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ulfberth

(Zeugwart)

Wie heißt es in den Beschaffungsvorgaben so schön:

Anwendungsbereich
Der Artikel wird von dem fliegenden Personal der Bundeswehr verwendet.
Der Vers-Artikel ist ein für die Bw modifiziertes handelsübliches Modell.


Beim "Kappmesser für fliegendes Personal, mit Lederscheide" handelt es sich um das Puma "Automesser" bzw. um den Nachbau der Firma Rudolf Weber Jr., der unter der Marke "Hirschkrone" als "Piloten-Messer" vertrieben wird.

Für beide Ausführungen gilt eine bestimmte Qualitätsanforderung: "Das Kappmesser muss einer beidseitigen Biegeprobe um ca. 15° gemäß nebenstehendem
Schema standhalten. Härterisse werden nicht zugelassen. Schneideflächen der Klinge geschliffen bzw. blau geplistet und scharf abgezogen. Die übrigen Flächen der Klinge, Knebel und Griff poliert.
"

Hauptsächliche Verwendung bei Piloten und dem fliegenden Personal. Hier dann zum Teil auch eine Lederscheiden mit fest angebrachten Lederriemen zur Fixierung in der Fliegerkombi. Teilweise wurden (werden) die Messer auch im Bereich der Einzelkämpfer-Ausbildung sowie bei den Fernspähern der Bundeswehr und deren Nachfolgeformationen geführt.


Gruß

ulfberth


www.seitengewehr.de
25.09.11, 23:00:13

ulfberth

(Zeugwart)

Ein paar Hinweise zur Klinge des Puma-Messers von der Website der Firma:

"Wieso ist in meiner Messerklinge ein kleines Loch?
Es handelt sich dabei um den sogenannten "Rockwell-Punkt". Fast alle Puma Messer werden nach dem System Rockwell C auf Ihre Härte geprüft. Hierzu wird eine Diamantspitze unter einer festgelegten Last in die Klinge gepresst und dabei die Eindringtiefe gemessen. Der festgestellte Wert benennt die Härte des Stahls.

Oft kopiert - Nie erreicht!
Das Modell White-Hunter der internationalen Serie wurde in Zusammenarbeit mit der ostafrikanischen Jagd-Organisation 1956 entwickelt. Das äußerst robuste Allzweckmesser besitzt eine 15 cm lange, dünn ausgeschliffene Klinge, wobei es aber dennoch für den rauhen Gebrauch über eine standfeste Schneide verfügt.
Auf dem Rücken befindet sich eine ballig gehaltene Beilschneide zum schlagenden Gebrauch. Der White Hunter erlebte einen weltweiten Siegeszug und das Design wurde nach der Ablauffrist des PUMA-Patentes von fast jeder messerproduzierenden Nation kopiert.
"

Anmerkung: Der Unterschied zwischen dem "White Hunter" und dem "Automesser" ist die unterschiedliche Griffbeschalung - Hirschhorn / Holz.

PUMA Automesser
Klingenlänge: 150 mm
Klingenstärke : 5 mm
Gesamtlänge: 270 mm
Messergewicht: 237 g
Beschalung: Jacaranda
Stahl / Härte: 1.4116 / 55-57 HRC
Scheide: Sattelleder
Design: PUMA



www.seitengewehr.de
28.09.11, 09:54:24

ulfberth

(Zeugwart)

Die Anforderungen an das Messer sind unverändert geblieben. Wobei die Zeichnungen auch 2011 weiterhin die Puma-Ausführung zeigen, während das oben gezeigte Modell "Hirschkrone" zur Auslieferung gelangt.

Quelle: Technische Lieferbedingungen des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung vom 18. Januar 2011.


www.seitengewehr.de
05.10.11, 14:31:54

ulfberth

(Zeugwart)

Hier einmal die Griffsicherung mittels Lederriemen an einem Puma Automesser.

Die "Griffüberwurfschlaufe" wird durch den "Rohrniet" gesteckt und über den Griff nach hinten gezogen.




www.seitengewehr.de
14.10.11, 21:25:59

ulfberth

(Zeugwart)

Interessant ist auch der Vergleich der Daumenauflage zwischen einer 2009er
Zivilfertigung des Puma Automessers (oben), der Bundeswehrversion
in der Mitte und der "Hirschkronen-Ausführung".

Während bei den beiden Dienststücken die Zahnung zum Griff hin verläuft - was
die Griffigkeit maßgeblich erhöht - weist die Zivilfertigung eine Zahnung in
Richtung Spitze auf. Im wahrsten Sinn eine entschärfte Version.



www.seitengewehr.de
21.10.11, 16:24:27

ulfberth

(Zeugwart)

Bei dem fliegenden Personal waren die Messer eher unbeliebt und wurden
teilweise als lästig und störend empfunden. Ballast am Hosenbein halt.

Die „Kappmesser“ waren und sind zuerst Werkzeug und erst an zweiter Stelle
Kampfmesser. Weder Klingenform noch die glänzende Oberflächenbeschaffenheit
machen sie hier zur ersten Wahl. Andererseits liegt die Stärke der Messer
zu aller erst im Bereich der Jagdmesser und Werkzeuge.

Gerade bei der Verwendung als blanke Waffe der Fernspäher waren die Messer
gerade beim Bau von Unterständen u. ä. vielfach von Nutzen. Hier wurde in der
Regel kein Jagdkampf geführt, sondern Beobachtungen weit vor den eigenen
Linien – also tief im „Feindesland“ – vorgenommen.

