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limone

(Super-Moderator)



Truppenstempel auf Waffen der Schleswig-Holsteinischen Armee ab 1848

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Herzlichen Dank an Herrn Peter Meihs, der das Entstehen dieses Beitrages mit Hinweisen, schriftlichem und telefonischem Rat interessiert und geduldig begleitet hat.

Vorgeschichte

Der Fürst der Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg war zugleich König von Dänemark, wobei Holstein und Lauenburg dem Deutschen Bund (nicht dem Dänischen Reich) angehörten und deutsche Bundestruppen zu stellen hatten, Schleswig, nördlich der Eider gelegen und damit nicht zum Bundesgebiet gehörig, jedoch nicht.

Im Zuge der dänischen Heeresreform 1842, unter der Regierung des dänischen Königs Christian VIII., verloren die schleswigschen und holsteinischen Regimenter ihre ursprüngliche ortsbezogene Regimentsbezeichnung (z.B. Truppenstempel: Sl.I.C.B. - Slesvigske Jæger Corps 2. Kompagni) und erhielten eine fortlaufende Regimentsnummer der dänischen Armee (z.B. Truppenstempel: 4.I.C.D. - 4. Jæger Corps 4. Kompagni). Die aus Schleswig rekrutierten Truppen wurden in Fredericia stationiert und die Truppenfahnen mit schleswiger und holsteiner Wappen durch den Danebrog als Feldzeichen ersetzt.


Die schleswig-holsteinische Erhebung

Im Zuge der Gegenbewegung zu den dänischen Bestrebungen, das Herzogtum Schleswig (entgegen des Ripener Freiheitsbriefs von 1460: "ewich tosamende ungedeelt") in das dänische Reich einzugliedern, bildete sich in Kiel eine eigenständige "provisorische Regierung" der Herzogtümer.

Befördert wurde diese Entwicklung neben dem Tod Christian VIII. am 20.01.1848, der Übernahme der Regierung durch seinen schwachen Nachfolger, Frederik VII., und dem daraus resultierenden zunehmenden Einfluss der dänisch-nationalistisch eingestellten Eiderdänen, durch die damals ganz Europa erfassende bürgerlich-national-revolutionäre Stimmung.

Die neue schleswig-holsteinische Regierung stellte eine vom dänischen König unabhängige Armee auf, Stärke zunächst:

4 Infanterie-Bataillone,
2 Jägerkorps,
2 Dragoner-Regimenter und
3 Feldbatterien Artillerie sowie
2 Infanterie-Bataillone aus Urlaubern und Reservisten

Die am 27.3.1848 aufgestellten 4 Freikorps (v. Krogh, Graf zu Rantzau, v. Wasmer, v. d. Tann) seien hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt, da die Freiwilligen zumeist ihre eigenen Waffen mitbrachten und so uneinheitlich bewaffnet waren. Trotz einiger militärischer Erfolge wurden sie im Zuge der "Verpreußung" der schleswig-holsteinischen Armee wegen mangelnder Ausbildung und Zuverlässigkeit schon im Juli des selben Jahres wieder aufgelöst und soweit möglich in die reguläre Armee eingegliedert.

Im Zuge praktischen Umsetzung der neuen Demokratisierungsideen erließ die neue Rendsburger Regierung auch ein Gesetz zur Volksbewaffnung - die Städte sollten Streitkräfte aufstellen; das Rendsburger Zeughaus stellte große Mengen an Blank - und Feuerwaffen zur Verfügung und die Städte kauften ergänzend Waffen bei einschlägigen Händlern. Diese "Volksbewaffnung" erwies sich jedoch als nutzlos, die Waffen gingen "verloren".

Als offizielles Gründungsdatum der S-H-Armee nehmen wir den 23.4.1848 an, den Tag, an dem Prinz Friedrich von Augustenburg (auch genannt: zu Noer - Schwager von Christian VIII.) formal den Oberbefehl über die S-H-Armee übernahm.

Die Mannschaften der in Schleswig-Holstein stationierten dänischen Truppen (14.-17. dänisches Linien-Infanterie-Bataillon, 4. und 5. Jäger-Korps sowie 1. und 2. Dragoner-Regiment), zumeist schleswig-holsteinischer Herkunft, traten fast geschlossen zur neu gebildeten schleswig-holsteinischen Armee über, insgesamt ca. 2.500 Mann.
Die Offiziere, vorwiegend dänischer Herkunft (die langjährigen politischen Spannungen mit der dänischen Krone hatten dazu geführt, dass sich der schleswig-holsteinische Anteil am Offizierkorps stark verringert hatte), verließen das Land. Der dadurch entstandene Offiziermangel der S-H-Armee konnte durch Anwerben ausländischer Offiziere (zumeist Preußen) nur teilweise ausgeglichen werden.

