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ulfberth

(Moderator)

Diverse Fragen zu den beiden Georg Heinrich Kohl´s sollten nunmehr hinreichend beantwortet sein. Dadurch läßt sich die zeitliche Einschätzung bei dem einen oder anderen Stück sicherlich noch einmal neu überdenken.

Was bleibt, ist ein geschwärzter Hirschfänger, welcher vermutlich nicht der Bürgerwehr zuzurechnen ist.

Vielleicht sollte man daher das Thema auch einmal von der blankwaffen- und uniformkundlichen Seite her angehen. Und bei der Beurteilung des Hirschfängers auch die Forstuniformen nicht außer Acht lassen. Wir hatten auch im Königreich Württemberg den Staatsforst mit seinen königlich württembergischen Forstbeamten, den kommunalen Forstbereich sowie den Privatforst. Wobei letztere zumeist zu adeligem Grundbesitz gehörte und die blanken Waffen häufig das standesherrschaftliche Wappen trugen.

So sind die Forstuniformen traditionell eher als konservativ anzusehen, Zeitgeist und Mode spielen hier nur eine untergeordnete, bzw. höchstens zeitverzögerte Rolle.

Wenn man sich das Bild im 1894 erschienen „Lexikon des Kleidermachers“ – und hierbei die als erster Band erschienen „Forstuniformen“ ansieht, stellt man fest, daß die Blankwaffen gelbmontiert wiedergegeben werden. Dies dürfte zumindest bei der Staatsuniform auch richtig sein. Goldene Knöpfe, Besatzstreifen, goldene Bouillons etc. – hierzu paßt keine schwarzmontierte Seitenwaffe.

Die Forstmeister, Oberförster, Forstamts- und Revieramts-Assistenten sind gehalten, bei auswärtigen dienstlichen Verrichtungen, insbesondere bei dem Dienst im Walde, die nachstehende Dienstkleidung (Wald-Uniform) zu tragen: …
Wird ein Hirschfänger angelegt, so ist dieser auf der linken Seite durch die Juppe gesteckt zu tragen. Der Hirschfänger hat Hirschhorngriff, schwarze Lederscheide und stahlblaues (sic!) Beschläge.

[Gesellschaftsanzug] Die übrigen Uniformstücke [Überrock] (Achselstücke, Hirschfänger) sind gleich den jeweiligen Verhältnissen anzupassen und hiernach entweder von der Wald- oder von der Staatsuniform zu entnehmen“.

Doch was ist "stahlblau"? Hier hilft, wie so oft, ein zitierfähiges Lexikon: "Stahlblau, dunkelblaue Farbe, ähnlich dem angelaufenen Stahl, besonders dunkelblau mit Metallglanz." Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Leipzig 1909

Die oben erwähnten „stahlblauen“ Beschläge dürften um 1890 folglich gebläut gewesen sein. Diese Bläuung läßt sich auch anhand von diversen Realstücken belegen. Was also durchaus die Überlegung zuläßt, daß die früheren Stücke wie bei dem hier gezeigten Hirschfänger geschwärzt waren und so zur Walduniform angelegt wurden.

Gruß

ulfberth



www.seitengewehr.de
02.01.17, 00:00:03

ulfberth

(Moderator)

Nachtrag:

Im Buch von Herbert H. Westphal „Hirschfänger: zur historischen Entwicklung jagdlicher Seitenwaffen“ Horn-Bad Meinberg 2016, werden weitere Hirschfänger mit geschwärzten Eisengefäßen und der Kohl-Signatur unter den Kat. Nr. 465, 466 und 467 beschrieben. Interessanterweise trägt die Nr. 465 ebenfalls wie der hier vorgestellte Hirschfänger neben der Kohl-Signatur noch einen Solinger Stempel (Königskopfmarke) der Gebrüder Weyersberg. Hier trifft die Berufsbezeichnung Schwertfeger zu.

Schwertfeger, zünftige Handwerker, welche die Griffe u. Scheiden zu allerlei Seitengewehren, zu Dolchen, Rappieren u. ähnlichen Gegenständen verfertigen, während die Langmesserschmiede die Klingen verfertigen. …“ Quelle: Pierer's Universal-Lexikon, Altenburg 1862.

Somit hat Kohl als Schwertfeger die angekauften Klingen montiert und mit Scheiden versehen. In seiner Funktion als Waffenfabrikant (1850 als Schwertfeger & Waffenfabrikant, in späteren Jahren entweder das Eine oder das Andere) mag er durchaus auch die Klingen selbst gefertigt haben. Die Fabrik an sich ist nur eine gewerbliche Anstalt, deren Erzeugnisse (Fabrikāte) mit Hilfe von Maschinen und auf Grund weitgehender Arbeitsteilung auf Vorrat und im großen hergestellt werden. (Quelle: Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, Leipzig 1911).



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04.01.17, 00:00:44
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