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Haudegen

(Mitglied)

Hallo!
ich bin neu im Forum u. durch Erbschaft zu einigen Waffen gekommen. Ich möchte sie auf keine Fall verkaufen, sondern die kleine Sammlung erweitern. Ich möchte bei der Pflege nichts falsch machen. Nehme ich ÖL? Welches? Wie pflege ich die Lederteile? Ich hoffe, ihr könnt mir einige Tipps geben.

12.11.10, 17:30:34

Zietenhusar

(Supporter)

Hallo Haudegen,

willkommen im Forum und vielen Dank für Deine Frage.

Die reine Pflege sollte sich auf das Eindämmen von schädlichen Umwelteinflüssen beschränken, welche den einzelnen Teilen der Waffen zusetzen können. Die verwendeten Metalle, wie Eisen, Stahl und die einige Buntmetalle, sind gegen Oxydation empfindlich. Holz, Leder, Baumwolle, Seide und sonstige organische Bestandteile sind gegen Schimmel, Motten, Milben und Holzwürmer zu schützen. Zu starkes Licht wirkt sich durch gewisse Spektren negativ auf farbige Oberflächen aus und hat auf einige Materialien eine zersetzende Wirkung.

Dabei ist es denkbar einfach, die meisten der genannten schädlichen Einflüsse ohne viel Mühe einzudämmen. Dazu ist es wichtig, im Raum, in dem sich die Blankwaffen befinden, ein ausgeglichendes Klima zu schaffen. Schlagartige Temperaturschwankungen sind zu vermeiden. Die meiste Luftfeuchtigkeit schlägt sich auf den kühleren Metallen der Blankwaffen nieder, wenn man im Frühjahr oder Sommer versucht seine Wohnung durch Zugluft vermeindlich abzukühlen. Dabei herrschen draußen oft höhere Temperaturen als drinnen. Kalte Oberflächen wirken hygrostatisch, das heißt, sie ziehen Feuchtigkeit an. Dabei ist es nicht notwendig, daß die Oberfläche um die Null Grad Celsius haben muß, es reichen eben schon wenige Grad Unterschied zur Umgebungstemperatur.
Um Wasser nicht an das Metall kommen zu lassen, sind schützende Schichten aufzutragen. Blankeiserne und nicht oberflächenveredelte Buntmetalle sind mit Öl zu schützen.

Optimalerweise eignen sich dazu alle Waffenöle. Ich bevorzuge seit einigen Jahren sogenanntes Nähmaschinenöl. Nicht geeignet sind Speiseöle, stark säurehaltige oder aromatisierte Öle. Motoren- und Getriebeöle sind, wegen ihrer höheren Viskosität (Zähflüssigkeit), ebenfalls ungeeignet. Ölige Kraftstoffe, wie Diesel und Heizöl, sind sehr geruchsintensiv und wegen der möglichen negativen Bestandteile für eine dauerhafte Pflege ebenfalls nicht geeignet.

Für die Pflege ist nur ein hauchdünner Ölfilm nötig. Öltriefende Klingen und Scheideninnenseiten binden Schmutzpartikel an sich, die über die Jahre eine schmirgelnde, und somit zerkratzende, Wirkung auf die Oberflächen haben können. Die gleiche negative Wirkung erzielt man mit Fett.

Inwieweit überhaupt geölt werden darf, richtet sich nach den Oberflächen. Bleiben wir bei den Klingen, dann sollte man es unterlassen, vergoldete, gebläute oder sonstwie farblich angelassene Areale zu ölen oder überhaupt stark zu bereiben. Veredelte Oberflächen, wie vernickelte, verchromte und vergoldete Metalle, brauchen nicht geölt zu werden. Öl auf Nickel oder Chrom ist nicht schädlich, hat aber, außer der reinigenden oder schmierenden Eigenschaft, keinen Nutzen als Korrosionshemmer. Bei schadhaften Nickel- oder Chromschichten ist Öl umstritten. Einerseits wirkt es positiv auf freiliegendes unveredeltes Metall, andererseits kann es zwischen die Schichten kriechen und weiteres Ablösen der Oberflächenveredelung begünstigen. Hier reichen meine Beobachtungen aber nicht aus, um mir ein abschließendes Urteil darüber zu bilden.

Nebenbei schützt auch Staub sehr gut gegen Feuchtigkeit. Natürlich sollte man das, im Sinne der Ästhetik, nicht ausufern lassen.

