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sonjar

(Mitglied)

Hallo zusammen,

in meinem Besitz befindet sich der abgebildete Marine-Säbel. Das Gefäß hat 2 Bohrungen, Beingriff mit 3facher Wicklung, Steckrückenklinge mit Schör, beidseitige Verzierung mit Segelschiff (wie kaiserlich), darüber ein ca. 7cm langer Drachen. Die Eisenscheide scheint original zu sein?

Eine ca. 1998 an das DWJ gestellte Anfrage brachte leider nur die Erkenntnis, sehr interessant, nie gesehen, höchst selten...
Vielleicht, gibt es ja den "GROßEN Kenner"im Forum, mich würde es freuen. Danke

14.05.11, 17:00:28

tsushima1905

(Mitglied)

Hallo Sonjar,

ein Chinese ...

Im Buch "Chinese Swords of the 20th Century" von Culbertson (2007) ist ein solcher Säbel mit einem Anker im Oval abgebildet und bezeichnet als "Quing Dynasty Imperial Naval Sword". Die beiden Bohrungen sind dort ebenfalls vorhanden.
Ich gehe davon aus, dass es sich hier um einen Säbel für Offiziere des Kaiserlichen Chinesischen Heeres oder der Marine aus der Zeit um 1900 bis spätestens 1911 handelt.

Vielleicht weiß ein anderes Mitglied mehr.

DANKE fürs Zeigen - interessantes Stück aus einem nicht so verbreiteten Sammelgebiet.

tsushima 1905




14.05.11, 17:31:01

sonjar

(Mitglied)

Danke,für die schnelle Antwort tsushima 1905,vermutlich wurde der M.-Säbel auch i.Solingen gefertigt,die Ähnlichkeit mit unseren ..kaiserlichen.. ist nicht zu übersehen...

14.05.11, 18:43:21

ulfberth

(Zeugwart)

Doch, die Ähnlichkeit läßt sich übersehen. Daher hier einmal die Bilder etwas vergrößert. zwinkern

Ansonsten orientierte sich der Säbel der deutschen Seeoffiziere am englischen Vorbild.

Gruß

ulfberth


www.seitengewehr.de
14.05.11, 19:10:17

sonjar

(Mitglied)

Hallo Ulfberth,ja man (Mann)achte auf die Feinheiten...Danke

14.05.11, 19:35:31

ulfberth

(Zeugwart)

Zitat von sonjar:
"... Eine ca.1998 a.das DWJ gestellte Anfrage,brachte leider nur die Erkenntnis,sehr interessant,nie gesehen,höchst selten ...


Dem Tenor des DWJ würde ich durchaus beipflichten. Zumindest bei den bisher von mir gesichteten Musterbüchern ist mir dieses Modell noch nicht aufgefallen.

Es ist heute schwierig zu beurteilen, welche dieser mit dem Drachen geschmückten Blankwaffen wo genau in Südostasien Verwendung fanden. Zwar sind die Exportkataloge der deutschen Hersteller gefüllt mit ähnlichen Waffen, Hinweise zu Stückzahlen und zur exakten Verwendung scheinen aber nicht überliefert.

Leider kann ich nicht nachvollziehen, wie präzise Culbertson´s Bestimmung ist, oder ob es sich um eine Zuordnung nach Motiv und Waffentyp handelt. Zumindest bei May & Annis „Swords for Sea Service“ werden für China andere Modelle angeführt! Wobei allein schon durch das damalige chinesische Beschaffungssystem kaum mehr eine umfassende Auflistung möglich ist. Eine Orientierung an Modellreihen etc. ist für China kaum möglich.

Schwierig ist die Beurteilung schon dadurch, daß 1880 vier Vizekönige den Auftrag zur Bildung und Ausrüstung von 4 voneinander unabhängigen und ohne gemeinsamen Oberbefehl operierenden Flotten erhielten: Das Peiyang-Geschwader für den Peiho, das Nanyang-Geschwader für den Yangtsekiang und das Geschwader von Futschau und von Kanton. Die Flotte war folglich sehr ungleichmäßig strukturiert und ausgerüstet. Mißwirtschaft, Bereicherung, fehlende Technik und Disziplin waren an der Tagesordnung.

Hieran änderten weder ausländische Instruktoren noch Krupp-Geschütze etwas. Berichte in den militärischen Zeitschriften der Kaiserzeit lesen sich wie eine Anhäufung aus Korruption und Bereicherung.

Das Ergebnis dieser militärischen Struktur war die fast vollständige Vernichtung der chinesischen Flotte im Krieg gegen Japan 1894/95.

Der Neuaufbau erfolgte nach den üblichen Muster mit einer Beschaffung im Ausland durch das Marinesekretariat der Vizekönige. Die Kommandanten waren wiederum zuständig für die Beschaffung aller im Inland zu erwerbenden Ausrüstungsartikel. Depots existierten nicht!

Um 1900 waren die Kriegsdschunken zwar vom Meer verschwunden, wurden aber noch immer von der chinesischen Zoll- und Polizeiverwaltung auf den Flüssen verwendet.

Im fraglichen Zeitraum orientierte sich die chinesische Marine bei ihren Blankwaffen an englischen Vorbildern mit Löwenkopf und Anker im Korb. Hierfür würden auch die beiden Bohrungen für das Portepee sprechen.

Eine andere Gruppe war der oben erwähnte Küsten- bzw. Hafenzoll. Hier fand eine Variante Verwendung mit Drache als Griffkappe und Anker im Korb. Ab 1872 wird über den Anker ein lang gestreckter Drache aufgelegt. Wobei die Abbildungen von Wilkinson Sword Ltd. eine Lederscheide mit den typischen Marinebeschlägen zeigen.


Gruß

ulfberth



www.seitengewehr.de
15.05.11, 00:06:24

sonjar

(Mitglied)

Hallo Ulfberth,diese umfassende Darstellung und Erläuterung,den geschichtl.Ablauf hätte ich so ausführlich nicht erwartet,aber da, BEGINNEN ..unsere..SAMMLERSTÜCKE wieder zu LEBEN.Mich fasziniert immer die Geschichte u.das mögl. Erleben u.welche Wege die Objekte gegangen sind...Danke,für Dein Interesse,schönen Sonntag.Gruß Sonjar freuen

15.05.11, 07:37:57
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