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Puck

(Mitglied)

Hallo,
Weiß jemand, wie früher Perlrochenhaut für die Griffwicklungen z.B. für IODs in das charakteristische "Grau"eingefärbt wurde?

Oder war die Rochenhaut früher schon von natur aus graufarben?

Ich will den Griff eines sächs. IOD 1867 restaurieren, dessen graue Rochenhaut stark zerfressen ist (wahrscheinlich von Ungeziefer).

Ich habe ein Stück elfenbeinfarbene, unbehandelte Rochenhaut, die beim Einweichen in Wasser schön weich wird und sich gut verarbeiten läßt,weiß aber nicht, wie ich die auf "grau" trimmen kann.
Hat jemand eine Idee?
Danke im voraus und beste Grüße, Hans






08.11.15, 23:45:17

Zietenhusar

(Supporter)

Hallo Hans,

ich kenne mich mit der Färbung von Fischleder nicht aus, aber Perlrochenhaut ist mir (grob eingegrenzt!) erstmal nur an Hilzen von japanischen und wenigen britischen Blankwaffen bekannt. Die so genannten Perlen in der Rochenhaut sind in bestimmten Arealen sehr groß und haben ein edles Aussehen. Diese beließ man in der Regel in ihrer natürlichen hellen Farbe.

Standardmäßig wurde bei europäischen Blankwaffen Rochen- oder Haifischhaut verwendet, bei der die Oberfläche eine gleichmäßig feinere Struktur aufweist. Diese feinere Struktur erscheint in dem uns bekannten mehr oder weniger dunklen Grau, da wohl die Haut selbst mehr durchscheint. Ob man sie extra einfärbte entzieht sich leider meiner Kenntnis.

Gruß,
Thomas

Bild 1: Perlrochenhaut
Bild 2: Haifischleder

09.11.15, 06:12:59

Puck

(Mitglied)

Danke Thomas,
Die Rochenhaut, die ich habe, hat eine feine Struktur, ist aber eben hell.
Graue Haifischhaut kann ich nirgendwo auftreiben.
Hast Du, oder jemand anders einen Tipp?

Was meinst Du mit Durchschimmern der Haut?
Gruß Hans

09.11.15, 14:51:50

Zietenhusar

(Supporter)

Zitat von Puck:
Graue Haifischhaut kann ich nirgendwo auftreiben.
Hast Du, oder jemand anders einen Tipp?
Hallo Hans,

schau mal hier. Allerdings kann ich anhand der Beschreibung und der Fotos keine Qualitätseinschätzung geben.

Zitat von Puck:
Was meinst Du mit Durchschimmern der Haut?
Die Haut der "gemeinen" großen Haie (Weißer Hai, Riffhai, Bullenhai etc.) ist an sich ja schon grau-silberig. Das meinte ich.

Gruß,
Thomas

09.11.15, 19:39:30

Puck

(Mitglied)

Mit Haifischhaut das würde schon einleuchten, da die Haie ja von Natur aus meistens grau sind.
Aber bei bladsandmore scheinen die Haihäute zu dick und zu dunkel.
Die perlrochenhaut habe ich übrigens von bam.
Danke Dir, Hans


09.11.15, 20:58:05

Jagdsammler

(Moderator)

Hallo zusammen,

zu diesem Thema würde ich gerne aufzeigen wie und womit ich vor einiger Zeit den Griff eines bayerischen Infanterie Offizierssäbel M 1855 aus der Regierungszeit König Ludwigs des Zweiten (1864-1886) restauriert habe.

Ausgangszustand:
Die Griffbelederung aus Rochenhaut war so abgescheuert, dass an mehreren Stellen das Griffholz zu sehen war. Auch war die Vergoldung der Drahtwicklung so abgerieben, dass nur noch der Kupferdraht sichtbar war. Insgesamt wackelte der Griff nicht unerheblich.

Restaurierung:
Nach längerer Überlegung entschied ich mich für eine Erneuerung des Griffleders und der Drahtwicklung. Dazu musste notgedrungen die Vernietung geöffnet werden. Der Draht, welcher an den verdeckten Stellen noch die originale Vergoldung zeigte wurde entfernt sowie die Reste der Rochenhaut vorsichtig abgelöst. Zuvor stand allerdings die Überlegung an, was als Ersatz dienen sollte. Perlhaihaut ist nicht so einfach zu bekommen, auch nicht sehr günstig und meist nicht gegerbt. Stachelrochen hingegen war einfach zu bekommen und somit fiel auf ihn die Wahl. Den passenden Draht zu besorgen war ein Leichtes. Das Griffholz wurde gleichmäßig mit Holzleim bestrichen und der gewählte Lederfleck aufgelegt. Dann mit einer Schnur stramm umwickelt, damit sich die Haut den Rillen des Griffs gut anpasste. Etwas schwierig war es am oberen Ende des Griffs auf Grund der Krümmung. Der Draht wurde mit Hilfe des Akkuschraubers verdrillt bis er dem Original entsprach. Hier muss man bei der Drahtlänge etwas aufpassen denn um ca. 90 cm verdrillten Draht zu bekommen benötigt man ca. 2,5 - 3,0 m einfachen Draht.
Nach Trocknung des Leims wurde die Schnurwicklung entfernt und das überstehende Leder am Griffrücken abgeschnitten. Durch die harte Perlung schneidet es sich allerdings schlecht. Darauf wurde die Drahtwicklung angebracht. Zwei einfache Drähte und dazwischen der verdrillte Draht gut gewickelt und befestigt. Danach erfolgte der Zusammenbau des Gefäßes. Hierbei ist oft auch die sorgfältige Anfertigung eines neuen Stoßleders notwendig. Die Gefäßteile wurden vor dem Zusammenbau möglichst schonend gereinigt und dann das Gefäß vorsichtig vernietet.

Fazit:
Ich bin mit dem Resultat zufrieden! Die entfernten originalen Teile sind nicht zerstört und werden entsprechend eingelagert. Somit wäre die Sache theoretisch reversibel.

Viele Grüße vom Jagdsammler Ebbe



09.11.15, 21:33:17

Jagdsammler

(Moderator)

Hier nun die Bilder der Restaurierung: Einmal die Haut alt und neu, aufgeleimt mit Schnurwicklung, ohne Schnur, mit Drahtwicklung und der fertige Griff.

09.11.15, 21:43:16

Jagdsammler

(Moderator)

Hier noch die Bilder vom kompletten Stück: Vorher, nachher und mit wohl unrichtigem (Kavallerie) Portepee.

Die Rochenhaut vom Stachelrochen ist schwarz und ich nehme an, dass dies bei vielen Säbeln im neuen Zustand auch so war und diese eben durch den Gebrauch mit der Zeit immer heller wurden und dann das typische grau annahmen.

Grüße vom Jagdsammler

09.11.15, 21:57:39

Puck

(Mitglied)

Hallo Ebbe,
danke fürs nochmalige Zeigen und Erklären. Ich glaube, ich hatte das schon mal von Dir gesehen.Gut und geschickt gemacht.
Aber mit Farbe und Material für die Griffumwicklung bin ich immer noch nicht im Klaren. Ich glaube nicht, dass sich Dein schwarze Material auf grau abgreift.
Beste Grüße, Hans

09.11.15, 22:33:03

Zietenhusar

(Supporter)

Die "Schuppen" sind ja ursprünglich hell und können wohl schlechter durchgefärbt werden. Bei Benutzung sollte sich die schwarze Färbung auf den erhabenen Stellen über die Zeit wieder abgreifen.

Gruß,
Thomas

10.11.15, 03:30:04
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