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corrado26

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Infanteriegewehr M 1801, System Nothardt
Mittelbrauner Ahorn-Vollschaft mit Kolbenbacke links und ovalen Verschneidungen um das Schloss, das Schwanzschraubenblatt und das Schlossgegenblech. . Messingbeschläge, diese bestehend aus halbem Vorderschaftband, vier aufgetrichterten, kantigen Ladestockröhrchen, Abzugsbügel mit beidseitiger Verlängerungen, Kolbenkappe und breitem Schlossgegenblech mit Herrscherchiffre „FWR“ unter Krone (Fridericus Wilhelmus Rex = Friedrich Wilhelm III.). Steinschloss mit flachem, an den Kanten abgeschrägtem Schlossblech, ebensolchem Schwanenhalshahn, eiserner Pfanne mit an der Außenseite verschraubtem Feuerschirm und Batterie mit oben gerade abgeschnittener Schlagfläche. Batteriefeder von außen verschraubt. Herstellersignatur „POTSDAM“ unterhalb der Pfanne. Auf der ganzen Länge runder Lauf mit gerade endendem Schwanzschraubenblatt und trichterförmigem Zündloch. Standkimme auf dem Schwanzschraubenblatt. Langes Messingkorn 86mm hinter der Mündung. Bajonettwarze an der Laufunterseite, 22mm hinter der Mündung. Der Lauf steht auf 78mm frei. . Lauf/Schaft-Verbindung durch Kreuzschraube und drei Metallstifte, bzw. Ösen an der Laufunterseite.. Originaler, zylindrischer Ladestock aus Eisen mit konisch erweitertem Kopf. Erste Riemenöse durch den Vorderschaft geschraubt, zweite Riemenöse am Abzugsbügel vorne.

Gesamtlänge 1440mm, Lauflänge 1060mm, Kaliber des glatten Laufs 15,2mm, Schlossblechlänge 154mm.

Am 14. Februar 1801 genehmigte Friedrich Wilhelm III. die Einführung eines gänzlich neuen Infanteriegewehres, dessen Entwurf auf Capitain Nothardt vom Regiment von Grevenitz zurückgeht. Hintergrund dafür war das Bestreben, mit einem wesentlich kleineren Kaliber ein deutlich leichteres Gewehrmuster zur Verfügung zu haben. Die Gewehrfabrik Potsdam erhielt noch im gleichen Jahr einen Auftrag zur Lieferung von 6000 Gewehren, die eigentliche Produktion begann jedoch erst im folgenden Jahr. Gegenüber dem Vorgängermodell war das Nothardtgewehr durch Reduzierung der Metallstärken und der Kaliberreduzierung um drei Pfund leichter. Als weitere Neuerung besaß die Pfanne einen Verbindungssteg zur Batterie und auf dem Schwanzschraubenblatt eine kleine Standkimme. Alles zusammen ergab eine deutliche Steigerung der Treffleistung bei gleichzeitiger Reduzierung des Pulververbrauchs und geringerer Belastung der Soldaten.
Allerdings kam es nicht zu einer generellen Ausrüstung der Infanterie mit dieser neuen Waffe: Nur die vier Gardebataillone, das Regiment des Königs und ein Grenadier-Bataillon zogen mit dem Gewehr M 1801 in den Krieg gegen die napoleonischen Truppen. Diesen fiel nach dem Einmarsch in Berlin 1806 der größte Teil der ca. 20.000 produzierten Nothardtgewehre in die Hände. Da die Franzosen aber mit den kleinkalibrigen Waffen nichts anfangen konnten, gaben sie erhebliche Mengen davon an ihre Verbündeten. So übernahm z.B. die badische Armee 4.049 Gewehre M 1801, von denen dann im Januar 1807 1.260 Stück zur Ausrüstung der beim Ausmarsch ohne Waffen in Karlsruhe zurückgelassenen Leibgrenadiergarde nach Hause geschickt wurden.


19.03.13, 17:16:32
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