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ulfberth

(Zeugwart)

Quelle: Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 3


Polizeitruppe
... Deutsch-Neuguinea.
Die Landeshoheit in Deutsch-Neuguinea wurde bis zum 1. April 1899 von der Neuguinea- Kompagnie ausgeübt. Der von ihr eingesetzte Landeshauptmann verfügte über eine kleine bewaffnete Macht. Ebenso wurde eine solche von der Neuguinea - Kompagnie dem seit 1893 im Bismarckarchipel amtierenden Ksl. Richter zur Verfügung gestellt. Der erste Etat des Schutzgebietes nach der Übernahme der Verwaltung durch das Reich im Jahre 1899 sah 2 Polizeimeister und eine aus 90 Eingeborenen bestehende P. vor. Mit der Errichtung neuer Stationen wurde die Truppe allmählich vermehrt. Das anfangs mit dem alten Schutzgebiet nur in loser Verbindung stehende Inselgebiet der Karolinen, Marianen, Palau- und Marshallinseln wurde der Entwicklung der Verkehrsverhältnisse folgend, enger angegliedert.

Die P. für Naurn, Jaluit, Ponape und Truk wurden aus dem alten Schutzgebiet rekrutiert. So war die Schutzgebietsverwaltung im Jahre 1910 bei einem Etat von etwa 16 Polizeimeistern und 670 farbigen Polizisten angelangt. Die Truppe am Sitz des Gouvernements in Rabaul dient für den größten Teil der Außenstationen als Stammtruppe. Die dem Etat für 1913 beigegebene Denkschrift über die Ausgestaltung der Verwaltungsorganisation in Deutsch - Neuguinea nimmt einen weiteren Ausbau der Polizeitruppe in dieser Richtung nach dem Muster von Togo in Aussicht. Die Zahl der farbigen Mannschaften beträgt nach dem gleichen Etat 839 Mann. Die farbigen Mannschaften rekrutieren sich ausschließlich aus dem Schutzgebiet selbst. Die Versuche mit der Verwendung von Makassarleuten und Amboinesen (s.d.) führten zu keinen günstigen Ergebnissen. Die klimatischen Verschiedenheiten zwingen bereits zur Vorsicht bei der Verwendung von Eingeborenen des Inselgebietes in anderen Teilen des Schutzgebietes. Eine solche fand deshalb bisher nur in geringem Umfange statt. Bei der Verwendung während des Aufstandes in Ponape 1910/11 hat sich die Eingeborenentruppe aus Deutsch - Neuguinea auch einer kulturell höher stehenden Eingeborenenbevölkerung gegenüber gut bewährt.

Den besten Ruf als Soldaten genossen früher die Bukas. Die Insel Buka (Salomoninseln) wurde als Arbeiteranwerbegebiet längere Zeit zu sehr in Anspruch genommen und kam deshalb als Rekrutierungsgebiet für die Truppe in letzter Zeit wenig mehr in Betracht. Ähnlich liegen die Verhältnisse in Neumecklenburg. Eines der ersten Rekrutierungsgebiete ist jetzt die westliche Hälfte von Neupommern, das einen gut entwickelten kräftigen Menschenschlag aufweist. Das Dienstverhältnis des Polizeisoldaten in bezug auf Dienstdisziplin, Löhnungs-, und Verpflegungsverhältnisse untersteht den für eingeborene Plantagenarbeiter geltenden Bestimmungen ... Ein besonderes militärisches Disziplinar- und Strafrecht ist für die Angehörigen der P. bisher nicht eingeführt. –

Die Bewaffnung des Polizeisoldaten besteht hier aus einem Gewehr M/1871 und einem 71er Hirschfänger. Weitere Bilder HIER


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01.03.15, 14:10:14

ulfberth

(Zeugwart)

