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Preussen

(Mitglied*)

Guten Tag,
kann mir ein Forumsteilnehmer mitteilen was ein preussischer Leutnant (oder auch ein Rittmeister) um 1870 im Monat verdient hat?
Eine Antwort die den Betrag in Talern ausweist wäre schön, eine zusätzliche Aussage welche Kaufkraft dieser Betrag heute hätte wäre noch schöner.
Da diese Informationen für einen geplanten Aufsatz vorgesehen sind wäre eine Quellenangabe nützlich.
Vielen Dank
Preussen


16.11.18, 13:45:57

corrado26

(Super-Moderator)

Im Numismatikforum (www.numismatikforum.de) ist folgender Text veröffentlich:

Was verdiente Goethe?
Im 18. Jahrhundert bezahlte man in Talern. Ein Taler wurde in 24
Groschen oder in 90 Kreuzer gewechselt. Ein Handwerksmeister verdiente zur Zeit Goethes 200-600 Taler im Jahr.
Das reichte für ein sehr bescheidenes Leben. Was bekam man für einen Taler Ende des 18. Jahrhunderts? Zum Beispiel 6 kg
Fleisch oder 12 kg Brot, aber nur ½ Pfund Tee oder 1 kg Tabak oder 2 Flaschen Champagner. Für zwei möblierte Zimmer
und Kost musste man jährlich 100-120 Taler rechnen. Elf Bewohner von Weimar hatten ein Jahreseinkommen, das über 2000 Taler lag.
Goethe war einer von ihnen.
Als Schriftsteller nahm er bis 1787 jährlich 1500-2000 Taler ein, als Weimarer Geheimrat bekam er noch einmal soviel; 1816 betrug sein Ministergehalt gar 3100 Taler. Das war recht üppig,
wenn man die Einkünfte seiner Kollegen betrachtet: Wieland bekam als Hofrat und Prinzenerzieher in Weimar 1000 Taler (später 600 Taler Pension). Der Philosoph Kant verdiente als Professor in Königsberg 747 Taler, etwa so viel wie Lessing in Hamburg und Wolfenbüttel. Als Hofmeister (Privatlehrer) bekam Hölderlin in Frankfurt 150-200 Taler; davon konnte man
kaum leben. Schiller hatte als Geschichtsprofessor in Jena nur 200, als Hofrat in Weimar dann 400 Taler (so viel wie die
von Goethe nach Weimar geholte Hofsängerin Corina Schröter); erst ein Jahr vor seinem Tod konnte er (mit der leeren
Drohung, an das Berliner Nationaltheater abzuwandern) 700 Taler beim Herzog rausschlagen."

Unter dem Stichwort "Was verdiente ein Offizier im 19. Jahrhundert" findet man im Netz folgendes:

Der gemeine Soldat erhielt 1815 einen Sold von 2 Talern im Monat. Das war nur etwa ein Drittel des Lohnes eines durchschnittlichen Tagelöhners, doch ist zu bedenken, dass der Soldat vom Militär Nahrung, Kleidung und ein Dach über dem Kopf gestellt bekam. Allein für die Ernährung
musste ein Arbeiter in dieser Zeit ca. 70% seines Lohnes aufwenden – diese Kosten fielen für den
Soldaten nicht an. Den männlichen Landeskindern wares in der Regel verboten, vor der Ableistung
ihres Wehrdienstes zu heiraten; nur in seltenen Aus
nahmen, „wenn er durch die Heirath eine gehörig
nachgewiesene Verbesserung seiner Lage oder der seiner Familie erlangen würde“, war es dem
Dienstpflichtigen erlaubt zu heiraten. Deshalb mussten die jungen Soldaten mit ihrem Sold in der
Regel auch keine Familie ernähren - trotzdem gaben
wohl viele Soldaten Teile ihres schmalen Solds
an ihre Eltern weiter.
Die meisten Soldaten werden ihr Geld vor allem benutzt haben, um den trüben und langweiligen
Soldatenalltag etwas zu verschönern: Alkohol, Glücksspiel, Tabak, leichte Mädchen. Der Preis für „kleine Bouteille Branntwein” lag 1815 bei 8 Pfennigen.

Zum Vergleich des Geldwertes hier einige Zahlen: 1830 kaufte das Militär Wolldecken zum Preis von
4,5 Talern pro Stück und 1832 Brot für 22 Pfennig pro Pfund. 1845 kostete ein Konzertbesuch 2/3 Thaler. 1847 kostete eine Mahlzeit aus Mehlbrei, Grütze oder Getreide- bzw. Hülsenfruchtsuppe in der Armen-Speiseanstalt in Gandersheim um die 6 Pfennige, während 1851 man für ein Mittagessen im Gasthaus Deutsches Haus an der Langen Straße in Braunschweig ½ Thaler bezahlen
musste, was einem Viertel des Soldatensoldes entsprach.