Aktuelle Berichte HIER und HIER

Gruß

ulfberth



www.seitengewehr.de
01.11.11, 12:46:08

ulfberth

(Zeugwart)

Das „Kappmesser, fliegendes Personal mit Lederscheide“ wurde ab 1967
bei der Bundeswehr eingeführt. Gedacht war es als Kapp- und vor allem
Überlebensmesser für Piloten und fliegendes Personale. Der erste Lieferant
war die Solinger Firma Puma mit ihrem aus dem Modell „White Hunter“ entwickelten
„Automesser“. Im Gegensatz zum „White Hunter“ mit seinen Hirschhorngriffschalen
hat das „Automesser“ Griffschalen aus poliertem Rio-Jacaranda-Holz.

Ausgestattet damit waren weiterhin Soldaten der damaligen 3 Fernspäh-Kompanien
(100, 200 und 300) der Bundeswehr sowie deren Ausbildungseinrichtungen.
Hinzu kamen die Einzelkämpferlehrgänge an der Luftlande- und Lufttransportschule
bzw. an der Infanterieschule Hammelburg. Gelegentlich taucht das Messer
auch heute noch bei „Fernspähern“ und verwandten Kräften auf.

Bedingt durch die bei der Auslösung des Schleudersitzes auftretenden Beschleunigungskräfte
erhielt die Scheide eine zusätzliche bundeswehrspezifische Verstärkung durch weitere Nieten.
Die Dienststücke aus der Pumafertigung werden ab 1979 mit einer Ätzung „BUND“ auf der
Fehlschärfe versehen.

Wobei auch hier bereits verkaufsfördernde Maßnahmen zur Wertsteigerung wie nachträgliche
Ätzungen vorkommen sollen. Salopp ausgedrückt: Nicht alles wo BUND drauf steht ist BUND!

Da die Vergabe der Aufträge nicht firmengebunden erfolgten, ersetzte ab 1984 die Firma Rudolf Weber Jr.
mit einem ähnlichen, aber kostengünstigeren Messer der Marke „Hirschkrone“ die Puma Automesser
bei der Bundeswehr. Diese tragen die (zivile) Bezeichnung „Pilotenmesser“ und werden ebenfalls
zivil angeboten. Aus der Firmenbeschreibung: „Flexible Härte 57 HRC an der Spitze, ca. 53 - 54 HRC
am Griff. Dies erlaubt eine Dehnbarkeit von 15 Grad am Griff, ohne daß die Klinge bricht.“
Was in der Praxis bedeutet, daß die Härte der Klinge zur Angel hin weicher wird.

Beide Messer sind ähnlich, unterscheiden sich aber erheblich in Verarbeitung, Gewicht
und Schwerpunkt.

Unabhängig davon verwenden die aktuellen „Technischen Lieferbedingungen des Bundesamtes
für Wehrtechnik und Beschaffung“ weiterhin die Zeichnungen der ehemaligen Puma-Fertigung.



www.seitengewehr.de
03.11.11, 08:14:38

ulfberth

(Zeugwart)

„Sven Hedin
29.12.05, 12:18

Hallo,

mein Vater hat mir sein Messer, dass er beim AG 52 in Nordfriesland "bei einem Flug"
(haha) verloren hat und dann später wieder gefunden hat (wahrscheinlich ist es bei
uns im Vorgarten gelandet) 1985 geschenkt. Seriennummer 11071. Die Scheide hat
8 Nieten im Bereich der Spitze, 1 in der Mitte und eine im Einsteckbereich.

Gruß von der Flensburger Förde
Sven“


Der Beitrag stammt aus dem www.messerforum.net und erklärt die friedensmäßigen
"Verluste" der Bundeswehr.

Das hier abgebildete Messer stammt aus dem gleichen Fertigungsjahr. 11071 ist
nämlich keine Seriennummer sondern die steht für die Herstellung im 1. Quartal 1970.

Auch hier weist die Scheide die zusätzlichen Verstärkungsnieten auf.
Wobei die Anzahl der Nieten auf Stücken der Bundeswehr durchaus variiert.

Die Klinge des Messers ist im Gegensatz zu späteren Ausführungen noch aus
nicht rostfreiem Stahl. Die als Rostschutz aufgetragene Verchromung ist an
einigen Stellen in Mitleidenschaft gezogen.



www.seitengewehr.de
09.02.12, 00:07:02

ulfberth

(Zeugwart)

Diese frühen Fertigungen (ab 1967) für die Bundeswehr unterscheiden sich
sowohl in der Stärke der Angel, der Größe der Nieten wie auch in der Form der
Griffschalen aus Rio-Jacaranda-Holzes. Auch sitzt der Rohrniet für die
Überwurfschlaufe an einer anderen Position.



www.seitengewehr.de
10.02.12, 08:15:04

Jaguar-12

(Mitglied)

Hallo Ulfberth

Ich habe Deinen interessanten Artikel gelesen und dabei ist mir eingefallen, dass in
meinem Auto in der Seitentür so ein Puma lauert. Du hast so viele Modelle vorgestellt
und von dem ”White Hunter” leider kein Bild. Ich erlaube mir, das hiermit nachzuholen. zwinkern

Gruß aus Lippe
Peter

19.02.12, 19:38:22
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