B L A N K W A F F E N
DAS FORUM FÜR
SAMMLER UND INTERESSIERTE
 
 

Ersatzschwert oder Mantetsu-to?

original Thema anzeigen

10.10.10, 18:49:56

Zietenhusar

geändert von: Admin - 27.03.11, 07:11:51

Auch als Japan zum Kriegsende immer mehr in Not geriet, durften Offiziere und Unteroffiziere trotzdem nicht auf ihr Schwert verzichten. Viele Kuriositäten sind in irgendwelchen Feldschmieden entstanden. Schnell zusammengedengelte Klingen, geschmiedet in okkupierten Ländern teilweise von inländischen Schmieden, mit Material aus demontierten Eisenbahnschienen (Mantetsu-tō). Wenn man keine Monturteile vorliegen hatte, wurden Vorräte oder Teile defekter Schwerter als Ersatzteile genutzt.

Das vorliegende Stück ist so eins. Die leicht korrodierte Klinge ist, zumindestens optisch, von geringer Qualität und unsigniert. Eine Hamon (Härtelinie) ist nicht sichtbar, wahrscheinlich auch nicht vorhanden. Die originale Politur, falls es jemals eine gab, ist längst vergangen.

Nakago (Angel) mit zwei Befestigungsbohrungen.

Die Maße
Gesamtlänge 1004 mm
Degenlänge 937 mm
Klingenlänge (einschl. Habaki) 650 mm
Klingenbreite 36 mm
Klingenstärke 7,4 mm

Literatur
Jim Dawson "Swords of Imperial Japan 1868 - 1945 / Cyclopedia Edition"
10.10.10, 19:09:36

Zietenhusar

geändert von: Zietenhusar - 10.10.10, 19:09:48

Der Griff (Tsuka) weicht von denen der üblichen Gunto (Militärschwerter) ab. Ito (Wicklung) über Same (Rochenhaut), allerdings andere Menuki (Griffzierrate unter Wicklung). Leider habe ich über die Zeit, in dem ich das Stück besitze, die figürliche Darstellung der Menuki noch nicht "identifizieren" können.
Die Griffzwinge (fuchi) ist unverziert und mit dem Griff verleimt. Die Griffkappe ist aus unverziertem Eisen und mit einer Schraube am Griff befestigt.
10.10.10, 19:14:42

Zietenhusar

Tsuba und Seppa (Parierscheibe und Unterlegscheiben) sind sehr einfach gehalten und haben einen Durchbruch für eine Klinke zum Verriegeln des Schwertes mit der Scheide. Weder Schwert, noch Scheide, sind für eine Klinke eingerichtet, so daß eine willkürliche Zusammenstellung vorrätiger Teile ersichtlich wird.
10.10.10, 19:24:44

Zietenhusar

Die Schwertzwinge (Habaki) weicht von der Form ebenfalls ab und hinterläßt einen handwerklich unbegabten Eindruck. Auf der Oberseite ist das Lot porig.
10.10.10, 19:51:14

Zietenhusar

geändert von: Admin - 27.03.11, 07:10:26

Zum Schluß die Scheide (Saya). Sie besteht aus lackiertem Holz, welches mit einen Lederüberzug versehen ist. Der Überzug ist nicht ursprünglich, da er Abrücke einer üblichen Gunto-Eisenscheide aufweist.
19.01.12, 17:33:11

Messerbill

Das ist eindeutig ein Ersatzschwert.

Mantetsuto werden auf der Nakago als solche bezeichnet. Sie sind von der Qualität den traditionellen Schwertern fast ebenbürtig. Hier ist Etwas Info aus Japan :)

http://www.h4.dion.ne.jp/~t-ohmura/gunto_114.htm

Und aus den USA.

http://home.earthlink.net/~steinrl/koa.htm
19.01.12, 18:53:36

Zietenhusar

Hallo Messerbill,

willkommen im Forum und vielen Dank für die Richtigstellung.

Gruß,
Thomas :)
20.01.12, 21:26:52

KAJIHEI

Kaum is man mal nicht da :)

Also Mantetsu ist von der Qualität ein guter Stahl. Ohne Debatte.
Haben die Klingen deswegen annähernd den gleichen Status wie echte Nihonto ?
Nein haben sie nicht.
Es sind großenteils Sunobe-Arbeiten, d.h. wir haben einen weichen Kern und einen harten Mantel. Das war dann aber auch die Gemeinsamkeit.
Das was in dem Artikel als "Nashiji-hada" definiert wird ist a. ) eine Fehlbezeichnung, den dieser Terminus Technikus ist auf Schulen fixiert und b. ) einfach so nicht korrekt.
Was man nach der Politur sieht , scheint wirklich ein Kitae-Hada zu sein,. leider ist es aber nur eine simple Walztextur.
Ich möchte aber ausdrücklich betonen das dieser künstlerische Mangel in keinster Weise die Gebrauchsfähigkeit herabsetzte.

Allerdings, um die Verwirrung zu komplettieren, in seltenen Fällen hat man Mantetsu genauso wie Tamahagane verarbeitet, d.h. man hat dan im Endeffekt ein echtes Nihonto. ( Die Ausnahme )
21.01.12, 16:57:16

Messerbill

geändert von: Messerbill - 21.01.12, 17:00:41

Hallo Kajihei,

Dass Mantetsuto keine "Art Swords" sind ist klar. :) Aber was ich seltsam finde ist, dass mir mindestens 3 Fälle bekannt sind in denen in Japan Koa Isshin Schwerter (mit Torokusho) zum Verkauf angeboten wurden. Soweit ich weiß ist das laut dem Ju To Ho Gesetz (Firearms and Sword Control Law) illegal, da diese Schwerter nicht aus Tamahagane bestehen.