Palauinseln
Lage und Bodengestaltung. Die P.- oder Pelau-, Palao-, Pelewinseln, zwischen 6° 53' und 8° 3' n. Br. und 134° 10' - 43' ö. L. gelegen und zu Deutsch-Neuguinea gehörig, bestehen aus sieben größeren bewohnten und mehr als 20 kleineren unbewohnten Inseln. Der Gesamtflächeninhalt beträgt 450 qkm, wovon 2/3 auf die Hauptinsel Babeltaob entfallen. Die Inselgruppe erhebt sich aus sehr tiefem Meer und dürfte nach Sievers als ein Teil des asiatischen Kontinentalrandes aufgefaßt werden, während A. Wichmann an submarine, vulkanische Entstehung und spätere Hebung dachte. Ein Teil der Inseln ist in der Hauptsache aus Augitandesit aufgebaut, so Babeltáob, Ngarekobasang, Malakal und Koror, die ansehnliche Berge tragen (bis gegen 200 m), ein anderer Teil der Inseln besteht aus Korallenkalk, der freilich stellenweise stark gehoben ist (so im Norden von Peliliu bis 80 m). Einzelne Funde von Syenitgranit lassen auf ein Fundament aus diesem Gesteine schließen. Mit Ausnahme von Angaur (s. d.) im Süden, das durch seine Phosphatlager bekannt geworden ist, und der Atolle Kossol und Kajangle, sowie des um 8° 11' n. Br. und 134° 30' ö. L. liegenden Ngaruangl-Riffs ist die ganze Inselgruppe von einem allerdings mehrfach durchbrochenen Korallenriffe umgeben.