Am Ende der Erhebung im Januar 1851 war die Schleswig-Holsteinische Armee auf eine Gesamtstärke von

890 Offizieren und rund 43.300 Mann angewachsen, gegliedert in:

15 Infanterie-Bataillone,
5 Jäger-Korps,
2 Dragoner-Regimenter,
1 Artillerie-Brigade sowie Unterstütztungstruppen.

Dänemark als "Siegermacht" übernahm von der Schleswig-Holsteinischen Armee unter anderem:

527 Festungsgeschütze, 118 Feldgeschütze, 54.810 Gewehre und Pistolen und 42.660 Seitengewehre,

die dann zum Teil von der Dänischen Armee im Krieg 1864 gegen die Exekutionstruppen des Deutschen Bundes wieder eingesetzt wurden.

Von den auf diesen Waffen zu findenden Truppenstempeln sei im Folgenden die Rede.


("...der Zusammenhang der vorgetragenen Gedanken dürfte kaum leiden, wenn der Leser über diejenigen Stellen, welche ihm je nach Einstellung allzu fachwissenschaftlich oder allzu trivial erscheinen, kurz hinweggeht." Max Planck; zitiert in: Hansjörg Lehner, Georg Meran, Joachim Möller: De Statu Corruptionis - Entscheidungslogische Einübungen in die Höhere Amoralität, Konstanz-Linzelstetten: Faude 1980)




     Fröhlich sein, Gutes tun, und die Spatzen pfeifen lassen...
02.10.08, 20:55:55

KiBuch

(verstorben)

Halo Carsten,
mal unter UNS: "Was würde ich als Norddeutscher bloß ohne dich machen". zwinkern

Freue mich auf deine Fortsetzung.

Bis bald, Michael

03.10.08, 11:35:28

limone

(Super-Moderator)

Da der Großteil der Waffen der Schleswig-Holsteinischen Armee nach der Erhebung 1851 von der Dänischen Armee übernommen und viele dort auch wiederverwendet wurden, finden sich schleswig-holsteinische Seitengewehre, die nur mit SH-Stempeln versehen sind, und auch solche mit gelöschten SH- und neueren dänischen Stempeln.

Folgend eine Aufstellung der verwendeten Truppenstempel mit Links zu Fotos der im Forum in den Rubriken "Schleswig-Holstein", "Dänemark" und "Museen & öffentliche Sammlungen" gezeigten Waffen. Truppenstempel ohne hinterlegtes Foto entstammen dem Archiv der Dänischen Waffenhistorischen Gesellschaft oder dem Buch von Frans Løvschall: Den Nye Th. Møller, Gamle Danske Militærvåben, Næstved 1998.


Infanterie-Bataillone der Schleswig-Holsteinischen Armee

SH.2B.A.192.
Schleswig-Holsteinisches 2. Infanterie-Bataillon, 1. Kompanie, Waffe Nr. 192 (auf Faschinenmesser M 1848 ähnl. frz. M 1831)

SH.II.A.4.
Schleswig-Holsteinisches 2. Infanterie-Bataillon, 1. Kompanie, Waffe Nr. 4 (auf Pionier-Faschinenmesser M 1848)

S.H.VIII.D.157.
Schleswig-Holsteinisches 8. Infanterie-Bataillon, 4. Kompanie, Waffe Nr. 157 (auf Faschinenmesser M 1848 ähnl. frz. M 1831)

SH 10 B 3C 10
Schleswig-Holsteinisches 10. Infanterie-Bataillon, 3. Kompanie, Waffe Nr. 10 (gelöschter Stempel auf Pionier-Faschinenmesser M 1848)

S.H.X.D 215
Schleswig-Holsteinisches 10. Infanterie-Bataillon, 4. Kompanie, Waffe Nr. 215 (auf Bajonett zur Suhler Dornbüchse 1848)

S.H.XI.A.35.
Schleswig-Holsteinisches 11. Infanterie-Bataillon, 1. Kompanie, Waffe Nr. 35 (auf Faschinenmesser M 1848 ähnl. frz. M 1831)

SH.XI.D.174.
Schleswig-Holsteinisches 11. Infanterie-Bataillon, 4. Kompanie, Waffe Nr. 174 (auf Bajonett zur glatten Muskete nach preußischem Muster 1809 U/M)

