen...

Nun habe ich als Kind seinen Degen bei meinem älteren Cousin gesehen welcher ihn
von Opa erhalten hatte und später auch Zeitsoldat war. Der Degen ist mir nie aus
dem Kopf gegangen und fast 50 Jahre später habe ich den Degen (und ein "Beutesäbel,
bereits als leichter Kavalleriesäbel M1822 identifiziert) von meinem Cousin erhalten.

Bin glücklich obwohl der Degen in einem sehr schlechten Zustand ist. Nun kann
ich diesen Degen nicht identifizieren. Ich weiß das die Ulanen mit M89 Degen
ausgestattet waren.

Der Degen ist nur 76 cm lang und auf der Rückseite nur 6 mm stark. Er ist komplett
stumpf (im Gegensatz zum M1822)n und ich kann keinerlei Stempelungen oder Punzen
finden. Ich vermute herausgefunden zu haben das der Hersteller Firma Stamm in
Solingen ist. Dito soll er aus der Löhdorfer Zeit stammen. Dort wurde bis
1901 gefertigt.

Ich kenne mich mit Blankwaffen nicht aus, obige Infos sind aus Internetrecherche.
Ich wäre für jeden Hinweiß dankbar. Es geht hier um rein emotionale Werte.
Es wäre auch gut zu wissen ob ich den Degen polieren sollte oder eher im Zustand
belassen sollte.

Im Voraus vielen dank für jegliche Hilfe!

24.02.19, 20:26:32

joehau

(Mitglied)

Der gezeigte Säbel hat nichts mit dem 2. württembergischen Dragoner-Regiment
'König' Nr. 26 zu tun.

Ich würde den Säbel eher der österreich-ungarischen Infanterie zuordnen,
Infanterieoffiziersäbel M1861.

Das passt auch gut zum Hersteller Weyersberg & Stamm, Solingen.

Im untersten Segment des Griffes sieht man noch einen Teil der
grauen Fischhaut, mit der die gesamte Griffhilze einst bespannt war.

Ich würde den Säbel so lassen wie er jetzt ist.


Gruss Jörg

24.02.19, 22:20:56

Michael1966

(User)

Hallo Jörg,

vielen Dank für die sehr hilfreiche Antwort.
Ich habe nun im I-Net nachgesehen und Ich denke Du hast recht.

Eine Frage beantwortet, aber zwei neue dazu freuen

Mir ist ja vor allem der Bezug zu meinem Opa wichtig und da frage ich mich:

Wie kommt er an den Säbel? Wurde so etwas an Mannschaften ausgegeben?
(ich meine zu wissen das er auf dem Balkan eingesetzt war)

War dies Teil der Ausrüstung oder Privat?

Wieso ist der Säbel nur 76cm lange?

Wieso ist er komplett stumpf?

Warum hat er keinerlei Truppenstempel etc.?

Wie gesagt, beim Französischen M1822 wurde in der Familie schon immer klar gesagt: aus Frankreich mitgebracht.

Dieser Säbel wurde aber scheinbar auch von Opa als „sein“ Säbel bezeichnet.
Vielleicht bin ich hier auch nicht ganz richtig da die Frage über Blankwaffe hinausgeht aber ich denke Ihr wisst so viel mehr über diese Thematik das ich dennoch nachfrage.

Kann jemand mehr über die allgemeinen Umstände sagen?

Nochmals vielen dank im Voraus!


25.02.19, 09:27:38

ulfberth

(Zeugwart)

Hallo Michael1966!

Ohne Angaben zum Truppenteil und Dienstgrad wird die Recherche leider ins Leere laufen. Daß ein auf dem Balkan eingesetzter deutscher Unteroffiziers- oder Mannschaftsdienstgrad einen österreichischen Offiziersäbel zugeeignet bekam, erscheint eher unwahrscheinlich. Doch selbst dann, wäre er nicht berechtigt gewesen, das Stück zu führen. Der Säbel ist keine an deutsche Truppen ausgegebene Beutewaffe.

Kriegsbeute dürfte ebenfalls auszuschließen sein. Näheres dazu siehe HIER

Die Frage, warum Opa ihn als "seinen Säbel" bezeichnete, dürfte sich heute kaum noch beantworten lassen und fällt in die Mysterien von Familiengeschichten.

Gruß

ulfberth



www.seitengewehr.de
25.02.19, 17:12:01

joehau

(Mitglied)

Zitat von Michael1966:

War dies Teil der Ausrüstung oder Privat?
Wieso ist der Säbel nur 76cm lange?
Wieso ist er komplett stumpf?
Warum hat er keinerlei Truppenstempel etc.?


Über diesen Säbel kannst Du keine Rückschlüsse auf den Truppenteil ziehen,
und daß der Opa im 2. württembergischen Dragoner-Regiment gedient hat,
ist ja anscheinend nur eine Vermutung. Dieses Regiment war 1916 am
Rumänienfeldzug beteiligt. Wenn also mal vom Balkan die Rede war, bleibt
das Regiment eine der Möglichkeiten.