Jacobi, Bernd (Hg.):
Das zehnte Armee-Corps des deutschen Bundesheeres.
Hannover 1858, S.158

Bei Wikipedia findet man zum Sold eines Leutnants im 19. Jahrhundert:

Verdienst und Unterhalt

Ein einfacher Fußsoldat erhielt nach Abzug von Brot- und Kleidungskosten einen Taler und acht Groschen im Monat[17] (zum Vergleich: eine Mahlzeit mit Getränk kostete um 1750 etwa 2 Groschen, ein Taler bestand aus 24 Groschen). Das Quartier der Soldaten war dagegen frei und ein Soldat erhielt 1 1/2 Pfund Kommißbrot täglich. Auch bedingt durch diese äußerst karge Entlohnung durften die Soldaten einem Beruf nachgehen, um einen Zuverdienst zu erhalten. So gab es Handwerksmeister, die Ungelernten arbeiteten bei den Tuchmachern, als Wollspinner oder als Handlanger im Baugewerbe. Während eines Feldzuges versorgte sich der Soldat von seinem Gehalt und den Zulagen, die er erhielt. Diese waren zwei Pfund Brot täglich und wöchentlich zwei Pfund Fleisch.

Was den Offiziersrang betrifft, so musste sich ein Offizier der unteren Ränge mit einem sehr niedrigen Gehalt von 9–13 Talern pro Monat zufriedengeben. Davon musste er das aufwendige standesgemäße Leben finanzieren, das von einem Offizier erwartet wurde. Somit war eine solche Position für eine längere Zeit ein Verlustgeschäft. Erst mit dem Kapitänsrang (Befehlshaber einer Kompanie), den man nach durchschnittlich 15 Jahren Dienstzeit erreichte, konnte der Offizier ein reichlicheres Einkommen erwarten. Dem Kommandierenden einer Kompanie oblag neben der militärischen Führung die wirtschaftliche Haushaltsführung einer Kompanie. Wirtschaftete der Capitain einer Kompanie gut, so konnte er durchaus 2000 Taler Überschuss pro Jahr erwirtschaften, welchen er für sich beanspruchen durfte. Der eigentliche Sold war allerdings immer noch knapp bemessen und lag bei etwa 30 Talern pro Monat.

corrado26


16.11.18, 15:29:22

Preussen

(Mitglied*)

Guten Tagg corrado26,
und vielen Dank für die umfangreichen Antwort, sehr interessant, besonders der Vergleich mit der Kaufkraft.
Vielleicht kriegen wir das noch präziser für die Zeit um 1870?
Danke und Gruss
Preussen


16.11.18, 17:06:46

corrado26

(Super-Moderator)

Hier ein Foto, eine andere Möglichkeit gab es nicht, kopieren oder einfügen war leider nicht möglich. Inhaltlich aber dürfte es aussagefähig sein.

Quelle: Wehrpflicht, Laufbahnen im deutschen Heere, bearbeitet von Major Boysen
Militärverlag von Zuckschwerdt & Co, Berlin 1901)

corrado26

16.11.18, 18:02:54

Preussen

(Mitglied*)

Guten Tag corrado26,
vielen Dank für diese Aufstellung. Ich bin inzwischen in meiner Bibliothek auch fündig geworden. In dem Buch „ Aus der Glückszeit meines Lebens“ berichtet der damalige Sekondeleutnant Max Liebermann v. Sonnenberg auf Seite 317
„[...] Um zu beurteilen, was das für einen Leutnant bedeutete, muß man sich vergegenwärtigen, was dieser damals (1870) im Friedensverhältnis an monatlichen Kompetenzen erhielt: Es waren etwa 20 Taler Gehalt, ein Wohngeldzuschuß, der zwischen 7 und 10 Taler schwankte, Tischgelder und sonst noch einige kleine Zuschüsse, alles in allem wohl nicht über 30 bis 35 Taler. [...]“
Vielen Dank nochmal und Gruss
Preussen


18.11.18, 16:03:36

corrado26

(Super-Moderator)

Vergiss aber nicht, dass 1871 die Reichsmark-Währung in allen Gliedstaaten eingeführt wurde. Taler hatten dann ausgedient. 1 Taler entsprach im übrigen dann 3.-RM
corrado26

18.11.18, 17:49:52

ulfberth

(Zeugwart)

Ein Subalternoffizier aus welcher Waffengattung? Hier gibt es doch unterschiedliche Bezüge.

Gruß

ulfberth


www.seitengewehr.de
19.11.18, 21:28:36

Preussen

(Mitglied*)

Guten Tag ulfberth,
nach dem uns Liebermann v. Sonnenberg die Zahlen für einen Inf.Offz. genannt hat wäre der Vergleich mit einem Leutnant der Kavallerie interessant.
Gruss
Preussen

20.11.18, 07:56:21

ulfberth

(Zeugwart)

Ich bin erst seit gestern wieder in Freiheit. Was bedeutet, daß ich mit einem geschienten Bein im Rollstuhl durch die Wohnung irrlichten darf. lachen

Falls ich in die richtige Höhe an die Regale herankommen, stelle ich später einmal ein paar Beispiele ein. Aus dem Stegreif überdacht, sollte ich für Mitte der 60er und 70er zumindest Daten haben.

Gruß

ulfberth


www.seitengewehr.de
20.11.18, 08:45:33

ulfberth

(Zeugwart)

1864


www.seitengewehr.de
20.11.18, 12:34:15
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