SH.XII.C.3.
Schleswig-Holsteinisches 12. Infanterie-Bataillon, 3. Kompanie, Waffe Nr. 3 (auf Pionier-Faschinenmesser M 1848)

Die Stempelung der Waffen ist nicht einheitlich, es sind jedoch einige Regelmäßigkeiten zu erkennen:

Auf den Seitengewehren der Infanterie-Bataillone findet sich immer ein "S.H." oder "SH." oder "SH" für "Schleswig-Holstein".
Die Nummerierung der Bataillone erfolgte in römischen Zahlen oder in arabischen Ziffern mit folgendem "B" für "Bataillon".
Die Kompanien wurden mit Buchstaben bezeichnet, "A" für 1. Kompanie, "B" für 2. usw. oder mit arabischen Ziffern mit folgendem "C" für "Compagnie" (SH.13B.4C.108.)
Die Stempelung der Punkte zwischen den Zahlen und Buchstaben erfolgte unterschiedlich, manchmal fehlen sie ganz.
Die Seitengewehre der Pioniere erhielten die Stempel der Infanterie- oder Artillerieeinheiten, denen sie fest zugeteilt waren (Meihs, a.a.O.).


Dänische Stempel auf ehemals schleswig-holsteinischen Seitengewehren der Infanterie-Bataillone:

Die dänische Armee besaß nach der 1842 erfolgten Umgliederung 17 Linien-Infanterie-Bataillone (Linieinfanteri Bataillon).

3.L.B.4C.39.
3. Linien-Infanterie-Bataillon, 4. Kompanie, Waffe Nr. 39. (auf Faschinenmesser M 1848 ähnl. frz. M 1831 / dän. Bezeichnung: "Sidevåben for Fodfolk M 1854"

11 LIB.1C.159.
11. Linien-Infanterie-Bataillon, 1. Kompanie, Waffe Nr. 159. (auf Faschinenmesser M 1848 ähnl. frz. M 1831 / dän. Bezeichnung: "Sidevåben for Fodfolk M 1854"

17.L.I.B.3C.93.
17. Linien-Infanterie-Bataillon, 3. Kompanie, Waffe Nr. 93. (auf Faschinenmesser M 1848 ähnl. frz. M 1831 / dän. Bezeichnung: "Sidevåben for Fodfolk M 1854"

9 IB.3C.48. (Waffennummer auf der anderen Seite der Parierstange)
9. Infanterie-Bataillon, 3. Kompanie, Waffe Nr. 48. (auf Faschinenmesser M 1848 ähnl. frz. M 1831 / dän. Bezeichnung: "Sidevåben for Fodfolk M 1854"

9 IB 1C ? (Waffennummer auf der anderen Seite der Parierstange)
9. Infanterie-Bataillon, 1. Kompanie, Waffe Nr. ?. (auf Faschinenmesser M 1848 ähnl. frz. M 1831 / dän. Bezeichnung: "Sidevåben for Fodfolk M 1854"

Die Stempelung der Punkte zwischen den Zahlen und Buchstaben erfolgte, wie bei der Schleswig-Holsteinischen Armee, unterschiedlich, manchmal fehlen sie ganz.
Statt "L.I.B." oder "LIB" kommt auch die Stempelung: "L.B." für "Linien-Infanterie-Bataillon" vor.
Ab 1860 wurde bei der Stempelung das "L" für "Linie-" weggelassen.
Die Waffen des 1., 2., 10., 12. und 14. leichten Infanterie-Bataillons können auch z.B: "1.Lt.I.B." für: "Lette Infanteri Bataillon" gestempelt sein. Statt "Lt." kommt auch "LT." vor.
Von Ende 1863 bis 1865 wurden Waffen der Infanterie-Bataillone und der fünf Jägerkorps auch "I.R." gestempelt.
Ab 1867 entfiel auch das "I." für "Infanteri-": "6.B." = 6. Infanterie-Bataillon.
Bezeichnung der Kompanien mit den Buchstaben "A"-"M", kein "J"!
Die Waffennummer wurde manchmal auf die andere (Terz-) Seite der Parierstange gestempelt.




