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corrado26

(Super-Moderator)

Preußen:
Kavalleriepistole 1789, Fertigung Gewehrfabrik Potsdam unter Leitung der Gebrüder Schickler
[I]Dunkler Nussbaum-Vollschaft ohne Ladestocknut. Messingbeschläge, diese bestehend aus halbem Vorderschaftband, Abzugsbügel, seitlich flachgedrückter Kolbenkappe mit angedeuteten seitlichen Sporen und viereckigem Kolbennagel sowie flachem, bündig in das Schaftholz verlegtem Schlossgegenblech für zwei Schrauben. An der rechten Seite der Kolbenkappe das Herrschermonogramm „FWR[I]“ unter Krone. An der kolbenseitigen Verlängerung des Abzugsbügels die Kontrollmarke „N“ unter Kleeblatt des Fabrikenkommisars Nortmann aus Potsdam. Steinschloss 1789 mit Herstellersignatur „POTZDAMMAGAZ“ und „G.S.an der unteren Schrägkante des Schlossblechs. Runder, am Pulversack zweifach kanellierter Lauf mit Messingkorn, 30mm hinter der Mündung. Eingefeilte Kimme im Schwanzschraubenblatt, dieses endet gerade. Konisches Zündloch mit gestollter Schwanzschraube. Eine nicht bekannte MarkeLan der Laufunterseite. Schlossschrauben mit abgeschrägten Kanten an den Köpfen.
Gesamtlänge 489mm, Lauflänge 292mm, Schlosslänge 149mm, Länge des Schlossgegenblechs 116mm, Kaliber des glatten Laufs 17,5mm
.[/I][/I]
Schon 1787 hatte eine Phase hin zur Entwicklung einer einfacheren Pistole mit der Kürzung der Läufe und Vorderschäfte der alten Pistolen M 1731 und M 1742 bis an das Nasenband bei zumindest einem Regiment (Dragoner-Regiment v.Finckenstein, N°10 der Stammliste) begonnen. Auch berichtete der Chef dieses Regiments von der gleichzeitigen Änderung der Zündlöcher, die, offensichtlich auf seinen Wunsch hin, trichterförmig aufgebohrt worden waren.

Am 23. Februar 1789 ordnete schließlich das 2. Departement des Oberkriegskollegiums für die Dragoner- und Husaren-Regimenter in den Marken und in Pommern an, daß die Pistolen nach einem vom König genehmigten und gesiegelten Muster entsprechend abzuändern seien. Zuerst sollten die in den Depots lagernden Pistolenbestände der Reserve umgearbeitet und dann den Regimentern im Tausch gegen deren Pistolen ausgegeben werden; auf diesem Wege sollte die Einsatzbereitschaft gewährleistet bleiben. Die über diesen Bestand hinaus bei den einzelnen Regimentern vorhandenen Pistolen sollten durch die Regimentsbüchsenmacher umgearbeitet werden. Hintergrund für diese radikale Abkehr von den seit Urzeiten gewöhnten, langen Pistolen dürfte das Beispiel der weit kürzeren, aber dennoch nicht weniger effektiven, französischen Pistolen M 1763/66 gewesen sein, deren Vorteile man seit den Zeiten des Siebenjährigen Krieges kannte.
Bei der Änderung wurden die Läufe nach dem Maß der Probepistole abgeschnitten, jedoch blieben die Kolben der davon betroffenen Pistolen von dieser Maßnahme unberührt; die alten Schäfte wurden unter Entfernung der Ladestockröhrchen und Verschließen der entsprechenden Nut mit einem Holzpflock beibehalten. Zusätzlich ist das Zündloch analog demjenigen der Infanteriegewehre konisch aufgebohrt und das Monogramm auf dem Daumenblech mit einem zusätzlichen „W“ für Friedrich Wilhelm II. versehen worden.
Es ist jedoch festzustellen, daß dieser allgemeinen Verordnung längst nicht alle Regimenter Folge leisteten: Noch stand es im Belieben des jeweiligen Regimentschefs, ob er die Änderungen durchführen lassen wollte oder nicht, und so wundert es nicht, daß noch im Kriege 1806/07 bei einem Kavallerie-Regiment die alten, ungekürzten Pistolen nachgewiesen werden können.

Im Jahr 1789, zeitgleich mit dem Beginn der Umänderung der alten Pistolenbestände, begann auch die Produktion eines neuen Musters, das die bereits beschriebenen Änderungen komplett beinhaltete. Wie bei den Langwaffen fiel das Daumenblech auf dem Kolbenrücken ganz weg und das königliche Signum erschien nun an der rechten Seite der Kolbenkappe. Durch das Weglassen des Daumenblechs konnten die seitlichen Sporen der Kolbenkappe wegfallen, die bisher zur Versteifung des durch die Daumenblechbohrung geschwächten Kolbens notwendig gewesen waren. Dies bedeutete zum einen Materialersparnis, zum andern aber auch Gewichtsreduzierung. Das deutlich verkürzte Schlossgegenblech besaß keine dritte Schraube mehr und die beidseitigen Verlängerungen des Abzugsbügels wurden völlig einfach und schmucklos gegossen. Die Pistolen besaßen auch keine Ladestocknut mit zugehörigen Röhrchen mehr, da die Reiter von nun ab den Pistolenladestock am Bandelier trugen

Vergl. Lander, Pistole M 1789 in Militärstadt Spandau, Zentrum der preußischen Waffenproduktion 1722-1918, Berlin 1998, S.214
Gruß
corrado26


07.07.09, 13:11:56
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