5. Bevölkerung (s. Tafel 29, 33). Die P. sind dünn, doch von einem kräftigen, schönen, ziemlich einheitlichen Menschenschlag bevölkert. Von allen Karolinern sind die Palauinsulaner die hellfarbigsten, deren Hautfarbe von Rosafleischfarben bis zum Gelblichbraun wechselt. Die Frauen sind erheblich heller als die Männer. Das Haar ist braunschwarz und überwiegend langwellig, doch fehlt es auch nicht an kraushaarigen Individuen. Es sind sehr intelligente Leute, die, sauber, arbeitslustig und -willig, auf einer relativ hohen Kulturstufe stehen. Allerdings sind sie hinterlistig, leicht erregbar und schwer im Zaum zu halten. - Der Archipel ist in ach Landschaften (pelu) (Ngatangal, Ngarard, Ngaregolong, Gongodogul, Ngaramlungui, Eimelik, Ngaragumlbai, Ngarkldeu) eingeteilt, die voneinander unabhängig sind und ehemals fast in steter Fehde lebten. Die Landschaft Ngarkldeu mit Koror (Goreor) als Hauptort hat vor allen übrigen den Vorrang. Jede pelu besteht aus der Gemeinschaft von etlichen Familien, die jede von einem Oberhaupt, rupak, nach außen hin vertreten wird. Diese Familien sind im Rang untereinander verschieden. Die Familienoberhäupter und ihre Frauen führen besondere Titel. Der höchste Titel ist aibedul. Diese Titel machen sich auch nach außen hin bemerkbar. So bestehen Unterschiede in der Kammtracht, im Tragen des Klilts (Armband aus dem ersten Halswirbel des Dugongs), in der Anordnung der Sitze in den Versammlungen, der Größe der Sitzbänke, in dem Recht zum Betreten der hohen Plätze usw. Jede Familie hat ihr eigenes Totem, einen Fisch oder das Krokodil, und eigenen Grundbesitz, der als Fideikommiß verwaltet wird. Der Wohnsitz des Familienoberhauptes gilt als Name für alle Familienangehörige. Mit dem Namen und Titel dieses Familienoberhauptes ist ein Majorat verbunden, das von dem ältesten Mann verwaltet und dem nächst älteren vererbt wird. Name und Titel werden stets vom älteren auf den jüngeren Bruder, das Privatvermögen vom Vater auf den ältesten Sohn vererbt. Eheleute besitzen kein gemeinschaftliches Eigentum; der Mann darf nie das Geld seiner Frau brauchen, nur seine Kinder bekommen später einen Teil davon. In jeder pelu ist das Familienoberhaupt der ersten Familie gleichzeitig als aibedul der Oberhäuptling sämtlicher Männer; die älteste Frau dieser aibedul- Familie ist der weibliche Oberhäuptling aller Frauen, so daß die Frauen ihre eigene Regierung besitzen, in welche sich die Männer nicht zu mischen haben. Die jungen Leute tun sich zu Bünden, Kriegergemeinschaften, Klubs (Kaldebekel oder Klöbbergöll) zusammen. Jeder Klub hat sein Versammlungshaus (bai), deren jede Gemeinde eins oder mehrere besitzt. Die männliche Bevölkerung, Junggesellen und Verheiratete, verteilt sich nachts in diese bai. Verheirateten Frauen derselben Gemeinde ist der Zutritt verboten. Der aibedul hat absolute Gewalt über Leben und Eigentum seiner Landschaftsangehörigen, die er nach Belieben bestrafen kann. Er bewahrt auch den Staatsschatz auf. Staatsangelegenheiten werden gemeinsam im bai beraten, die Entscheidung in wichtigen Angelegenheiten ruht bei den Priestern, die als Vertreter der befragten Gottheit den Ausschlag geben. Die Priester sind gleichzeitig Ärzte und Zauberer. Überhaupt bilden die religiösen Anschauungen die Grundlage der gesellschaftlichen und politischen Einrichtungen der P. Gerade durch den Glauben verstanden es die Priester, äußerlich kaum wahrnehmbar, die ursprünglichen Sitten und Gewohnheiten rein und unverwischt zu erhalten. Diese Anschauungen beruhen in dem Glauben an übernatürliche Geister (kalit), deren Sitz in Tieren, Steinen, Bäumen gedacht wird. Der Kult soll vornehmlich ihren bösen Einfluß abwenden. Ferner besitzt jeder Eingeborene noch einen besonderen Schutzgeist (kasung), auch jeder Ort und Platz im Lande hat einen speziellen kalit. - Das äußere Leben der Eingeborenen und der Verkehr der Staaten unter sich wird durch eine große Anzahl von Gesetzen geregelt, welche die Sitten vorschreiben und sich ebenfalls auf religiöse Anschauungen stützen. Frauen genießen den ganz besonderen Schutz dieser Gesetze. Fast sämtliche Vergehen, politische, soziale, religiöse, werden mit Geldbußen gesühnt. Die Strafgelder gehen in den Besitz des Häuptlings über. Dieses Geld (audod) regiert in P. alles und bedeutet alles, in seinem Besitz verkörpert sich der Reichtum. Es besteht aus gelben oder rotbraunen gebrannten Erden, ein- und mehrfarbigen Glasflüssen, die in regelmäßige Formen geschliffen werden. Diese Geldstücke haben verschiedenste Werte; die Basis des Wertmessers bilden gefüllte Tarokörbe, nach denen die einzelnen Geldstücke abgeschätzt werden. Jeder Wert hat einen besonderen Namen. Der Geldverkehr ist so hoch ausgebildet, daß man