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corrado26

(Super-Moderator)

Möglicherweise gelingt es mir ja, mit diesem wahrscheinlich unikaten Stück das Interesse der Feuerwaffenfreaks zu wecken?


Bayern
Zündnadel-Kolbenpistole 1864 – Versuch


Dunkler Nussbaumvollschaft mit Eisenbeschlägen, diese bestehend aus einem an der Schaftunterseite verschraubten Laufring, einteiligem Abzugsbügel, 6,6mm dicker Kolbenabschlussplatte und Kupplung für einen Anschlagkolben. Zylinderverschluss nach System Dreyse mit gerilltem Kopf des Schlösschens. Herstellersignatur „AMBERG“ am Verschlussgehäuse links. „Gekreuzte Schwerter unter Krone“ als Abnahmemarke der Hauptzeughaus-Direktion München am Schaft links. Standvisier auf dem Patronenlager, Kupferkorn in Schwalbenschwanzpassung auf dem Lauf direkt hinter dem Laufring.
Kaliber des gezogenen Laufs 13,1mm, 4 Züge

Im Zuge der Überlegungen zur Neubewaffnung der bayerischen Kavallerie ließ Oberst v. Podewils, Direktor der Gewehrfabrik Amberg 1864 zwei Rückladungspistolen in der Gewehrfabrik anfertigen. Eine wurde entsprechend dem französischen System Manceaux gefertigt, welche noch heute im Bayerischen Armeemuseum Ingolstadt vorhanden ist. Das andere Modell entstand „versuchsweise nach eigener Construktion nach festgestellten Prinzipien“. Bei dieser dürfte es sich um die sicherlich unikate Kolbenpistole nach dem System Dreyse gehandelt haben. Die hier abgebildete, als Studie und in Handarbeit hergestellte Zündnadelpistole kam jedoch als Waffe mit Nadelzündung schon viel zu spät, um noch entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der bayerischen Handfeuerwaffen nehmen zu können – die Metallpatrone und damit die Werderpistole M/69 waren am Horizont bereits zu erahnen.

Vergl.: Reckendorf, Die Faustfeuerwaffen der kgl. bayerischen Armee, Dortmund 1981, S. 392, ders.: Die Bayerischen Handfeuerwaffen 1800-ö1975, S. 183/184


Gruß
corrado26


24.05.09, 14:26:30

Zietenhusar

(Supporter)

So eine Waffe hab' ich bisher noch nie gesehen!

Ich bin zwar nicht der angesprochene Feuerwaffenfreak, melde mich dennoch kurz zu Wort. Ebenfalls in der Hoffnung und Annahme, daß sich die Angesprochenen dazu äußern.

Wenn man bedenkt, daß der Hebel dermaßen seitlich hervorschaut, und die Waffe beim Abfeuern, im Gegensatz zum Gewehr, mit nur einer Hand gehalten wird, wird eine Treffgenauigkeit schwer erreichbar gewesen sein, oder? Gibt es Versuchsbeschreibungen über den praktischen Gebrauch der Waffe, oder ist sie nicht weiter eingesetzt worden?

Gruß,
Thomas

24.05.09, 18:00:37

corrado26

(Super-Moderator)

Beim abgebildeten Stück handelt es sich um ein handgefertigtes Unikat, Schießversuche wurden damit nach meiner Kenntnis bei der Truppe keine unternommen. Ob der Auftraggeber v. Podewils solche gemacht hat, ist wahrscheinlich.
Wie man auf einem der Fotos sehen kann, war die Pistole so konzipiert, dass man wie bei der im vorigen vorgestellten Kolbenpistole 1864 einen Anschlagkolben am Griffrücken befestigen konnte. Damit war ein karabinermäßiger Anschlag möglich, ziu dem natürlich beide Hände gebraucht wurden. Ein einhändiges Schießen dürfte überhaupt nicht beabsichtigt gewesen sein.
Der Kammerstengel ist zündnadeltypisch und beim Zielvorgang nicht störend, wie tausende von Zündnadelgewehren in vielen Jahren des Gebrauch bewiesen haben.

Im übrigen hat Baden ebenfalls Versuche mit einer Zündnadelpistole auf Basis der Kolbenpistole M 1853/58 gemacht und Braunschweig hat noch 1865 eine Zündnadelpistole mit Anschlagkolben für seine Husaren eingeführt. Das war zur Zeit, als in den USA die sixshooters in aller Hände waren, eigentlich schon ein totaler Anachronismus und ist nur mit dem Beharrungsvermögen erzkonservativer Offizierkreise zu begründen.
Gruß
corrado26

25.05.09, 18:42:09
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