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corrado26

(Super-Moderator)

Kavallerie-Offizierpistole, gefertigt von Francois Pholien Henoul zwischen 1708 und 1713
Nussbaum-Vollschaft mit runden Verschneidungen um das Schwanzschraubenblatt, das Schlossblech und das Schlossgegenblech. Messingbeschläge, diese bestehend aus halbem Vorderschaftband, zwei stark kanellierten Ladestockröhrchen, einteiligem Abzugsbügel mit vorderer und hinterer Verlängerung, Kolbenkappe mit langen, seitlichen Sporen, ausgeprägtem, rundem Nagel und Schlossgegenblech in der für die Zeit typischen Schlangenform und wappenförmigem Daumenblech mit aufgesetzter Krone und Herrscherchiffre „FWR“. Flaches Steinschloss mit abgeschrägten Kanten, entsprechendem Schwanenhalshahn und eckiger Pfanne ohne Verbindung zur Batterie. Herstellersignatur „HENOUL“ auf dem Schlossblech. Suhler Schmiedemarke „GSB über Henne“ im wappenförmigen Schild zwischen den Schenkeln der Batteriefeder (möglicherweise Georg Spangenberg, Suhl). Im hinteren Teil kantiger Lauf mit gerade abschließendem Schwanzschraubenblatt, der vordere Laufteil ist rund und vom kantigen Teil durch einen Ballusterring getrennt. Flache Kimme im Schwanzschraubenblatt, langes Messingkorn auf dem Lauf. Eisernes Abzugsblech mit stark eingerolltem Abzug. Hölzerner, sicherlich ergänzter Ladestock.

Preußen hat seit dem Ende des 17. Jahrhunderts Pistolen, Gewehre und Karabiner von dem Lütticher Büchsenmacher Francois Pholien Henoul bezogen. Seit 1713 wurden Waffen nach einem vorgegebenen Muster gefertigt, wie dies bei den Gewehren aus dem Bestand von Schloss Forchtenstein im österreichischen Burgenland sichtbar ist. Henoul erhielt 1713 vom König den Titel „Grand Armurier de Sa Majesté le Roi de Prusse“ verliehen. Das Vertragsverhältnis mit der Firma Henoul war so eng, dass der Sohn des Inhabers, Philipp Henoul 1722 als Faktor der Gewehrfabrik Potsdam-Spandau angeworben wurde, um die Kontinuität der Fertigung in der neuen Fabrik aufrechtzuerhalten.
Die hier vorliegende Pistole von Henoul ist wegen des königlichen Monogramms auf dem Daumenblech, dessen Form sich von den später in Potsdam-Spandau gefertigten Pistolen noch deutlich unterschied, ganz eindeutig als eine der ersten preußischen Ordonnanzpistolen zu bezeichnen.
Gruß
corrado26


03.09.09, 12:23:32

corrado26

(Super-Moderator)

..........und noch ein paar Bilder
Gruß
corrado26

03.09.09, 12:25:20

limone

(Super-Moderator)

Ein interessantes Stück aus der Zeit des Umbruchs der preußischen Armee unter dem jungen Friedrich Wilhelm I.!
Ist bekannt, in welcher Länge diese Pistolen damals gefertigt wurden?

Grüße

Carsten


     Fröhlich sein, Gutes tun, und die Spatzen pfeifen lassen...
04.09.09, 09:50:55

corrado26

(Super-Moderator)

Sorry, die Maße habe ich glatt vergessen:

Gesamtlänge 539mm, Lauflänge 342mm, Kaliber des glatten Laufs 15,9mm

Gruß
corrado26

05.09.09, 08:38:57

limone

(Super-Moderator)

Hallo corrado26,

Zwei Dinge, die mir (als mit dieser Materie nicht so Vertrauter) an dieser und der Behr-Pistole aufgefallen sind:

- Die Lauflängen sind für den frühen Fertigungszeitraum sehr kurz

und

- das Kaliber weicht von späteren preußischen Kavalleriepistolen (da liegt es eher um 17 mm +/-), deutlich nach unten ab.

Grüße

Carsten


     Fröhlich sein, Gutes tun, und die Spatzen pfeifen lassen...
05.09.09, 15:43:11

excalibur

(Moderator)

hallo corrado. danke für die sehr interessanten beiträge. wäre es eventuell möglich die bilder etwas größer einzustellen, da das interesse am ansehen groß ist, aber da nur manche bilder nach dem anklicken etwas größer erscheinen, wird die vorfreude doch sehr stark gedämpft. vielen dank.

06.09.09, 22:37:25

corrado26

(Super-Moderator)

ok, ich habe die Bilder größer gemacht, allerdings ist das Ergebnis auch nicht berauschend!
Gruß
corrado26

07.09.09, 15:37:16
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