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04.10.08, 00:10:30

limone

(Super-Moderator)

Jäger-Korps der Schleswig-Holsteinischen Armee

1SHIC.2C.160.
1. Schleswig-Holsteinisches Jäger-Corps, 2. Kompanie, Waffe Nr. 160 (auf Bajonett zur Riffelmusket 1831/46)

1SHIC.3C.245.
1. Schleswig-Holsteinisches Jäger-Corps, 3. Kompanie, Waffe Nr. 245 (auf Hirschfängerbajonett zur Lütticher Dornbüchse M 1849)

1SHIC.4C.35.
1. Schleswig-Holsteinisches Jäger-Corps, 4. Kompanie, Waffe Nr. 35 (auf Bajonett zur dänischen Unteroffiziersbüchse M 1829/48)

SH V IC C 44 (oder "...11")
5. Schleswig-Holsteinisches Jäger-Corps, 3. Kompanie, Waffe Nr. 44 (auf Hirschfänger nach preußischem Muster 1810)

SH V IC D 19
5. Schleswig-Holsteinisches Jäger-Corps, 4. Kompanie, Waffe Nr. 19 (auf Hirschfänger nach preußischem Muster 1810)

SH V IC D 104(?)
5. Schleswig-Holsteinisches Jäger-Corps, 4. Kompanie, Waffe Nr. 104(?) (auf Hirschfänger nach preußischem Muster 1810)


Dänische Stempel auf ehemals schleswig-holsteinischen Seitengewehren der Jäger-Korps:

HiB.A.118.
Holsteinisches Jäger-Bataillon, 1. Kompanie, Waffe Nr. 118 (auf Hirschfänger nach preußischem Muster 1810)

HiB.C.141.
Holsteinisches Jäger-Bataillon, 3. Kompanie, Waffe Nr. 141 (auf Hirschfänger nach preußischem Muster 1810)


Nach der schleswig-holsteinischen Kapitulation am 10.01.1851 wurde das Herzogtum Schleswig von den österreichisch-preußischen Bundestruppen geräumt und nur Holstein blieb noch bis zum 01.02.1852 besetzt.

In dieser Zeit, genau: am 01.04.1851, wurde aus den Resten der Schleswig-Holsteinischen Armee in Holstein das neue Truppenkontingent des Herzogtums für den Deutschen Bund aufgestellt, Stärke:

Holsteinisches Jäger-Korps (Kiel)
1. Holsteinisches Infanterie-Bataillon (Glückstadt)
2. Holsteinisches Infanterie-Bataillon (Lütjenburg)
3. Holsteinisches Infanterie-Bataillon (Preetz)
Holsteinisches Dragoner-Regiment (Itzehoe)
Holsteinische Feld-Artillerie-Abteilung (Plön)
Pionier-Kompanie (Rendsburg)
Brigade-Musikkorps

Im Laufe des Jahres 1852, nach Abzug der österreichisch-preußischen Bundestruppen, wurde das holsteinische Bundeskontingent als 4. Generalkommando wieder in das dänische Heer eingegliedert und die Uniformierung entsprechend geändert.

(vgl.: Walter Westphal: Von Bornhöved bis zur Erstürmung der Düppeler Schanzen: vergessenene Schlachten und Kriege in Schleswig-Holstein, BoD 2004, S. 79)


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04.10.08, 23:24:11

limone

(Super-Moderator)

Dragoner-Regimenter der Schleswig-Holsteinischen und der Dänischen Armee

Im Unterschied zu den Seitengewehren der Infanterie-Bataillone und Jäger-Korps sind die Waffen der beiden schleswig-holsteinischen Dragoner-Regimenter nicht mit "S.H." gestempelt, sondern die Art der Stempelung ist mit der dänischen identisch, z.B.:

1 D.R.E.17
1. Dragoner-Regiment, 4. Eskadron, Waffe Nr. 17 (auf Reitersäbel M 1843 mit Herstellerstempel: "P.D.Lüneschloss Solingen")

2 DR.965.
2. Dragoner-Regiment, Waffe Nr. 956 (auf SH-Dragonersäbel (Mannschaften) nach dänischem Muster 1843 mit Herstellerstempel: "HAUSSMANN")

2 D.R.A.N43
2. Dragoner-Regiment, 1. Eskadron, Waffe Nr. 43 (auf Reitersäbel M 1843)

2.D.R.A.44.
2. Dragoner-Regiment, 1. Eskadron, Waffe Nr. 44 (auf SH-Dragonersäbel (Mannschaften) nach dänischem Muster 1843 mit Herstellerstempel: "HAUSSMANN")

2 DR.1E.15
2. Dragoner-Regiment, 1. Eskadron, Waffe Nr. 15 (auf Reitersäbel M 1843 mit Herstellerstempel: "P.D.Lüneschloss Solingen")

