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Württembergische Landjäger / L.K.K.171

original Thema anzeigen

 
03.01.19, 07:00:41

Ruhrpottpreuße

geändert von: Ruhrpottpreuße - 03.01.19, 07:01:45

Hallo!
In einem englischen Forum wird ein Karabiner 71 gezeigt, der einen Herstellerstempel der Österreichischen Waffenfabrikgesellschaft hat. Datumsstempel ist 1876 und 1877.
Herrschermonogramm ist FW für Friedrich Wilhelm.
Unklar allerdings der Truppenstempel L.K.K.171.
Hat jemand eine Idee?
Ich muß mal fragen, ob ich ein Bild hier einstellen darf.
Vielen Dank!
03.01.19, 08:27:45

corrado26

Eine preußisch/deutsche Stempelung scheint mir das nicht zu sein. Ein "K.K." kommt in der österreichischen Stempelvorschrift als "Kavallerie-Kadettenschule" vor. Ob dies hier allerdings stichhaltig ist, kann ich nicht sagen.
corrado26
03.01.19, 09:10:42

Ruhrpottpreuße

geändert von: joehau - 04.01.19, 20:33:07

Hallo!
Ja, Österreich nhaben wir auch schon vermutet. Aber das L ist dann unstimmig.
Die Vermutung geht in Richtung Landwehr-Kavallerie-Kommando oder Korps.
Ich habe keine Ahnung von k.u.k. Stempelungen, aber das ja ein F.W. drauf ist, gehe ich doch von einer deutschen Stempelung aus.
Hier mal ein paar Bilder. Habe die Genehmigung zwar noch nicht, aber das dürfte wohl kein Problem werden...
Vor dem K.K. ist auf jeden Fall noch ein L.

Größer geht´s leider nicht.


Bild vergrößert und gedreht. Gruß ulfberth
03.01.19, 12:05:58

ulfberth

geändert von: ulfberth - 08.01.19, 08:07:33

- Es gab zwar eine Landsturm Reiter-Abteilung Kattowitz sowie eine Landsturm Reiter-Abteilung Kreuzburg - jeweils als Reiter-Abteilung des gleichnamigen Landsturm Infanterie-Bataillons -, aber daß aus einer Reiter-Abteilung eine Kavallerie-Abteilung gestempelt wurde, ist m. E. zu weit her geholt.

- Was stört, sind die eher mittig geschlagenen Punkte. Dies würde eher gegen eine deutsche Stempelweise sprechen.

- Österreich? Landesgendarmerie Kommando Kärnten wurde m. W. mit „LGKK“ gestempelt. Nur warum Österreich? Doch hoffentlich nicht wegen dem Hersteller?

- Und zur Vermutung des Fragestellers: Wo gab es ein „Landwehr-Kavallerie-Kommando oder Korps“? Doch nicht in Deutschland?

- Das deutsche 71er System ist mir als Bewaffnung der K.&.K.Armee nicht geläufig.

- Auf die Schnelle würde ich den Stempel nicht als deutsch einordnen, sondern eher vermuten, daß dieser nach dem Verkauf der 71er Karabiner auf die Waffe kam. Aber das ist nur ein Schnellschuß nach 20 Minuten Beschäftigung mit dem Thema.

- Bezüglich Landwehr Korps (Kommando??) schaue ich mir nochmals die "Die Geschichte des Landwehrkorps im Weltkriege" genauer an. Nur ist mir dafür die Waffennummer zur hoch.

Gruß ulfberth
03.01.19, 14:41:00

ulfberth

geändert von: ulfberth - 06.01.19, 00:22:13

Wenn man schon keine Ahnung vom Thema hat, dann sollte man doch wenigsten mit aussagekräftigen Fotos in die englischen Foren gehen.

Ist das wirklich der klassische Kavallerie-Karabiner M/71? Oder hat er eine Aufpflanzvorrichtung? Dann hätten wir es hier mit einem Karabiner / Kurzgewehr wie hier gezeigt zu tun.

Das erste dieser beiden Modelle wurde von Mauser gefertigt und 1876 eingeführt. Es handelt sich dabei um ein verkürztes Infanterie-Gewehr M/1871. Siehe auch Haupt Staatsarchiv Stuttgart E 150 Bü 380.

1895 wurden ältere Kavallerie-Karabiner M/71 für die württembergischen Landjäger abgeändert. Unter anderem durch Verkürzen des Schaftes und Anbringung einer Aufpflanzvorrichtung. Ich vermute, daß es sich hierbei um dieses Modell handelt.

Die Erklärung für den Stempel könnte dann Landjäger Korps Kommando, Waffe 171 sein.

Wobei zu beachten ist, daß dann die Punkte normal auf der unteren Linie liegen und das L immer höher (auch oben in der PDF-Datei bei "KLK") ist als das K.