Zu den Fragen:
Grob gesagt, Offiziere waren in der Regel Selbsteinkleider, den Säbel
kauften sie sich selber. Da man den bei der Infanterie nicht wirklich
brauchte, genügte eine kleine, leichte Ausführung, die möglichst wenig
störte. Scharf brauchte er deshalb auch nicht zu sein. Die meisten
Gebrauchs-Blankwaffen, wurden erst bei Kriegsbeginn geschärft. Da der
Säbel ein Privatstück ist, trägt er keine Abnahme- und Truppenstempel.




25.02.19, 18:34:17

joehau

(Mitglied)

Zitat von Michael1966:
... M1822 ... aus Frankreich mitgebracht.


Stell doch mal Bilder unter Frankreich ein.

25.02.19, 19:23:26

Michael1966

(User)

Euch allen vielen Dank für die kompetente Hilfe.

Bilder zum Beutesäbel M1822 sind im Frankreich Bereich.

@joehau, Dank für deine Hilfe. Du sprichst vom:

2. württembergischen Dragoner-Regiment, ich habe die Ulanen vermutet:

https://de.wikipedia.org/wiki/Ulanen-Regiment_%E2%80%9EK%C3%B6nig_Wilhelm_I.%E2%80%9C_(2._W%C3%BCrttembergisches)_Nr._20

Beim Säbel schreibst Du "Da man den bei der Infanterie nicht wirklich brauchte,
genügte eine kleine, leichte Ausführung, die möglichst wenig störte"

Infanterie = Schreibfehler?

Wenn ich eure Ausführungen zusammenfasse hat mein Opa
den Säbel also unrechtmäßig besessen und nie im Feld geführt?


Mein Cousin hatte auch einen Repetierter von ihm, der wurde leider
vor 3 Jahren abgegeben da keine geeigneter Tresor vorhanden war.
Sehr unglücklich, ich selbst besitze eine WBK und hätte ihn mit
Freude genommen. Leider hatten wir keinen Kontakt.


Nochmal zu meinem Opa.

Es geht die Geschichte (habe als Kind eine Verleihungsurkunde gesehen),
dass mein Opa das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhalten hat.

Er diente als Bursche einem arroganten Offizier der ihn ständig seine Stiefel
wichsen ließ und nie zufrieden war. Als sie in Rumänien (mein Cousin meint
Frankreich) vor einem Dorf lagen, bei dem unklar war ob der Feind darin steckte,
wurde er von diesem Offizier als "Freiwilliger" berufen, um dies auszuspähen.

Er ritt also im gestreckten Galopp durch die Dorfstraße in der Erwartung jeden
Moment beschossen zu werden.

Am Ende des Dorfes angekommen, wendete er und ritt langsamer zurück. Nun
gingen plötzlich Türen auf und viele Männer (um die hundert ...) ergaben sich ihm,
da sie ohne Munition und Verpflegung festsaßen und jeden Mut verloren hatten.

Mit den Gefangenen im Schlepptau, ritt er ins Lager zurück und legte kurz
vorher noch seinen Karabiner über den Sattel, damit es besser aussah.

Die Geschichte ist plausibel, wie gesagt habe ich die vorläufige
Verleihungsurkunde als Kind gesehen.

Werde nun versuchen über das Bundesarchiv Informationen zu meinem Opa zu erhalten.

Nochmals vielen Dank!

Es ist wirklich eine Schande das die ganzen Bilder usw. verschwunden sind ...



26.02.19, 13:14:08

blacky21

(Mitglied)

Da der Säbel recht kurz ist, würde ich mal bei den öster. Landwehrinfantrie,
Landesschützen sowie Landwehrgebirgstruppen nachsehen. Die entsprechenden
Angaben findet man bei Ortner-Artlieb "Mit blankem Säbel".

26.02.19, 14:54:09

Michael1966

(User)

Nochmal zum Verständnis.

Säbel wurden nur von Offizieren geführt? (im ersten Weltkrieg)

Der M1861 war ein Offizierssäbel? (sieht so einfach aus)

Sorry, steh auf dem Schlauch

@joehau
habe das Infanterie nun verstanden - bezog sich auf den Säbel m1861

26.02.19, 15:32:03

joehau

(Mitglied)

Teile des Ulanen-Regiments 'König Wilhelm I.' (2. Württembergisches) Nr. 20
waren auch an der Ostfront eingesetzt, aber nicht auf dem Balkan. Wie dem
auch sei, auch mit den Ulanen hat der Säbel nichts zu tun.

Der gezeigte Säbel ist ein Infanterie-Offiziersäbel M1861 aus Österreich-Ungarn.
Deshalb kann er nicht bei einer württembergischen Kavallerieeinheit geführt
worden sein. Ein nur 76 cm langer Infanteriesäbel ist auf einem Pferd auch
wirklich zu nichts zu gebrauchen. Zum Stechen zu kurz und zum Hauen zu leicht.

Den hat der Opa also irgendwann, irgendwo anderweitig, wahrscheinlich nach
dem Krieg, besorgt / gekauft.





26.02.19, 17:36:11
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