2.D.R.1.E.N.45
2. Dragoner-Regiment, 1. Eskadron, Waffe Nr. 45

2.D.R.3.E.57.
2. Dragoner-Regiment, 3. Eskadron, Waffe Nr. 57 (auf SH-Dragonersäbel (Mannschaften) nach dänischem Muster 1843 mit Herstellerstempel: "HAUSSMANN")

2.D.R.3.E.103
2. Dragoner-Regiment, 3. Eskadron, Waffe Nr. 103 und auf dem gleichen Dragonersäbel M 1839:

B.4.DE.86.
Miliz Bornholm, 4. Dragoner-Eskadron, Waffe Nr. 86

2.D.R.4.E.154
2. Dragoner-Regiment, 4. Eskadron, Waffe Nr. 154 (auf Dragonersäbel M 1839, Hersteller: Frederiksværk)

2 DR.S.341.
2. Dragoner-Regiment, (Exerzier-)Schule(?), Waffe Nr. 341 (auf SH-Dragonersäbel (Mannschaften) nach dänischem Muster 1843 mit Herstellerstempel: "HAUSSMANN")

2.D.R.F.S.123
2. Dragoner-Regiment F (6.) Sqadron Nr. 123 (auf SH-Dragonersäbel (Mannschaften) nach dänischem Muster 1843)


Auch bei den Dragoner-Regimentern wurden die Waffen nicht einheitlich gestempelt:

Nach der Regimentsnummer kann ein Punkt sein, muss aber nicht.
Dragoner-Regiment wird "D.R." oder "DR." bezeichnet.
Die Bezeichnung der Eskadronen erfolgt mit Buchstaben, "A" für 1. Eskadron, "B" für 2. usw. oder mit arabischen Ziffern mit folgendem "E" für "Eskadron" (2 DR.1E.15), mit oder ohne Punkt zwischen Ziffer und Buchstabe.
Die Waffennummer erscheint als Zahl: "45" oder als Nummer: "N45"; mit oder ohne Punkt dahinter.

Bei Aufstellung der Schleswig-Holsteinischen Armee 1848 behielten die Mannschaften der Dragoner-Regimenter ihre "dänischen" Reitersäbel M 1843 und die Dragoner-Regimenter ihre ursprünglichen Regimentsnummern (zunächst teilweise auch die dänischen Uniformen, die bis zur Ausgabe der neuen als Übergangslösung umgefärbt wurden). Anhand der Stempelung oder Machart sind also "dänische" Dragonersäbel nicht von "schleswig-holsteinischen" zu unterscheiden; bei Säbeln mit Truppenstempeln des 1. oder 2. Dragoner-Regiments und mit Herstellerstempel: "P.D.Lüneschloss" und "Solingen" auf der Klinge, kann jedoch auf Grund des Herstellungsdatums von einer Verwendung in der Schleswig-Holsteinischen Armee ausgegangen werden.

Eine Ausnahme bilden die von den Schleswig-Holsteinern bei P.D. Lüneschloss nachgekauften, nach dem dänischen Muster 1843 gefertigten Dragonersäbel. Bei diesen fehlen die Längsrillen in der Griffkappe, die Klingen sind etwas länger und auf der Fehlschärfe finden sich die die Stempel "P.D. Lüneschloss" und auf der Gegenseite "Solingen".

Mit Regimentsnummer "3" und höher gestempelte Waffen sind eindeutig der Dänischen Armee zuzuordnen, da die Schleswig-Holsteinische Armee nur zwei Dragoner-Regimenter besaß.

Das 2. (Holsteinische) Dragonerregiment war vor der Erhebung mit dem dänischen Dragonersäbel M 1839 ausgerüstet, für eine Weiterverwendung dieses Modells in der Schleswig-Holsteinischen Armee fehlen gesicherte Hinweise.

Laut Nielsen haben die Dänen nach Ende der SH-Erhebung "eine beträchtliche Anzahl" des Aushilfssäbels 1848 (Luxemburger Modell) aus dem Rendsburger Zeughaus übernommen, eine Verwendung bei den Dragonern der Schleswig-Holsteinischen Armee ist jedoch laut Meihs nicht belegt.



