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corrado26

(Super-Moderator)

Dies ist eine der ganz wenigen deutschen Kavalleriepistolen mit gezogenem Lauf nach dem System Minié im großen Kaliber 17,5mm.

Hessen-Darmstadt
Kavalleriepistole M 1856 System Minié, Neufertigung
gefertigt in der württembergischen Gewehrfabrik Oberndorf am Neckar. Eine entsprechende Signatur auf Lauf und Schlossblech fehlt, war offensichtlich auch nie vorhanden.
Nussbaumvollschaft mit Messingbeschlägen, diese bestehend aus an der Schaftunterseite in einem eisernen Widerlager verschraubtem Laufring ähnlich dem der badischen Kolbenpistole M 1853/58, Abzugsbügel, Kolbenkappe und s-förmigem, gewölbtem Schlossgegenblech. Oberer und unterer Kolbenbügel aus Eisen. Runder, am Pulversack seitlich abgeflachter Lauf mit seitlichem Pistonsockel. Abzug mit neuer Stifteinrichtung württembergischer Art mit einfach verschraubtem Unterlegplättchen. Neues Perkussionsschloss ohne Aptierungsmerkmale und mit Drehhebelsicherung an der Außenseite der Schlossplatte. Seriennummer „1582“ am Pulversack oben links und im Schaftbett. Neben der Seriennummer hessische Abnahmemarke „Aufrechter Löwe nach links“. Truppenstempelung (durchgestrichen) „R.A.169“ des. Reiter-Regiments 1. Eskadron Waffe 172 nach der Stempelvorschrift von 1829 am Kolben rechts, daneben der Truppenstempel „I .R.D.146“ des 1. Reiterregiments, 4. Eskadron, Waffe N°146 entsprechend der Stempelvorschrift von 1857. Darunter Stempelung „I.R.E.106“ des 1. Reiter-Regiments, 5. Eskadron, Pistole N°106.
Gesamtlänge 366mm, Lauflänge 202mm, Kaliber des gezogenen Laufs 17,1mm, 5 Züge, Gewicht 1300g

Im Jahre 1856 tat die Großherzogliche Armee-Division, wie das hessische Kontingent seit dem 5. Februar 1849 genannt wurde, zusammen mit den badischen und württembergischen Truppen und zur Einhaltung der Forderungen der Kriegsverfassung des Deutschen Bundes hinsichtlich der Kaliberstandardisierung im VIII. Bundes-Armeekorps einen weiteren, bedeutsamen Schritt hin zur Moderne: 1856 erhielten die Reiter des Chevaulegers-Regiments nach dem System Minié gezogene Karabiner und Pistolen. Die Umbauarbeiten hierzu, also das Einschneiden der Züge in die bisher glatten Läufe, soweit diese noch tauglich waren, oder der Austausch der nicht mehr tauglichen Läufe gegen gezogene und die Änderungen an der Visiereinrichtung geschah in der württembergischen Gewehrfabrik Oberndorf am Neckar.

Neben der von der Steinschloss- auf die Perkussionszündung umgearbeiteten Pistolen M 1822/44/56 UM wurden aber auch neue Perkussionspistolen in der Württembergischen Gewehrfabrik Oberndorf beschafft, die, da von vornherein als Perkussionswaffen konzipiert, natürlich keinerlei Aptierungsmerkmale mehr aufwiesen.

Vergl. Lander, Pistolen des Großherzoglich hessischen Militärs im 19. Jahrhundert, Teil 2, in DWJ Heft 2/2002, S.62ff

Gruß
corrado26

08.07.09, 18:39:23
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