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Puck

(Mitglied)

Hallo,

ich möchte Euch über meine Erfahrungen beim Restaurieren einer Bayrischen Kavallerie-Pistole M 1826/43 berichten. Vor längerer Zeit hatte ich eine solche eisenmontierte Perkussions-Pistole erworben. Sie soll ein Dielenfundstück gewesen sein.
Alle Metallteile waren stark verrostet und der Holzschaft war durch lange Feuchtigkeitseinwirkung im entsprechenden Zustand und wies unter dem Schloss einen breiten Riss auf.
Hahn und Abzug waren nicht zu bewegen.

Ich hatte mir nun in den Kopf gesetzt, aus dem Rostpaket wieder etwas zu machen, zumal ich aus zwei guten DWJ-Artikeln (12/2006 „Rosskur“ und 2/2011„Fundsache“) gute und Mut machende Tipps für so ein Vorhaben fand..

Zuerst versuchte ich die Pistole zu demontieren und setzte zum Lockern und Lösen der verrosteten Schrauben „Rasant Hochleistungs-Rostlöser“ (Fa. Caramba) ein.
Bis auf die vordere Schlossschraube und die untere große Holzschraube von der Kolbenkappe konnte ich alle anderen Schrauben mit einiger Mühe lösen. Von der hinteren Holzschraube am Abzugsbügel brach dabei die Spitze ab und blieb im Schaft stecken.

Die vordere Schlossschraube brach gleich zwei Mal. Zuerst hatte ich den Schraubenkopf abgedreht, und als ich dachte, ich kann das Schloss raushebeln, brach sie noch mal kurz hinter der Schlossplatte, und der Schraubenschaft steckte durch Rostaufblühung, fest in der Bohrung des Holzschaftes. Dort konnte ich ihn dann rausschlagen.

Die Holzschraube der Kolbenplatte war nur mit viel Kraft und Hebelwirkung rauszuschrauben. Sie wäre sicher auch gebrochen, wenn sie nicht so robust keilförmig gewesen wäre.
Allerdings gabs dabei Verluste, der Pistolenschaft brach ganz durch.


Das Schlossinnere war noch mit am besten erhalten. Es ließ sich einigermaßen problemlos auseinandernehmen.
Zum Schluss konnte ich das abgebrochene kleine Schraubenstück, das noch im vorderen Gewinde fest gerostet war, lösen, indem ich es im Schraubstock einspannte, die Schlossplatte um die Schraube herum mit einem Brenner erhitzte und die Platte dann vom Gewinderest runterdrehen konnte.
Die „dreigeteilte“ vordere Schlossschraube ließ ich wieder zusammenschweißen.

Die Feder des Laufringes war als einziges Metallteil nicht zu lösen. Es hatte schon jemand versucht, den Haltestift von beiden Seiten aus dem Holzschaft zu schlagen. Dabei entstanden zwei „schöne“ Krater im Holz und der Stift wurde so verbogen, dass man ihn nicht mehr entfernen konnte, ohne das vordere Schaftteil ganz zu zerstören.


27.11.12, 15:35:07

Puck

(Mitglied)

Es geht weiter mit dem Restaurieren:

Mit Petroleum war dem Rost der Metallteile nicht beizukommen. Ich legte sie in Caramba Rostlöser und wartete ein paar Tage. Die Brühe färbte sich ziemlich braun, aber von einem effektiven „Rost lösen“ konnte keine Rede sein.

Ich bearbeitete dann alle Metallteile mit Schmirgelleinewand (mit immer feinerer Körnung) und nahm auch ein kleines Handschleifgerät (wie ein Zahnarztbohrer) für tiefe Roststellen zu Hilfe.

Die Stahlteile bekamen wieder Glanz, Allerdings blieben fast überall Narben vom Rost, die aber nicht wegzubekommen waren.

Schloss und Abzug wurden gängig und funktionieren wieder einwandfrei.

Problematisch war der Nussbaumschaft, der einmal quer durchgebrochen war. Ein größeres Schaftstück über dem Schloss war früher schon mal rausgebrochen und hinzu kamen etliche kleine ausgebrochene Teile.

Den Schaft reinigte ich mittels Kratz-Vlies mit heißem Essigwasser von Schmutz und altem Lack.
Dann klebte ich die Schaftteile mit dem Zweikomponentenkleber „UHU Plus Standfest 300“ wieder zusammen.
Danach bleichte ich das gesamte Schaftholz mehrmals mit Oxalsäure. Das Holz wird dadurch schön gleichmäßig hell, muss aber jedes Mal anschließend mit warmen Wasser abgewaschen werden.

Die größten Holzausbrüche verschloss ich mit nussbaumfarbenem Holzkitt (von
Clou), beschliff die Stellen nach dem Trocknen und versuchte dort mit braunen und schwarzem Faserstiften Nussbaummaserung vorzutäuschen,
Dann rieb ich den Schaft mit Halböl-Leinöl ein. Dadurch färbte sich das Holz ziemlich dunkel. Allerdings blieben die Holzkittstellen heller. Also musste die „Kunst-Mase-rung“ wieder runtergewischt und nun in etwa so dunkel, wie das Umgebungsholz „gemasert“ werden.
Nach dem Trocknen rieb ich den Schaft mittels Lappen mit Schelllack ein, so dass das Holz wieder eine schöne sattbraune Farbe bekam.

Schließlich habe ich die Pistole wieder montiert und das Schloss leicht eingeölt.

Probleme hatte ich noch mit dem Rausbohren der im Schaft abgebrochenen Schraubenspitze. Es wurde ein größeres Loch, das ich mit Kaltleim und Zahnstocherspitzen füllte, so dass ich die Schraube wieder festziehen konnte.

Stempel auf den Außenseiten fand ich nicht (nicht mehr) vor. Auf den Innenseiten waren alle Teile mit einer römischen VII gestempelt (Montagestempel). Einen Stempel auf der Laufunterseite konnte ich nicht entziffern.

Neben den Ideen aus den DWJ-Artikeln waren noch etliche gute Ratschläge und Gedanken von Sammlern und einem Holzrestaurator notwendig, um zu dem Endzustand zu kommen.
Der Zeitaufwand stand sicher in keinem Verhältnis zum Ergebnis, und ein solches Experiment werde ich bestimmt nicht noch mal in Angriff nehmen.

Auch wenn ich mit dem Ergebnis ganz zufrieden bin und Freude am Restaurieren hatte, gebe ich aber auch Denjenigen recht, die sagen, wozu der ganze Aufwand, im Originalzustand belassen, wäre das ein schönes Belegstück gewesen.
Ich hänge ein paar Fotos an.

Beste Sammlergrüße, Hans


27.11.12, 15:40:43

Puck

(Mitglied)

Fotos:

27.11.12, 15:50:56

Puck

(Mitglied)

noch Fotos:

27.11.12, 15:57:21

Dieter

(Mitglied)

Hallo Puck, das ist schon eine beachtliche Fleißaufgabe gewesen. Das Stück sieht wieder ansehnlich aus. Gruß Dieter

27.11.12, 18:51:57

Puck

(Mitglied)

Hallo Dieter,

danke für Dein Interesse,

Gruß Hans

10.12.12, 21:05:36
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