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06.10.08, 00:43:11

limone

(Super-Moderator)

Artillerie-Brigade der Schleswig-Holsteinischen Armee

Die Gliederung der schleswig-holsteinischen Artilleriebrigade am 14.01.1851 (G. Stolz):

I. Feld-Abteilung
- 1., 2., 3. und 5. 6-pfündige Batterie

II. Feld-Abteilung
- 1., 2. und 3. 12-pfündige Batterie

III. Feld-Abteilung
- Reitende Batterie,
- 1. und 2. 24-pfündige Granat-Batterie
- 4. 6-pfündige Batterie
- Munitionskolonne I und II

Festungs-Abteilung
- 1.-6. Festungsbatterie (Rendsburg, Friedrichsort, Laboe)


Die Originalform des bei den folgenden Truppenstempeln als: "" dargestellten "Pfund"-Zeichens (ein ligiertes "lb"):



und die Original-Stempelung des: "N"-Zeichens:




A.B_1_12.℔.B_N 78.
Artillerie-Brigade, 1. 12-pfündige Batterie, Waffe Nr. 78 (auf Artilleriepistole)

AB 1_12℔ B_N 82
Artillerie-Brigade, 1. 12-pfündige Batterie, Waffe Nr. 82 (auf Pionier-Faschinenmesser M 1848 )

A B_2_12℔ B N 20
Artillerie-Brigade, 2. 12-pfündige Batterie, Waffe Nr. 20 (auf Artilleriesäbel für Berittene, später dän. M 1869)

AB_2_12℔ B_N 39
Artillerie-Brigade, 2. 12-pfündige Batterie, Waffe Nr. 39 (auf Pionier-Faschinenmesser M 1848 )

AB_2_12℔ B_N 55
Artillerie-Brigade, 2. 12-pfündige Batterie, Waffe Nr. 55 (auf Artilleriesäbel für Berittene, später dän. M 1869)

A.B.2.12℔.B.N.71
Artillerie-Brigade, 2. 12-pfündige Batterie, Waffe Nr. 71 (auf Artilleriesäbel für Berittene, später dän. M 1869)

AB.3.6℔ B N.12
Artillerie-Brigade, 3. 6-pfündige Batterie, Waffe Nr. 12 (auf Pionier-Faschinenmesser M 1848 )

A.B-3.F.B.N.17
Artillerie-Brigade, 3. Festungs-(?)Batterie, Waffe Nr. 17 (auf Artilleriesäbel für Berittene, später dän. M 1869)

AB.3.FB.N.27
Artillerie-Brigade, 3. Festungs-(?)Batterie, Waffe Nr. 27 (auf dem Leder der Scheide eines Säbels für unberittene Artillerie 1849,
später dän. Feldkonstabler-Säbel 'Feltkonstabelsabel M 1854')

A.B.3.12℔.F.B.N11.
Artillerie-Brigade, 3. 12-pfündige Festungs-(?)Batterie, Waffe Nr. 11 (auf Artilleriesäbel für Berittene, später dän. M 1869)

A.B.P.B.N160
Artillerie-Brigade, P.B. (?), Waffe Nr. 160 (Dokumentiert von Frans Løvschall, leider gibt er nicht an, auf welcher Waffe sich der Stempel befindet)

AB_RB_N33
Artillerie-Brigade, Reitende(?) Batterie, Waffe Nr. 33 (auf Artilleriesäbel für Berittene, später dän. M 1869)


Dänische Stempel auf ehemals schleswig-holsteinischen Seitengewehren der Artillerie-Brigade:

1.R.690 T
1. (Artillerie-)Regiment, Waffe Nr. 690 (auf Artilleriesäbel für Berittene M 1869; größer (Artillerisabel for Beredne M 1869 større))

1 R.720.T
1. (Artillerie-)Regiment, Waffe Nr. 720 (auf Artilleriesäbel für Berittene M 1869; größer (Artillerisabel for Beredne M 1869 større))

2.A.R.12B.14.
2. Artillerie-Regiment, 12. Batterie, Waffe Nr. 14 (auf Artilleriesäbel für Berittene M 1869; größer (Artillerisabel for Beredne M 1869 større))

2AR.PC.105.
2. Artillerie-Regiment, "Pioner-Compagni"(?), Waffe Nr. 105 (auf Feldkonstabler-Säbel 'Feltkonstabelsabel M 1854', vormals schleswig-holsteinischer Säbel für unberittene Artillerie 1849)

1.A.A.310
1. Artillerie-Abteilung, Waffe Nr. 310
T.724 (durchgestrichen)
Bedeutung unklar
(beide auf der Parierstange eines Feldkonstabler-Säbel 'Feltkonstabelsabel M 1854', vormals schleswig-holsteinischer Säbel für unberittene Artillerie 1849)

