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Jagdsammler

(Moderator)

Hallo zusammen,

kürzlich konnte ich eine auf Perkussion aptierte Pistole mit jagdlichem Dekor erwerben.
Die Pistole weist typische Elemente des Rokoko auf und kann somit in die Zeit um 1750 eingeordnet werden. Zu diesen Elementen gehören zum Beispiel die Form des Knaufes, die nicht durchbrochene Schlossgegenplatte sowie die Rankendarstellungen.
Die Lauflänge beträgt 23,3 cm bei einer Gesamtlänge von 38 cm. Der glatte Lauf hat ein Kaliber von 14 mm. Nach 8,5 cm kantiger, längsgerillter Form geht der Lauf über Zierrillen in rund über und endet mit einem Mündungsring aus Messing. Die gerundete Schlossplatte hat im hinteren Bereich eine Zierrille und ist aber sonst glatt. Die Aptierung wurde handwerklich professionell ausgeführt. Die Schlagfeder im Inneren des Schlosses ist am Ende leicht graviert, die Nuß scheint auf Grund der bläulichen Färbung gehärtet zu sein.
Die Beschläge bestehen aus feuervergoldetem Messing und sind üppig mit Jagdszenen und weiteren Zierelementen bedeckt. Die Schloßgegenplatte zeigt die Jagd auf ein vom Hunden gestelltes Wildschwein. Ein berittener Jäger mit zwei Jagdgehilfen zu Fuß galoppiert auf das gestellte Wild zu. Im Hintergrund sind noch Häuser zu sehen. Der Knauf trägt neben Muscheldekor noch die Darstellung eines Jägers mit erlegtem Flugwild. Um das Schwanzschraubenblatt ist eine Messingabdeckung mit üppigen Ranken und zu beiden Seiten jeweils ein Wild hetzender Hund zu sehen. Der Abzugsbügel trägt das Bildnis eines Jägers welcher gerade sein Gewehr stopft und neben dem sein Hund sitzt. Der Vorderteil des Abzugbügels geht vasenförmig über einen Mascaron in ein Akanthusblatt über. Die Ladestockpfeifen sind mit Rocallien und Akanthusblättern gestalltet.
Der hölzerne Ladestock hat einen Horndopper, der glatte Schaft ist aus Nussbaumholz welches leider einige Sprünge hat. Im Mündungsbereich befindet sich ein Abschluss aus Horn.

Schön wäre es natürlich, wenn die Pistole noch die ursprüngliche Steinschlosszündung aufweisen würde. Doch muss man bei näherer Betrachtung zugeben, dass es schon beachtlich ist wenn eine Pistole vielleicht achtzig Jahre nach ihrer Entstehung noch auf eine neue Zündungsart umgebaut wird. Was bewegt einen Besitzer zu einem solchen Schritt? Sparsamkeit? Sein Herz hängt an der Pistole, so dass er sie weiterverwenden möchte? Sie ist qualitativ so gut, dass es sich lohnt sie abändern zu lassen? Es gibt also mehrere Möglichkeiten.

Da die Pistole über keinerlei Visiermöglichkeiten verfügt und der Lauf auch nicht gezogen ist, eignet sie sich nur für kurze Distanzen. Dies ist beim Fangschuss auf verwundetes oder gestelltes Wild der Fall, oder auch bei einem Verteidigungsfall bei einer Benutzung als Reisepistole.

Da keinerlei Herstellersignaturen oder sonstige Stempel zu entdecken waren, ist es dann möglich, dass es von einem Hofbüchsenmacher stammt? Die Unterseite des Laufs konnte ich leider nicht anschauen, da ich die Schraube durch das Schwanzschraubenblatt nicht lösen konnte und ich keine Gewalt anwenden wollte.
Im „Illustrierten Lexikon der Handfeuerwaffen“ von Vladimir Dolinek habe ich auf Seite 152, Abbildung 181 doch tatsächlich zwei jagdliche Steinschlosspistolen mit den gleichen Messingbeschlägen entdeckt. Diese Pistolen sind üppiger verziert, auf dem Schlossblech, auf dem Lauf und am Schaft. Leider handelt es sich hier nur um ein besseres Bilderbuch, da im Text nicht genauer darauf eingegangen wird und auch keine Details abgebildet sind. Laut dem Bildnachweis befinden sich die Stücke wohl in Prag im historischen Institut der Armee der Tschechischen Republik. Möglicherweise ist als Provenienz Böhmen in Betracht zu ziehen?

Für Meinungen und Hinweise bin ich dankbar!

Gruß vom Jagdsammler Ebbe

11.04.16, 20:52:04

Jagdsammler

(Moderator)

Hier noch Bilder der Beschlagteile und der Innenseite des Schlosses.

11.04.16, 21:16:26

Jagdsammler

(Moderator)

Zum Schluss noch ein kleines Ensemble das meiner Meinung gut zusammen passt.

Viel Spaß!

Grüße vom Jagdsammler

11.04.16, 21:36:21

M 71

(Mitglied)

Schönes Konvolut !
Ich hätte den Glaskrug noch daneben gestellt,dann ist es nicht ganz so trocken .Füllen mußt Du ihnaber selbst .

Gruß M 71

12.04.16, 20:00:34

Jagdsammler

(Moderator)

Hallo M 71,

danke für das Lob!
Hier reiche ich noch eine Kleinigkeit nach.
Am Inhalt des Kruges soll es aber auch nicht fehlen. Ich werde das bald mal wieder zelebrieren müssen.

Zum Ridinger Stich:
"Dieser große starke Hirsch von 16 Enden, dessen Gehörne oben so zusammen gewachsen war, daß man mit keinem Messer-rücken hindurch gekont, ist von Ihro Hoch-Fürstl. Durchl. dem Regierenden Herrn Landgrafen Ludwig zu Hessen Darmstadt, den 23. Aug. 1740 in dem Ruppen Fang geschossen worden, deme auch unter der Rose, noch ein Ende ausgewachsen ware."

Soweit der originale Text unter dem Bild.

Ich finde auch die Dinge die um das eigentliche Sammelthema herum dazugehören ausgesprochen interessant. Also auch zum Beispiel Kupferstiche und natürlich auch Bierkrüge! zwinkern

Gruß vom Jagdsammler


12.04.16, 23:39:51
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