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Seitengewehr 84/98 n.A. bei der sächsischen Flieger-Ersatz-Abteilung 6

original Thema anzeigen

16.02.08, 13:36:00

Gottscho1914

geändert von: Gottscho1914 - 10.03.15, 16:12:49

Hallo ,

heute stelle ich ein Seitengewehr 84/98 n.A. mit Truppenstempel von der sächsischen Flieger-Ersatz-Abteilung 6 vor.

Hersteller : H.MUNDLOS&Co MAGDEBURG // RICH.A.HERDER SOLINGEN

Abnahme : W unter Krone 16

Truppenstempel : FI.E.6.2305.a

Flieger-Ersatz-Abteilung 6 , Waffe Nr. 2305.a

Standort : Flugplatz Großenhain (bei Dresden)

Errichtet : 01.12.1914

Aufgestellt: Flieger-Ersatz-Abteilung No.6 mit Fliegerschule ,Stab, 1.-4.Kompagnie

Seit Februar 1914 gab es in Großenhain (bei Dresden) einen Militärflugplatz.
Hier wurde die Flieger-Ersatz-Abteilung 6 stationiert.
Ihre Aufgabe bestand in der Ausbildung von Piloten und Flug-Beobachter.
Zwischen 1914 und 1918 erfolgte hier die Ausbildung von ca. 60 000 Mann.
Auch der berühmte Manfred von Richthofen beendete hier
einen Teil seiner Ausbildung zum Flug-Beobachter.
Am 10.Juni 1915 kam er zur Flieger-Ersatz-Abteilung 6 in Großenhain zum abschließenden Training.

Gruß Jens
16.02.08, 15:12:35

thüringer

Hallo Jens,

ein bemerkenswertes Teil, hast Du eine Ahnung was die hohe Waffennummer und das "a" bedeutet?

Tschüß
Roland
29.10.14, 15:01:31

Gottscho1914

geändert von: Gottscho1914 - 29.10.14, 15:05:08

Hallo Roland ,

Deine Frage zur hohen Waffen-Nr. möchte ich am Beispiel

der Flieger-Ersatzabteilung 1 beantworten.

- 1916 wird die Flieger-Ersatz-Abteilung 1 ( Fea 1 ) von

Döberitz nach Altenburg verlegt.

Mit ihr kommen erfahrene Piloten auf den Platz.

Die Personalstärke wächst enorm an und übersteigt

mit über 4000 Mann die Kapazitäten des Flugplatzes.

Quellenangabe: Bildband " 100 Jahre Flugplatz Altenburg - Nobitz " ,Vom Exerzierplatz zum Flugstützpunkt , 1868 - 1918

Gruß Jens
30.10.14, 14:36:15

Gottscho1914

geändert von: Gottscho1914 - 31.10.14, 15:09:21

ZUSATZ

------ Flugplatz Großenhain ------

Auf dem Gelände der Königl. Sächs. Fliegerstation Großenhain

wurde durch den Königl. Sächs. Hauptmann Horst Benno Adolph von Minckwitz (1877 - 1956)

die Königl. Preuß. Flieger-Ersatz-Abteilung Nr. 6 aufgebaut.

Er war davor Kompagniechef der 3.Königl. Sächs. Kompagnie des Königl. Preuß. Flieger-Bataillons No.1

und war im August 1914 als Kommandeur der Feld-Flieger-Abteilung Nr.24 ins Feld gerückt.

Im Herbst 1917 hatte er den Auftrag die

Königl. Preuß. Flieger-Ersatz-Abteilung Nr.6 (FEA 6)

befehlsmäßig in eine "Königlich Sächsische Formation" (Königlich Sächs. Flieger-Ersatz-Abteilung Nr.6) umzuwandeln.

Der Personalersatz für die Ersatz-Abteilung kam nunmehr gänzlich

aus dem Königreich Sachsen sowie aus der benachbarten preußischen Provinz Sachsen.

Der Ersatzabteilung in Großenhain wurden mehrere Fliegerschulen in Großenhain,Leipzig und Wurzen angegliedert.

Die Formation wuchs unter wechselnden Kommandeuren bis 1918

auf eine Personalstärke von über 5000 Mann.

Ersatzabteilungen sollten den Ersatz an

Personal,Bekleidung,Ausrüstung,Bewaffnung und deren Nachschub sichern.


Quellenangabe:

Dr.Täger,Heerde,Franke,Ruscher
"Flugplatz Großenhain - Historischer Abriss" , Die Militärfliegerstation (1913/14-1919)


Gruß Jens
01.11.14, 12:37:13

thüringer

Hallo Jens,

vielen Dank für die sehr ausführlichen Angaben, als Altenburger finde ich die Sache sehr spannend.