3.AA.399
3. Artillerie-Abteilung, Waffe Nr. 399
2.AR.3B.77 (durchgestrichen)
2. Artillerie-Regiment, 3. Batterie, Waffe Nr. 77
(beide auf dem Mundblech der Scheide eines Feldkonstabler-Säbel 'Feltkonstabelsabel M 1854', vormals schleswig-holsteinischer Säbel für unberittene Artillerie 1849)

Weitere dänische Truppenstempel, gefunden auf Feldkonstabler-Säbeln M 1854 (Archiv der Dänischen Waffenhistorischen Gesellschaft):

1.A.B.321
1. Artillerie-Bataillon, Waffe Nr. 321

1B.27
1. (Artillerie-?)Bataillon, Waffe Nr. 27

2A. 367
2. Artillerie-Bataillon, Waffe Nr. 367

1.A.R.
1. Artillerie-Regiment

1 R 24
1. (Artillerie-?)Regiment, Waffe Nr. 24

1.A.R.2.B.67
1. Artillerie-Regiment, 2. Batterie, Waffe Nr. 67

1.A.R.7.B.
1. Artillerie-Regiment, 7. Batterie

BV 66
Bornholms Væbning, Waffe Nr. 66

I.R.576
Ingeniørregimentet, Waffe Nr. 567

KHE 43
Københavns Håndværker Etat, Waffe Nr. 43

R L E.10.
Rendsborg Laboratorie Etat, Waffe Nr. 10

Weitere dänische Truppenstempel, gefunden auf Artilleriesäbeln für Berittene M 1869; größer und M1869/91 (Archiv der Dänischen Waffenhistorischen Gesellschaft):

Tr 342
Train-Abteilung, Waffe Nr. 342


Bei den Seitengewehren der Artillerie ist die Unterscheidung dänischer und schleswig-holsteinischer Truppenstempel klarer:

Schleswig-holsteinische Artillerie-Truppenstempel beginnen mit "AB" (mit oder ohne Punkte) für "Artillerie-Brigade"; ohne eine Ziffer davor.
Bei dänischen Truppenstempeln wird "Artillerie-Bataillon" zwar auch "AB" gestempelt, jedoch ist davor immer die Bataillons-Nummer als Ziffer angegeben (1. - 3. A.B.).
Bei dänischen Stempeln kommen keine "" oder "N."-Zeichen vor.

Auch bei den Artilleriewaffen sind die Punkte willkürlich gestempelt - alle Variationsmöglichkeiten kommen vor - manchmal fehlen sie ganz oder werden durch Unter- oder Bindestriche ersetzt. Punkte und Unterstriche/Bindestriche können dabei innerhalb eines Truppenstempels zusammen vorkommen (AB_RB_N.33).


     Fröhlich sein, Gutes tun, und die Spatzen pfeifen lassen...
07.10.08, 00:57:37

limone

(Super-Moderator)

Dieser Beitrag soll dazu dienen, das "Erkennen und Lesen" von Truppenstempeln auf Seitengewehren der Schleswig-Holsteinischen Armee aus den Jahren 1848-51 zu erleichtern. Zur Unterscheidung ist eine Auswahl der auf SH-Blankwaffen vorkommenden dänischen Truppenstempel dargestellt.

Sollte jemand im oben Geschriebenen Fehler entdecken oder ergänzende Informationen haben, bitte eine eMail oder PN an mich, ich baue das dann an der entsprechenden Stelle in den Text ein oder ändere das Nötige. Ansonsten unten weiter freuen .

Grüße

Carsten


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08.10.08, 18:28:02

limone

(Super-Moderator)

Eine Auswahl der Literatur zum weiteren Themenkreis für denjenigen, der noch etwas lesen möchte. Hier finden sich viele Informationen und weitere Hinweise:

1. Ahlers, Jens und Schlürmann, Jan (Hrsg.): AufBruch und BürgerKrieg Schleswig-Holstein 1848-1851, Ausstellungskatalog, 2 Bde., Kiel 2012.
2. v. Bonin: Leitfaden beim Unterricht des Infanteristen der Schleswig-Holsteinischen Armee, Schleswig 1849.
3. Bruhn, Ada: Sidevaaben i Treaarskrigen, o.J. (1947/48)
4. Ein Schleswig-Holsteinischer Offizier a. D. (Hrsg.): Das Offizier-Corps der Schleswig-Holsteinischen Armee und Marine in den Jahren 1848 und 1849 nebst den Anciennetäts-Listen der Generale, Stabs- und Subaltern-Offiziere, Lübeck 1858.
5. Henriksen, Anders: Danske militære kavaleri-skydevåben i 1848-50 og 1864. In: Våbenhistorisk Jubilæumssårbog XXXVII 1991-92, S. 69ff.
6. Løvschall, Frans: Den Nye Th. Møller, Gamle Danske Militærvåben, Næstved 1998.
7. Lütgen, A.: Feldzug der Schleswig-Holsteinischen Armee und Marine im Jahre 1850, Kiel 1852.
8. Meihs, Peter: Die Handwaffen der Schleswig-Holsteinischen Armee 1848–1851 in: Deutsches Waffen-Journal (DWJ) 1980 Heft 10, 11 und 12; 1981 Heft 1.
9. Müller, Heinrich; Kölling, Hartmut: Europäische Hieb- und Stichwaffen, Berlin 1981, 2. Aufl. 1982.
10. Nielsen, Kay S.: Danske Blankvåben, Forlaget Sixtus 1978.
11. Niese, Heinrich Cristoph: Namentliches Verzeichnis der Todten und Invaliden der Schleswig-Holsteinischen Armee aus den Jahren 1848, 1849 und 1850/51, Schulbuchdruckerei Kiel 1852.
12. Petersen, Kurt Bang: Danske Marineblankvåben Bd. I+II, Næstved 2001.
13. Rhode, Friedrich Carl: Kriegsgeschichte Schleswig-Holsteins, Neumünster 1935.
14. Schlürmann, Jan: Die Schleswig-Holsteinische Armee 1848-1851, Tönning 2004.
15. Schwalm, Eberhardt: Volksbewaffnung 1848-1850 in Schleswig-Holstein, Neumünster 1961.
16. Smith, Otto: Den Dansk-Norske Hærs Sidevaaben, København 1939.
17. Stolz, Gerd; Adriansen, Inge: Die schleswig-holsteinische Erhebung - Die nationale Auseinandersetzung in und um Schleswig-Holstein von 1848/51, Husum 1996.
18. Stolz, Gerd; Blaksteen, P.M. (Übers.): Den slesvig-holstenske hærs uniformering 1848-51 / Die Uniformierung der Schleswig-Holsteinischen Armee von 1848-51, København 1979.
19. Truppenstempel-Bibliothek der Vaabenhistorisk Selskab, Dänemark.
20. Vollmer, Udo: Deutsche Militär-Handfeuerwaffen Heft 10, Bremen, Lübeck, Hamburg, Oldenburg, Schleswig-Holstein, Altshausen 2006.
21. Westphal, Walter: Von Bornhöved bis zur Erstürmung der Düppeler Schanzen: vergessenene Schlachten und Kriege in Schleswig-Holstein, BoD 2004.

Bild unten: Schlacht bei Idstedt am 25.07.1850 (Neuruppiner Bilderbogen, 1850)



     Fröhlich sein, Gutes tun, und die Spatzen pfeifen lassen...
18.10.08, 12:24:51

KiBuch

(verstorben)

Hallo Carsten,
weiss deine Arbeit zu wuerdigen.....
Prima, bis bald.

Gruesse, Michael

18.10.08, 17:15:16

limone

(Super-Moderator)

Liebe Blankwaffengemeinde,

in dem obigen Text habe ich noch ein paar mit "(?)" gekennzeichnete "Baustellen", wo ich für helfende Hinweise dankbar wäre. Kurz zusammengefasst:

1) Artilleriebrigade:
Das "F" in den Truppenstempeln der Artilleriebrigade: z. B. AB.3.FB.N.27 = Artillerie-Brigade, 3. Festungs-(?)Batterie, Waffe Nr. 27;
Heißt das "F": Festungs-, Fahr-, Fuss-, Feld-Batterie???

2) Dragonerregimenter:
2.D.R.F.S.123
2. Dragoner-Regiment, Exerzierschule(?), Waffe Nr. 123 (auf SH-Dragonersäbel (Mannschaften) nach dänischem Modell 1843);
Das Holstenske Rytter Regimente (nach 1842: 2. Dragonerregiment) hatte zwar eine "Millitair-Skoele", aber warum dann "F.S."? Man findet auf Säbeln gleicher Art des 2. DR auch: "E.S." und "S.".

und noch das ein oder andere "(?)" im Text.

Wenn jemand weiterhelfen könnte, wäre das schön.

Grüße

Carsten



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21.10.08, 00:23:17
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