Meine Blankwaffen werden bei Erhalt, wenn nötig, intensiv gereinigt. Jeder aktive Rost, alle fettigen und nicht originalen Anhaftungen werden rigoros entfernt. Dabei kommen im Bereich unveredelter Metalle auch mal fettlösende Mittel, wie Waschbenzin oder Verdünnung zum Einsatz. Dann wird das Metall trocken gewischt und Öl aufgetragen. Letzteres wird wieder abgewischt und erneut aufgetragen und so oft wiederholt, bis die Stellen auf dem Tuch, das ich dabei benutze, keine schmutzigen Flecke mehr zeigt. Das abgewischte Öl soll also auf dem Tuch genau so aussehen, wie vor dem Auftragen. Auch wenn das jetzt keine allgemeine Zustimmung bekommt, aber anschließend fasse ich die Waffen jahrelang nicht mehr an.

Um das oben erwähnte Licht auszugrenzen, lagert man die Blankwaffen an einer dem Sonnenlicht nicht ausgesetzten Stelle. Werden sie künstlich beleuchtet, meidet man ultraviolette und wärmeabstrahlende Leuchtmittel.

An den Griffen sammelt sich über die Jahrzehnte, bzw. Jahrhunderte, viel Schmutz zwischen den Drahtwicklungen, den Rillen und den Vertiefungen von strukturreichen Materialien an. Diesen Schmutz, bestehend aus öl- oder schweißgebundenen Staub, übergetünchte Farbe oder Fett, entferne ich, wenn nötig, auch schon mal mit einer scharfen Bürste. Holz und Leder bekommen dann eine dünne Schicht sauerfreies Fett.

Unter der Kategorie Pflegen und Erhalten (<- Link) haben wir schon einige Beiträge zum Thema verfasst.

Gruß,
Thomas

13.11.10, 06:33:42

Haudegen

(Mitglied)

Hallo Thomas!
Vielen Dank für deine ausführlichen Informationen. Auch die Link´s zu den vorangegangenen Themen war sehr hilfreich. Ich habe einen Hirschfänger mit gebläuter Kinge und Vergoldungen. Den hast du wahrscheinlich gerettet! s. Bilder.
Vielen Dank u. viele Grüße
Andreas

13.11.10, 11:45:34

Haudegen

(Mitglied)

Ich habe noch eine spezielle Frage zur Pflege u. Konservierung: Es wird viel geredet über die Silicon-Sprays". Sie sollen nicht fetten aber sehr gut konservieren, Wasser u. auch Schmutz abweisen. Ich habe es im Baumarkt gesehen. Kennt sich jemand damit aus? Ich könnte mir vorstellen,die Stahl-Scheiden innen damit einzusprühen. Hätte aber lieber noch euren Rat.
Grüße Andreas

17.11.10, 15:16:31

Zietenhusar

(Supporter)

Hallo Andreas,

in der Tat ein schöner Hirschfänger! Ist da noch eine Scheide zu?

In der Praxis dient Silikonspray als Trennmittel. Es schmiert, verhindert Geräusche die durch Reibung entstehen und schützt vor Wasser, wie Öl. Deshalb nehme ich Öl. Warum weiß ich jetzt aber auch nicht. Wahrscheinlich, weil das Silikon aus zu vielen chemischen Komponenten besteht und ich in dieser Hinsicht eher altmodisch bin.

Gruß,
Thomas

17.11.10, 17:14:46

Haudegen

(Mitglied)

Hallo Thomas!
Zu dem Hirschfänger habe ich leider keine Scheide mehr. Ich denke, er stammt aus der 1. Hälfte des 19. Jh. , Deutschland.
Mit dem Silikon, das war nur so eine Idee, vielleicht zum Lösen von Rost oder von schwergängigen, angerosteten Verschraubungen. Ich habe bisher auch nur Feinmechanikeröl verwendet,und damit meißt gut Erfahrungen gemacht. Schweineschmalz nehme ich aber nicht mehr. "Das bessere ist des Guten Feind". Vielleicht probiere ich es mal mit Silikon, wenn ich mit Öl nicht weiter komme und berichte dann.
Viele Grüße
Andreas


18.11.10, 22:01:14

gardehusar

(Mitglied)

Bestes Konservierungmittel:
http://www.manufactum.de/Produkt/0/1397557/RenaissancePolierwachs.html?suchbegriff=wachs

Renaissance Polierwachs



Polierwachs, das mit äußerst feinen Mikrowachsen Oberflächen aus Holz (es gilt als das beste Möbelpflegemittel überhaupt), Leder, Metall, Marmor, Stein, Kunststoff oder Elfenbein reinigt und schützt. Das aufgebrachte Polierwachs härtet schnell und fest aus. Entwickelt wurde es von den Restauratoren des British Museum in London mit dem Ziel, ein Reinigungs- und Pflegemittel zu finden, das behutsam Schmutz ablöst und gut anzufühlende Flächen hinterläßt.