Leider hat bisher keiner das kleine "a" am Ende des Stempels erklären können, so etwas habe ich bisher auch nicht wieder gesehen.

Bis bald
Roland
08.11.14, 18:28:22

Gottscho1914

geändert von: Gottscho1914 - 14.11.14, 12:36:31

Hallo Roland ,

hier kommt mein Deutungsversuch zu den Truppenstempeln der Flieger-Ersatz-Abteilung No.6 .

Der gedeutete Truppenstempel für die Flieger-Ersatz-Abteilung No.6 taucht auf deutschen Seitengewehren 1914 Typ I ,k.S. 98. ,S. 84/98n.A. und S. 84/98n.A.S. auf.

Am häufigsten befindet er sich auf S. 84/98n.A. und S. 84/98n.A.S. .

Hier gibt es 2 Stempelvarianten für die Formation:

1.Stempelvariante

Fea.6. für Flieger-Ersatz-Abteilung No.6


2.Stempelvariante

Fl.E.6. für Flieger-Ersatz-Abteilung No.6

Ein Grund für die 2 Stempelvarianten könnte die Umwandlung der preußischen Flieger-Ersatz-Abteilung No.6
in eine sächsische Formation ( sächsische Flieger-Ersatz-Abteilung No.6 ) im Herbst 1917 sein.

Eine Feldpostkarte mit Poststempel Großenhain 23.3.17 und Brief-Stempel der "Flieger-Ersatz-Abteilung No.6" , 4.Kompagnie,
belegt beim Absender die zeitgemäße Abkürzung ( hier handschriftlich ) "Fea 6 , Großenhain, 4.Komp.,8.Korp."
für die preußische Formation.
Außerdem gibt es ein Luftbild vom 30.3.17 von B.Lt. Simonsen mit der Beschriftung Fea 6 .

Es gibt weitere preußische Feldpostkarten die die Abkürzung "Fea" für Flieger-Ersatz-Abteilung belegen z.B.

Poststempel Liegnitz 20.2.17 und Brief-Stempel "Mannschafts-Depot 6 , Fea 4 , Liegnitz".

Ein weiterer Beleg für die preußische Stempelvariante ist die Zeichnung eines S. 84/98n.A. RICH.A.HERDER , W17, F.e.a.2.1094.
mit der Deutung Flieger-Ersatz-Abteilung 2 ,
in John Walter "Das deutsche Bajonett-Seitengewehre 1871-1945" , Seite 160.

Somit könnte die Stempelvariante "Fl.E.6." für die sächsische Formation stehen.

Das Abnahmejahr gibt hier nicht Auskunft darüber wann der Truppenstempel geschlagen wurde.

Weiterhin interessant ist , das beide Stempelvarianten mit und ohne "a" nach der Waffen-Nr. auftauchen.

z.B.

S.84/98n.A.RICH.A.HERDER//H.MUNDLOS&Co,W16,Fea.6.2928 und S.84/98n.A. GEBR.HARTKOPF//H.MUNDLOS&Co,W16,Fea.6.3118.a

S.84/98n.A. ERFURT , W15,Fl.E.6.1668 und S.84/98n.A. RICH.A.HERDER//H.MUNDLOS&Co,W16,Fl.E.6.2342.a


Eine Lösungsmöglichkeit für das geschlagene "a" beim Truppenstempel könnten die der Flieger-Ersatz-Abteilung No.6
angegliederten Fliegerschulen sein

- Kampfeinsitzer-Schule Großenhain (aufgestellt 14.12.1916 , aufgelöst 17.4.1917)
- Fliegerbeobachter-Schule (FBS) Großenhain (aufgestellt 24.6.1915 als Beobachterkursus Großenhain , umbenannt November 1916 Beobachterschule Großenhain)
- Militär-Fliegerschule Großenhain der Kondor-Flugzeugwerke (aufgestellt am 2.4.1915)
- Militär-Fliegerschule Leipzig-Mockau der D.F.W. Flugzeugwerke (aufgestellt 3.4.1915)
- Militär-Fliegerschule Leipzig-Lindenthal der D.F.W. (aufgestellt 30.10.1914)
- Militär-Fliegerschule Travemünde der D.F.W. - Deutsche Flugzeugwerke (aufgestellt 27.2.1914)
- Militär-Fliegerschule Wurzen (aufgestellt Juli 1917)

und zur Unterscheidung der Waffen gedient haben.


Wie die Formationszusammengehörigkeit bei der Feldpost gestempelt wurde ,
belegt ein Feldpoststempel "Flieger-Schule Hundsfeld der Fea 11" ,
hier die Abkürzung "Fea 11" für Flieger-Ersatz-Abteilung No.11 im Brief-Stempel , Poststempel Hundsfeld 29.11.17 .


Gruß Jens


 
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