Gruß

ulfberth


Alles weiter nur mit besseren Fotos. Bei dem englischen Forum reicht als Antwort sicherlich ein Link zu diesem Beitrag hier aus. :D
03.01.19, 15:20:30

Ruhrpottpreuße

geändert von: Ruhrpottpreuße - 04.01.19, 07:55:19

Hallo Ulfberth!
Vielen Dank für Deine Antworten.
Ich schrieb ja oben, daß ich leider keine besseren Bilder aus dem Forum habe!
Wenn ich Ahnung von österreichischen Stempeln hätte, bräuchte ich ja nicht zu fragen...
Vielleicht bekomme ich ja noch bessere.
Ein Kollege von mir hat dieses geantwortet:

aus meiner Sicht scheint mir das eher ein Karabiner 71 zu sein, hergestellt bei OeWG Steyr (die gehörten ja auch zum Loewe-Konzern) 1876, ausgegeben 1877. Das Stück scheint sogar noch nummerngleich zu sein. In der Anlage einige – teils leider etwas unscharfe - Bilder von einem K71 aus meinem Bestand, der ebenfalls 1876 bei OeWG hergestellt wurde und der an die 14. Dragoner ausgegeben war. Die meisten K71 kamen von OeWG, da die deutschen staatlichen Gewehrfabriken zu dieser Zeit mit der Herstellung von Gewehren 71 und von Artilleriegerät ausgelastet waren. Der Superrevisionsstempel „FW“ wurde teils bis in die 80er Jahre hinein verwendet. Die preußische Armee war sparsam und die alten Stempel wurden erst einmal aufgebraucht, bevor neue Stempel, die ja relativ teuer in der Herstellung waren, gekauft wurden.



Armin vermutet ein gekürztes G71, ich stimme da eher für einen K71. Genauer könnte man das erst sagen, wenn man ein Bild von der Schlosshülse hätte. Steht da „K. Mod. 71“, ist es ein Karabiner 71. Heißt es dort „J.G. Mod. 71“ (das „J“ ist als „I“ zu lesen) ist es ein Infanterie-Gewehr 71, bei dem dann der Kammerstengel nachträglich gebogen wurde. Auch wenn einige Gewehre 71 bei OeWG hergestellt wurden, liegt aufgrund des Herstellers der Schluss nahe, dass es sich um einen Karabiner handelt. Seltsam ist nur der Umbau: der Vorderschaft wurde gekürzt und die Mündungskappe durch ein unpassenden Oberring mit Halterung für das Seitengewehr 71, ersetzt. Vermutlich war dort auch noch ein Putzstock eingesetzt, der inzwischen fehlt. Da die K71 zu einem großen Teil erst um die Jahrhundertwende aus den Depots verschwanden und teils zivil über die Firma August Stukenbrock in Einbeck, zum Teil aber auch an die militärischen Beschaffungsbehörden anderer Staaten, verkauft wurden, erklären sich die Umbauten.



Möglicherweise hatte eine andere Armee auch für die Kavallerie Seitengewehre vorgesehen und die Waffen so umbauen lassen. Oder ein privater Jäger – K71 waren aufgrund ihrer Kürze und Führigkeit und aufgrund des großen Kalibers bei Jägern sehr beliebt – hat sich das bei seinem Büchsenmacher so anfertigen lassen. Eine militärische Weiterverwendung im Ausland würde auch den Truppenstempel erklären: bei dem Truppenstempel fällt auf, dass die Zahlen nicht dem in Deutschland verwendeten Muster entsprechen und dass die Punkte ziemlich genau mittig zwischen den Buchstaben eingeschlagen wurden. Auch das war für deutsche Truppenstempel nicht vorschriftsmäßig.



Meine Vermutung geht daher dahin, dass dieser K71 an eine ausländische Armee verkauft wurde, die sich dann den Vorderschaft kürzen und eine neue Schaftkappe aufsetzen ließ. Für genauere Angeben müsste ich das gute Stück aber einmal in die Hand bekommen.
04.01.19, 19:30:33

Ruhrpottpreuße

geändert von: Ruhrpottpreuße - 05.01.19, 05:18:00

Hallo Ulberth!
Ach so, Du meintest den Engländer, daß er bessere Bilder bringen sollte...
Habe ich falsch verstanden. Sorry.
Warum kann ich meine Beiträge eigentlich nicht mehr ändern? Ich habe angeblich keine Zugriffsrechte...
05.01.19, 10:15:15

ulfberth

geändert von: ulfberth - 05.01.19, 10:43:59

Moin Ruhrpottpreuse,

ich hatte oben einmal die Entwicklung bei der württembergischen Landjägerei nach dem "Doppelgewehr" kurz skizziert. Das verkürzte 71er Gewehr fällt m. E. weg, daß es von Mauser gefertigt wurde. Die späteren aptierten 71er Karabiner sind Altbestände, d. h. deren Herstellungsdatums liegen Jahre vor der Einführung 1895. Die Modellbezeichnung auf der Waffe - wie oben angeführt - kann folglich auch nicht als wirkliches Indiz herangezogen werden.

Die Landjäger sind, zumindest nach meiner Einschätzung, noch mit "im Rennen".

Aber diese Beurteilung läßt sich nur mit besseren Fotos untermauern oder verwerfen.

Gruß

ulfberth
05.01.19, 10:32:59

Ruhrpottpreuße

Hallo Ulfberth!
Ja, die Engländer... Ich warte noch auf bessere Bilder.
Jetzt hat er aber noch eins eingestellt (welches er vegessen hat...)
Dort sieht man den Stempel K. Mod.71
Also eindeutig Karabiner
Ich denke auch, die württemberger Landjäger sind jetzt so sicher wie der Pup nach der Erbsensuppe
05.01.19, 14:07:39

ulfberth

geändert von: ulfberth - 05.01.19, 14:44:43

Bisher ist nur ein Truppenstempel mit ungewöhnlichen Punkten auf einem 71er Karabiner bekannt. Und es ist keine Aussage über die Buchstabenhöhe möglich.

Ohne Bilder der Gesamtwaffe, des Vorderschaftes und der eventuellen Aufpflanzvorrichtung bleibt alles reine Spekulation.

Gruß´

ulfberth
 
 
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