Reinigt und schützt: Polierwachs.

Die Restauratoren des Britischen Museums in London entwickelten in den 1950er Jahren ein Reinigungs- und Pflegemittel, das behutsam Schmutz und Ablagerungen lösen und ansehnliche und gut anzufühlende Flächen hinterlassen sollte. Entstanden ist dieses absolut säurefreie Polierwachs, das mit äußerst feinen Mikrowachsen Oberflächen aus Holz (es gilt als das beste Möbelpflegemittel überhaupt), Leder, Metall, Marmor, Stein, Kunststoff oder Elfenbein reinigt und schützt; die aufgebrachte Politurschicht härtet schnell und sehr fest aus und schützt so z.B. Marmor vor Fingerabdrücken und Flüssigkeitsflecken. Äußerst ergiebig und sparsam in der Anwendung.



SUUM CUIQUE das Motto der Leib Garde Husaren (jedem das Seine)
19.11.10, 00:32:11

Zietenhusar

(Supporter)

Zitat von Haudegen:
...vielleicht zum Lösen von Rost oder von schwergängigen, angerosteten Verschraubungen.
Hallo Andreas,

probiere es ruhig mal aus. Meiner Meinung nach sollte es nicht funktionieren. Silikon hüllt den Rost wahrscheinlich schön ein, wird ihn aber nicht lösen.

Öl dagegen enthält lösende Substanzen. Oft sind dabei bestimmte Säuren im Spiel. Nimmt man pflanzliche und tierische Öle und Fette, dann ist es die Ölsäure. Diese hat eine lösende, und somit reinigende, Eigenschaft. Bei Schweineschmalz liegt der Oleinsäureanteil zwischen 36 und 52 Prozent. Deshalb wurde es seinerzeit wohl bevorzugt, nicht zuletzt auch wegen seiner steten Vorrätigkeit. Für die Konservierung sind organische Öle nicht geeignet, da sie unter Umständen wasserdurchlässig und ranzig werden.

Mineralöl enthält Alkene, das sind ungesättigte Verbindungen, sowie in unterschiedlichen Anteilen schwefel- und stickstoffhaltige organische Verbindungen. Diese sind reaktionsfreudig und somit auch zur Reinigung von Oberflächen und zum Lösen von Rost geeignet. Die Alkene verflüchtigen sich, zurück bleibt das konservierende Öl.

Zurück zum Silikon"öl". Es hat eine wasserabweisende Eigenschaft. Seine Viskosität hat eine größere Spanne als Öl. Es bleibt aber auch besser haften. Wenn man Rost lösen will, muß man das Mittel aber immer wieder gut entfernen können, um frisches aufzutragen. Ich würde Silikon vielleicht bei der Konservierung von Leder nutzen, für Metall eher nicht. Die hohe Viskosität macht Silikon zum besseren Produkt gegen quietschende Geräusche bei Reibungspunkten, aber das spielt bei Blankwaffen eine untergeordnete Rolle.

Gruß,
Thomas

19.11.10, 07:03:18

Haudegen

(Mitglied)

Hallo Gardehusar!
Die Beschreibung von dem Polierwachs klingt sehr vielversprechend. Ich werde es mal bestellen und an Messingteilen probieren.
Grüße
Andreas

19.11.10, 13:42:48

Haudegen

(Mitglied)

Hallo Thomas!
Ich bin ja schwer beeindruckt von einem Wissen, nicht nur über die Historie sondern auch in der Physik u. Chemie. Gerade in der organischen Chemie mit den vielen funkt. Gruppen u. den Ein- und Mehrfachbindungen lag ncht meine Stärke. Alle Achtung!!!!
Alles was Du schreibst klingt logisch. Machst Du das beruflich oder hast Du einfach nur viele Jahre Erfahrung?

Viele Grüße

Andreas

19.11.10, 14:25:49
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