sich ausgezeichnet auf Leih-, Wechsel- und Zinsgeschäfte versteht. Über die Herkunft des audod weiß man noch nichts Bestimmtes, man vermutet seine Heimat in Malaiasien (Borneo). -Die Ehe ist ein wunder Punkt im Staatsleben der P.leute. Jede Familie hat ein eigenes Totem, und man heiratet exogam. Die Eltern suchen für den Sohn ein Mädchen, bei dem Geld und gute Familie den Ausschlag geben. Sehr vornehme Mädchen können sich ihre Ehemänner selbst aussuchen. Der Mann muß das Mädchen kaufen; auch während der Schwangerschaft seiner Frau und bei der Geburt des Kinder sind große Summen an den Schwiegervater und die übrige Verwandtschaft zu entrichten. Im übrigen muß der Ehemann seine Frau für jeden Beischlaf bezahlen. Kinder sind geschätzt; namentlich sind Töchter willkommen, weil damit der Wohlstand der Familie gehoben wird. Schon in frühster Jugend lernt das Mädchen, sich gegen Bezahlung mit Knaben und Männern einzulassen. Bei Vollendung der Pubertät verläßt es die Heimatgemeinde und geht zu einer anderen Dorfgemeinschaft, wo es als Hausgenossin (armengol) in einen Männerklub eintritt. Ein Klubmitglied hält das Mädchen aus, doch verkehrt es auch mit den übrigen Männern. Diese Hetärenzeit der armengol gilt als Schulzeit. Erst danach heiratet das Mädchen, wenn es nicht vorzieht, für immer armengol zu bleiben. Die verheiratete Frau muß ihrem Manne unbedingte Treue halten. - Ein inniges Familienleben hat sich bei solcher Lebensweise nicht 'herausbilden können; daher pflegen die meisten Ehen unfruchtbar zu sein. In den letzten Jahren, wo die Regierung gegen das Hetärenwesen einschreitet, bessern sich die Verhältnisse, und die Geburtenziffer nimmt zu. - Die Toten werden bestattet. Man gibt ihnen Beigaben mit und setzt sie vor dem Familienhause in Gräbern bei, die mit Steinen ausgekleidet sind. Die Seelen begeben sich nach Angaur, waschen und baden sich dort am Geisterstrande, um dann ins Totenreich einzugehen. Gelegentlich fahren sie auch in die Totemtiere, aus denen sie zu Zeiten durch Bannsprüche weichen müssen. - Die Siedlungen der P.leute sind Haufendörfer. Mehrere Gehöfte bilden ein solches Dorf, eine Anzahl Dörfer eine Landschaft. Ein Staat besteht aus mehreren Landschaften. Die einzelnen Dörfer sind durch saubere, gute, zum Teil gepflasterte Wege miteinander verbunden. Besonders schöne breite Straßen durchziehen die Hauptdörfer, in deren Mitte sich auf künstlichen, mit Steinen bekleideten Werften die großen Versammlungshäuser erheben (s. Tafel 29 u. 158). Sie stehen einzeln oder zu mehreren beieinander. Jedes ruht auf einem steinernen oder hölzernen Unterbau. Solch ein Haus hat zuweilen Abmessungen von 20:5 m im Geviert und 7-8 m Höhe. Die Wände sind niedrig; sie bestehen aus fest zusammengefügten Holzplanken. Türen, die gleichzeitig Fenster vertreten, sind zwischen sie eingelassen. Ein gewaltiges Mattendach mit vornüberhängenden spitzen Giebeln deckt das Haus; an den Seiten hängt es bisweilen bis zum Erdboden herab, die Giebelseiten werden mit Holzplanken verkleidet. Die Häuser, die mit einem schönen Holzfußboden ausgekleidet sind, sind außen und innen gelb, rot und schwarz gestrichen. An den Giebelwänden, an den Bindern und Querbalken im Hause wird reicher ornamentaler Bilderschmuck angebracht, der in kunstvollen und naturgetreuen Flachreliefs die einzelnen Begebenheiten im P.lande, Sagen und Märchen, erotische Darstellungen festhält und so in einer Art prächtiger Bilderschrift eine lebende Geschichte der Inseln gibt. Lebensgroße weibliche Figuren (dilugai) mit gespreizten Beinen werden über der Giebeltür angebracht, daneben hängen Phalli. - Die einzelnen Familien wohnen in Gehöften, die aus einem oder zwei zierlich gebauten Familienhäusern (blai), etlichen Wirtschaftsgebäuden und gelegentlich einem Geisterhaus bestehen. Die blai errichtet man auf Rosten. Sie bestehen aus Holzrahmen mit eingesetzten Wänden aus dünnem, zusammengebundenem Röhricht und sind mit Areka- und Pandanusblättern gedeckt. Die Türen ersetzen die Fenster; Treppen führen ins Innere, das mit einem Fußboden ausgelegt ist. - Außer diesen Häusern gibt es noch Feldhütten und hallenartige, zum Teil schön verzierte Bootshäuser. Jedes große Dorf besitzt an der Seeseite einen langen, aus Korallensteinen erbauten Landungssteg, dessen Länge sich der Macht und dem Ansehen der Ortschaft anpaßt. - Das tägliche Leben der Eingeborenen bietet reiche Abwechslung. Eine Arbeitstrennung ist nur teilweise durchgeführt. Frauensache ist der Tarobau, die Pflege der Gelbwurz, Mattenflechten, Herstellung der Schurze, Töpferei, Bereitung der Konfekte und Süßigkeiten; Männer betreiben die Pflege der Betel-, Kokospalmen und Tabakpflanzungen, ernten die Brotfrüchte, üben den Fischfang aus, stellen