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Clouseau

(Mitglied)

Vorgestellt wird ein Degen für Offiziere der preußischen Infanterie; zeitlich um 1780/90 einzuordnen.

Gesamtlänge: 98 cm, Klingenlänge: 81, 7 cm, Klingenbreite: 2, 8 cm.

Messinggefäß mit Resten der Feuervergoldung, Kupferdrahtwicklung. Der Bügel hat noch eine leicht kantige Form, nicht die später übliche „D - Form“.

Durchgehend bikonvexe Klinge vom „Typ E“ (nach Windsheimer), original vernietet auf rotem Samt als Stoßscheibe. Windsheimer gibt an (S. 57), dass solche Klingen bisher nur bei Kavallerie-Offiziersdegen nachweisbar sind; seine Arbeit ist durch diese Waffe in diesem Punkt zu korrigieren, bzw. zu ergänzen. An der ursprünglichen Zusammengehörigkeit von Gefäß und Klinge besteht bei genauer Betrachtung der Vernietung keinerlei Zweifel. Auffällig ist, dass keinerlei Ätzungen oder Gravuren zu erkennen sind – diese waren auch nie vorhanden! Zu erwarten gewesen wäre auf der einen Klingenseite eine überkrönte FR/FWR-Chiffre, auf der anderen der Stern des Hohen Ordens vom Schwarzen Adler. Alles in allem ein schwerer, schlichter sog. Campagne- oder Montierungsdegen für den tatsächlichen Feldgebrauch.

Zuzustimmen ist Windsheimer in dem Punkt, dass bei diesen Degen durch das Einschlagen einer Adlermarke eine offizielle staatliche Abnahme, bzw. Probe erfolgte. Auch bei diesem Exemplar ist zu deren Beleg quartseitig ein kleiner Adler-Stempel eingeschlagen.
Es wäre schön, wenn sich an dieser Stelle eine Diskussion zum Thema „Vorhandensein / Nichtvorhandensein von Adlermarken an altpreußischen Offizier-Blankwaffen“ entwickeln würde.


18.03.17, 12:41:04

Clouseau

(Mitglied)

Weitere Bilder.

18.03.17, 12:43:06

Preussen

(Mitglied*)

Guten Tag,
die hier gezeigt Interims-Waffe eines Jägeroffiziers ist auf die Jahrhundertwende des 18./19. Jahrhunderts zu datieren.
Der kugelförmige Knauf zeigt auf seiner Vorder- und Rückseite im Guss, über einem Jagdhorn, die gekrönte Ligatur FWR.
In die terzseitige Klingenwurzel ist eine Adlermarke eingeschlagen und in die Klingenstärke eine gekrönte FWR-Chiffre geätzt. Die Quartseite ziert der Stern des Schwarzen Adlerordens.
Die Klingenstärke ist bikonvex danach verändert sich ihr Querschnitt zu einem aggeflachten Sechseck.

GL 955 KL 810 KB 22



22.03.17, 08:17:09

Preussen

(Mitglied*)

Und hier noch ein Kollege,
vorgestellt wird ein Stichdegen für Kavallerieoffiziere fr/F
Dieser Degen ist in die frühe Regierungszeit Friedrichs Wilhelms III. (1797-1840) zu datieren. Seine Klinge ist im ersten Sechstel bikonvex, danach verändert sich der Querschnitt zu einem abgeflachten Sechseck. Terzseitig ist die gekrönte Ligatur FWR, in die Quartseite der Stern des Schwarzen Adlerordens geätzt.
In die terzseitige Klingenstärke ist eine Adlermarke eingeschlagen. Die Vorder- und Rückseite des Knaufs zeigen in Silbertauschierung eine FWR-Chiffre mit Krone.

GL 990 KL 810 KB 27


22.03.17, 08:31:10

Clouseau

(Mitglied)

Guten Morgen, zwei Fragen hätt´ ich:

Zitat:
“Guten Tag,
die hier gezeigt Interims-Waffe eines Jägeroffiziers….”

1. Warum ist das eine Interims-Waffe? Weil die vorhandenen Embleme nicht modellmäßig festgelegt waren?
Weder das eine, noch das andere ist bisher konkret zu belegen.


Zitat:
“Und hier noch ein Kollege,
vorgestellt wird ein Stichdegen für Kavallerieoffiziere fr/F
Dieser Degen ist in die frühe Regierungszeit Friedrichs Wilhelms III. (1797-1840) zu datieren….”

