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corrado26

(Super-Moderator)

Kavalleriepistole 1827/45UM, Fertigung KÖPPE À CÖLN

Nussbaumvollschaft mit Messingbeschlägen, diese bestehend aus zweifach von innen verschraubter, typisch kurhessischer Vorderschaftkappe, Abzugsbügel mit Einhakmontage, Kolbenkappe mit voll drehbarer Riemenöse und s-förmigem, gewölbtem Schlossgegenblech. Waffennummer "78" an allen Beschlagteilen und Schraubenköpfen. Untere und obere Kolbenschiene aus Eisen. Halbmondförmiges Messingkorn auf dem Lauf, keine Kimme. Lauf/Schaft-Verbindung durch Kreuzschraube und einen Laufstift durch den Vorderschaft. Herstellersignatur „Köppe à Cöln" deutlich lesbar auf dem Schlossblech. Keinerlei staatliche Abnahmestempel oder Truppensignaturen.

Gesamtlänge 352mm, Lauflänge 201mm, Kaliber des glatten Laufs 17,5mm, Gewicht 1238g.

Die regulären Umbauarbeiten der 1500 kurhessischen Steinschloss-Ordonnanzpistolen M 1827 auf das Perkussionssystem besorgte zum größten Teil die Firma Pistor in Schmalkalden. Wie nun die hier vorgestellte Pistole unzweifelhaft belegt, hat sich in das Rennen um den lukrativen Auftrag jedoch auch der Kölner Büchsenmacher Heinrich Köppe eingeschaltet. Dieser war – zumindest ist dies für das Jahr 1846 belegt – am Kölner Zeughaus als Büchsenmacher angestellt und wohnte in der Zeughausstrasse, wo er laut Adressbuch der Stadt Köln für das Jahr 1855 auch sein Rentnerdasein genoss.
Natürlich muss davon ausgegangen werden, dass die Kölner Pistole kein Entwurf von Köppe selbst war, die absolute Übereinstimmung mit dem von Pfaff entwickelten Ordonnanzmuster ist zu offensichtlich. Vielmehr kann man annehmen, dass Heinrich Köppe es irgendwie geschafft hat, vom Kasseler Zeughaus offiziell ein vom dortigen Büchsenmacher Pfaff entworfenes und in Schmalkalden bei Pistor gefertigtes Exemplar überlassen zu bekommen, welches dann als Basis für die Fertigung seines eigenen Vorlagemusters diente.
Inwieweit jedoch das Kölner und das Kasseler Zeughaus in Bezug auf die Aptierung der Kasseler Pistolenbestände für die beiden Husarenregimenter und die Garde zusammengearbeitet haben, oder ob es sich dabei nur um Köppes Versuch handelt, mit Kassel privat ins Geschäft zu kommen, bleibt weiterhin leider unklar.
Da die Waffe aber keinerlei ärarische Stempel vorweisen kann, somit weder staatlich abgenommen wurde, noch irgendwelche kurhessischen Truppenteilsignaturen besitzt, muss davon ausgegangen werden, dass es sich bei dieser Pistole lediglich um ein Vorlagestück für die kurhessische Militärverwaltung handelt, dem die ärarischen Weihen aus welchen Gründen auch immer versagt blieben.

Gruß
corrado26



01.09.11, 12:08:38
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