Geräte aller Art und Waffen her, doch gibt es besondere Handwerker für den Haus-, den Bootbau und die Herstellung des hölzernen Geschirrs. Männer bereiten auch die tägliche Nahrung. Die täglichen Gerichte sind sehr schmackhaft; als Zuspeise genießt man einen Trank aus eingekochtem Toddy, der mit Wasser vermischt wird. Als Genußmittel stehen Tabak, Betelnuß und Betelpfeffer in gleichem Ansehen. - Spiel und Sport sind sehr beliebt und werden mit dem Tanz gern ausgeübt. Sie erhöhen den Reiz der vielen Festlichkeiten. Musikinstrumente fehlen; man beschränkt sich auf den Gesang, der rhythmisch mit Fußstampfen und Händeklatschen begleitet wird. - Betriebsamkeit und Fleiß der P.leute haben zur Ausbildung eines regelrechten Handels geführt. So verhandelt z.B. der Norden P.s die dort hergestellten Schmucksachen über die ganze Gruppe. Die vulkanischen Inseln versorgen die weniger reichen südlichen, meist gehobenen Koralleninseln der Gruppe mit Taro gegen Textilprodukte, Matten und Segel. - Die geistige Kultur steht in P. in hoher Blüte. Von Mund zu Mund lebt dort eine unerschöpfliche Menge von Liedern, Epen, Erzählungen profanen und religiösen Inhalts fort. - Auch die materielle Kultur ist reich und weist verschiedene Besonderheiten auf, so das Schildpattpressen und die Keramik, die sich nicht allein mit der Herstellung von flachen Schalen abgibt, sondern auch Krüge und vor allem Lampen herzustellen weiß. An allen Gegenständen und Geräten ist ein hoher Kunst- und Formensinn der Eingeborenen zu beobachten; er ist so entwickelt, daß er in manchen Fällen auch für Europäer vorbildlich sein kann. Im übrigen sind die Hauseinrichtungen, Gebrauchsgegenstände, Kochgeräte, Werkzeuge dieselben, wie wir sie bei den übrigen Völkern der Südsee antreffen. Allerdings haben schon viele japanische und europäische Waren aller Art bei den P.leuten Aufnahme gefunden. Eine Hauseinrichtung besteht aus einer Anzahl Matten, die zum Schlafen oder als Hüllen dienen; Koch- und Eßgeräte hängen an den Wänden. Sie bestehen aus runden oder elliptischen, flachen und tiefen Holztellern, die rot und gelb, bemalt, mit einem dauerhaften Lack überzogen sind. Der Rand ist mit Perlmutter ausgelegt. Die Fischschüsseln sind vielfach auf zierlichen, aus dem Vollen herausgeschnitzten, durchbrochenen Untersätzen montiert. Süßigkeiten werden von flachen oder löffelähnlichen Schildpattschalen genossen, die in heißem Wasser zwischen Holzformen gepreßt werden. Als Trinkgefäße dienen Kokosschalen und europäische Flaschen. Schemelartige Kokosschaber, kastenartige Pressen ergänzen das Kochgerät. Die Speisen werden am offenen Herdfeuer oder im polynesischen Ofen zugerichtet. - Körbe, weit- und engmaschig geflochten, hängen und liegen im Hause herum. Zum Teil bergen sie Eßvorräte, Gebrauchsgegenstände, Schurze usw. Unter ihnen nimmt der flache Betelkorb eine Sonderstellung ein. Er ist der Unzertrennliche Begleiter von Jung und Alt in P. Betelnüsse, Betelblätter, Kalkbehälter und für alte Leute Nußspalter, Stößel und Mörser bilden seinen Inhalt. - Über den Hausquerbalken liegen Waffen, Grabstöcke, Fischereigeräte usw. Hier hängen auch die Lampen, in denen Kokosöl in Dochten verbrannt wird. Diese Lampen ähneln den römischen Tonlampen oder den europäischen Trankrüseln. - Mit primitiven Geräten, dem Tridacnabeil, Muschelmessern, Korallen- oder Drillbohrern, Rochenhautraspeln stellte man ehemals die Gebrauchsgegenstände aller Art her. Heute gebraucht man eiserne Werkzeuge. - Schmucksachen gibt es nicht viel in P. Hals- und Brustketten, Armbänder, stellt man aus Kokosschalen, Schildpatt, Muscheln und Holz her. --- Schleuder und Speer sind die Hauptwaffen der Eingeborenen; der Bogen wird fast. nur zur Vogeljagd verwendet. Einen ähnlichen Gebrauch macht man von dem durch die Spanier eingeführten Blasrohr. Krieg war früher der Normalzustand auf P. Heute ist es damit vorbei. Vor allem war die Kopfjägerei beliebt, die große Tanzfeste im Gefolge hatte und den Häuptlingen viel Geld einbrachte. - Als Verkehrsmitte1 sind dreierlei Fahrzeuge im Gebrauch: flache Bambusflöße, die mit Stangen vorwärts bewegt werden; Paddel- und Segelkanus. Diese Kanus sind Einbäume aus Brotfruchtholz und mit Auslegern versehen. Sie sind rot und weiß bemalt und werden in verschiedenen Größen, vom Einsitzer bis zum 40 Mann fassenden Kriegskanu gebaut. Die Segelkanus führen außer Paddeln und Ösfaß Mast und dreieckige Mattensegel. Diese Kanus sind gleichzeitig wichtige Fischereihilfsgeräte. Die Fischerei selbst wird auf dem Riff, auf der See, dem Außenriff und in den Riffkanälen betrieben. Stellgarne, Zugnetze, Handnetze, Hamen, Speer, Reuse und Gift bilden die Fanggeräte, die in einer Anzahl von Fangmethoden Verwendung finden.



