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corrado26

(Super-Moderator)

Landgräflich hessische Dragonerpistole um 1705.

Nussbaum-Vollschaft mit Messingbeschlägen, diese bestehend aus zwei Ladestockröhrchen, Abzugsbügel, Kolbenkappe mit langen seitlichen Sporen und Schlossgegenblech für drei Schrauben Im hinteren Drittel achtkantiger, dann sechzehnkantiger und mit Balluster auf rund übergehender Lauf. Bananenförmig gebogenes Steinschloss mit gewölbtem Schlossblech und ebensolchem Schwanenhalshahn Freistehende, eiserne Pfanne. Batteriefeder von innen verschraubt. An der Laufunterseite Marke „I I B“. Lauf/Schaft-Verbindung durch Kreuzschraube und zwei Stifte mit entsprechenden Ösen an der Laufunterseite. Vermutlich originaler Ladestock aus Holz.
Gesamtlänge 535mm, Lauflänge 340mm, Kaliber des glatten Laufs 17,85mm, Schlosslänge 14,0mm, Gewicht 1.2680g.

Die nach Aussage der Marke an der Laufunterseite von Johann Jakob Behr gefertigte Pistole besitzt ein Schlossgegenblech, welches in dieser charakteristischen Ausformung bei anderen Truppenkontingenten nicht nachgewiesen werden kann und somit die Zuschreibung des Stückes zur Landgrafschaft Hessen zulässig erscheint. Eine ziemlich genaue zeitliche Zuordnung der Dragonerpistole kann an einem sehr charakteristischen Detail der Laufgestaltung festgemacht werden: Zwischen dem hinteren Achtkantteil des Laufs und dem runden Vorderteil befindet sich ein etwa 28mm langes, sechszehnkantiges Stück, dem sich ein Ballusterring anschließt. Danach ist der Lauf rund ausgeformt. Dieser vielkantige Laufteil ist kennzeichnend für Waffen aus der Zeit des Übergangs von 17. zum 18. Jahrhundert, also der Zeit etwa zwischen 1695 bis 1710.
Es kann folglich davon ausgegangen werden, dass der hessische Landgraf Ernst Ludwig I. mit Errichtung des ersten landgräflichen Dragoner-Regiments im Jahr 1705, dem Regiment Prinz Franz Ernst Dragoner, die Pistolenausrüstung der Mannschaft für dieses Regiment ebenfalls bei Behr in Auftrag gegeben hat.
Die Mannschaften dieses Regiments führten einen langen Karabiner am Sattel - vermutlich eher ein Dragonergewehr mit Sattelstange – und zwei Pistolen in entsprechenden Sattelholstern. Dazu gehörte ein breites, gelbes Karabinerbandelier von links nach und eine schwarze Patronentasche am schmäleren, gelben Bandelier von rechts nach links rechts über die Brust getragen.
Da dieses Dragonerregiment, wie bereits berichtet, im Jahre 1709 zusammen mit dem Regiment Erbprinz zu Pferd zum Leib-Regiment zu Pferd vereinigt wurde, ist diese Pistole sicherlich auch noch in der neuen Formation so lange weiter verwendet worden, bis sie in den 1730er-Jahren durch neuere Muster ersetzt wurde.

Gruß
corrado26

01.09.11, 12:26:39
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