2. Die zeitliche Zuordnung ist zutreffend. Die Unterscheidung von Interimsdegen französischer und russischer Form kam aber doch erst wesentlich später, nach Einführung der entsprechenden dienstlich zu tragenden Modelle für Offiziere auf. Also warum nicht Stichdegen, bzw. Kleiner Degen für Kavallerie-Offiziere (damals noch für Kürassiere und Dragoner) ?


27.04.17, 08:07:22

Preussen

(Mitglied*)

Guten Tag Clouseau,
1. Die Zuschreibung dass es sich um ein Interims-Stück handelt habe ich vorgenommen da es sich um eine sehr zierliche Waffe handelt. Ich habe allerdings auch kein Problem nur von einem Degen zu sprechen.
2. Dieser Richtigstellung stimme ich gerne zu!
Gruss
Preussen


04.05.17, 11:55:24

Clouseau

(Mitglied)

Zitat:

"Die Zuschreibung dass es sich um ein Interims-Stück handelt habe ich vorgenommen da es sich um eine sehr zierliche Waffe handelt."


Hallo Preussen,

das mit der zierlichen Ausführung ist mir schon klar. Ich verweise nur auf meine eingangs dieses Themas aufgeworfene Frage und die Anregung einer Diskussion über den Sinn der "Adlermarke" auf Offizierswaffen speziell, meinetwegen auch auf alle preußischen Waffen generell bezogen. Die Marke soll doch bezeugen, dass die Klinge einer wie auch immer gearteten Probe auf ihre "Tüchtigkeit" unterzogen wurde.

Gerade Jägeroffiziere (wenn es denn ein Degen für Jäger ist?) konnten doch bei deren aufgelockerter Kampfweise durchaus in die Situation kommen, sich direkt mit der blanken Waffe ihrer Haut erwehren zu müssen.

Aber mit so einer Waffe? Wozu eine Güteprobe, wenn die Waffe nicht tatsächlich im Gefecht getragen wurde?
Die gleichen Fragen gelten für die kleinen Degen bei Kürassier- und Dragoneroffizieren, auf denen Adlermarken zu finden sind.

04.05.17, 18:24:47

Jagdsammler

(Moderator)

Also Herr Windsheiner schreibt in seinem Buch "ME FECIT POTZDAM" über den Adlerstempel dies hier: (siehe Bild)

Ich persönlich finde eine Güteprobe an Interimswaffen durchaus sinnvoll.
Wäre ja möglich, dass auch diese einmal ernsthaft eingesetzt werden mussten.

Gruß vom Jagdsammler

PS.: Mir gefallen die alten Preußen auch sehr gut!

04.05.17, 22:48:58

mario

(Administrator)

Ich sehe den Adler eher als ein Zeichen dafür, dass die Waffe in Pot"Z"dam/Spandau hergestellt oder zusammen gestellt wurde.
Kein Adler = nicht in Preußen gekauft. (Geld sollte doch im Lande bleiben)
Adler ähnlich der Solinger Rose
"Solinger Rose", gehörte nicht Solingen (Provinz Westfalen)
ab 1815 zu Preußen? Ab wann gab es diese "Adler" nicht mehr?

1816 wurde ein neues Modell in Preußen eingeführt, alle ohne Adler also ohne "Abnahme"! zwinkern


Gruß Mario





123
05.05.17, 07:16:53

Preussen

(Mitglied*)

Guten Morgen Mario,
Deiner These widerspricht ein weiterer Degen in den eine s.g. „Zieglerklinge“ eingezogen ist die ebenfalls eine Adlermarke zeigt.
GL 988 KL 821 KB 25,5

„Die Zieglerklingen, von der Fabrik des ehemaligen sächsischen Ministers Ziegler in Dresden, führen ein halbes Wagenrad, mit den Buchstaben G. Z. auf der Klinge. Es galt eine solche Ministerklinge 20 und mehr Ducaten. Sie waren sehr leicht, zum Hiebe und Stoße gehärtet, nicht sehr breit, wohl geschliffen, aber lang und viereckig, d. i. sie hatten an ihrer Mitte hohe Ecken, des Stoßes wegen, indem eine hohe Ecke die Klinge im Stoße steif erhält; und sie waren zugleich, zum Hiebe, wie ein Schermesser tief ausgeschliffen.“ (G. Krünitz)


05.05.17, 07:54:15
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