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01.03.15, 14:16:32

ulfberth

(Zeugwart)


6. Verwaltung und europäische Unternehmungen. Die Inseln sind im Jahre 1899 zusammen mit den Karolinen und Marianen durch Vertrag mit der spanischen Regierung an Deutschland übergegangen (Näheres hierüber, sowie über die politische Geschichte der P. s. Karolinen). Sie gehören zum Verwaltungsbezirk der Westkarolinen und sind somit dem Bezirksamtmann in Jap unterstellt. Die Inselgruppe selbst ist sodann wieder in zwei Regierungsstationen eingeteilt, die eine befindet sich auf Koror und umfaßt die gesamte Inselgruppe mit Ausnahme von Angaur. Für Angaur ist ein besonderer Stationsleiter bestellt. Die Stationsleiter nehmen im Nebenamt die standesamtlichen Geschäfte wahr und üben auch die Eingeborenengerichtsbarkeit jeweils für ihren Bezirk aus. hinsichtlich der Fremdengerichtsbarkeit gehören die P. zum Bezirksgericht Jap und zum Obergericht Rabaul. Der Arzt der Deutschen Südsee-Phosphatgesellschaft in Angaur übt auch regierungsärztliche Funktionen aus. Der Station Koror ist bis jetzt ein Regierungsarzt noch nicht zugeteilt, doch ist die Stationierung eines solchen in Aussicht genommen. Die Eingeborenenbevölkerung der P. wird auf 4000 Seelen geschätzt. Genaue Feststellungen hierüber liegen noch nicht vor. Die weiße Bevölkerung ist noch gering. Außer dem Stationsleiter und einigen Missionaren sind nur wenige weiße und japanische Händler tätig. Abgesehen von der Deutschen Südsee -Phosphatgesellschaft auf Angaur (s.d.) bestehen eigentliche europäische Unternehmungen, so vor allen Dingen Plantagen, noch nicht.


Die Uniform für die Unterbeamten der P. ist nach Erl. des RK. vom 13. April 1912 die gleiche wie die der Polizewachtmeister in Deutsch - Ostafrika, jedoch sind die Besatzstreifen, Vorstöße und Schulterklappen grün. Die Bekleidung der farbigen Mannschaften besteht aus einem roten Lendentuch, das von der Seitengewehrkoppel gehalten wird, und einer Kakimütze mit rotem Band, Lederschirm und Reichskokarde. Für Paradezwecke, ferner bei Nachtdienst und bei kalter Witterung wird ein Anzug aus Kakistoff mit roten Litzen, bestehend aus Bluse im Matrosenschnitt und Kniehosen, getragen. Die Waffe ist das Gewehr Mod. 88 und Seitengewehr Mod. 71/84. Die P. von Deutsch - Neuguinea hat vor denen der übrigen Schutzgebiete den Vorzug, daß sie verhältnismäßig die billigste ist. Die Kosten der Löhnung, Verpflegung und Anwerbung werden auf 230 M, die der Ausrüstung und Bewaffnung auf 55 M pro Mann und pro Jahr berechnet. Die Funktion ortspolizeilicher Vollziehungsorgane und Gehilfen der Häuptlinge versehen die Häuptlingsboten "Tultuls". Die Funktion ist ehrenamtlich. Als Zeichen seiner Würde trägt der Tultul eine Kakimütze mit blauem Band und Vorstoß und Reichskokarde. Bewaffnet ist er nicht. Einem jeden Häuptling sind zwei oder auch mehrere solcher Würdenträger beigegeben.

Quelle siehe oben!


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01.03.15, 14:17:22

ulfberth

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