Um die Sache noch verwirrender zu machen hab ich auf japanischen Webseiten auch vereinzelt Showato (damit meine ich die in Öl gehärteten Sunobe-Schwerter) mit Torokusho gesehen. Ich hab schon Schwerter mit den Abnahmestempeln "SHO" für Showa und "SEKI" gesehen.

Außerdem hab ich auch schon mehrere Paradesäbel (Shikito) und auch einige Diplomatendegen gesehen die dort angeboten werden. Wie sieht's dort mit der Rechteslage aus?
21.01.12, 18:09:41

KAJIHEI

Wenn ich ganz ehrlich bin, ich weis auch nicht was in Japan passiert.
Früher wäre ein Showato alleine bei der Einfuhr erbarmungslos in der Presse gelandet ohne jegliche Debatte. Jetzt tauchen z.B. bei Aoi-Art Militärgurken schlimmster Art auf und sind legal. Versteh ich nicht, die Gesetzte haben sich doch nicht geändert, oder ? :confused:
21.01.12, 20:10:53

Zietenhusar

Eigentlich bin ich über die Gesetze nicht genau informiert. Vom "Hörensagen" darf in Japan wohl keine Militärblankwaffe gehandelt oder besessen werden.

Jedenfalls tauchen hin und wieder Gunto-Teile in japanischen Angeboten auf. Ganze Schwerter werden bisher mit Holzklingen oder Klingenimitaten angeboten. Vielleicht hat ein Händler eine Sondergenehmigung erhalten?

Gruß,
Thomas
21.01.12, 22:28:54

Messerbill

geändert von: Messerbill - 21.01.12, 22:52:28

Was ich weiß ist, dass in Japan traditionell produzierte Schwerter in Gunto-Montierung legal sind, solange sie registriert werden. Dabei ist es den Behörden weitgehend egal ob es sich um Koto, Shinto, Shinshinto oder Gendaito handelt. Natürlich sind die meisten Schwerter aus der Zeit zwischen 1877 und 1945 für Nihonto-Fans eher uninteressant.

Welche Schwerter aber ohne Wenn und aber verboten sind sind Gunto Typ 32 und Gunto Typ 95 (NCO Shin Gunto). Diese wurden ausnahmslos maschinell produziert und haben Seriennummern auf den Klingen.

Ich habe gehört, dass die Polizei in Japan mittlerweile zwar an den Flughäfen nicht traditionelle Schwerter wegnimmt aber, dass diese dann bei der Rückreise wieder ausgehändigt werden.

Na ja für die Militaria-Sammler sind die aktuellen Änderungen ein Segen :cool:
19.02.12, 22:27:38

Messerbill

Momentan wird bei Aoi Art ein Typ 98 Shin Gunto mit Seki Stempel als Auktion angeboten. Es wird sogar vom Anbieter darauf hingewiesen, dass dieses Schwert aus westlichen Stahl besteht. Laut Anbierter hat es ein NTHK Zertifikat.

Ich hab bisher (wenn man von Militärschwertern redet) nur Schwerter mit Rikugun JumeiTosho Marken (Stermstempel) mit NBTHK bzw. NTHK Zertifikat gesehen.
20.02.12, 08:39:21

KAJIHEI

geändert von: KAJIHEI - 20.02.12, 09:58:13

Hab ich auch gesichtet. Preisfrage wie alt ist das NTHK Papierchen. Seid dem großen Kollabs papern die beiden Fraktionen ja wie wild vor sich hin.
Was ich witziger finde das jetzt schon reine Machinenprügel zum Kauf angeboten werden.
Vor zehn Jahren hätte man knallhart zu hören bekommen "Sowas darf hier nicht gehandelt werden"
Tja die Zeiten ändern sich...
20.02.12, 10:34:20

Zietenhusar

geändert von: Zietenhusar - 20.02.12, 10:41:54

Die Zeiten ändern sich, oder besser gesagt, aus einem "Maschinenprügel" wird, je fortgeschrittener die Zeit, eine begehrte Sammlerwaffe. Was man heutzutage für ein Schowa-Schwert hinlegt, dafür bekam man zuvor einmal eine "richtige" Klinge. Naja, und Vereine resp. Vereinigungen sind bestrebt weiter zu bestehen, womit auch immer.

Gruß,
Thomas
21.02.12, 20:57:22

Messerbill

Laut dem Buch SAMURAI: Die Waffen und der Geist des japanischen Kriegers von Clive Sinclair (2004) waren sogar traditionell gefertigte Gendaito bis vor einige Jahren in Japan nicht so hoch geschätzt wie z. B. in den USA oder in Europa und dass die Japanischen Sammler erst allmhlich den Wert dieser Schwerter erkennen. Außerdem war davon die Rede, dass es für Schwerter die unter 100 Jahre alt sind verschärfte Einfuhrbedingungen herrschen.

Wer weiß, vieeleicht darf man Showato anbieten wenn diese für den Export bestimmt sind. Aber dann dürfte es ja keine Registrierungskarten für diese Schwerter geben, da eine Registrierungskarte die Legalität eines Schwertes belegt. :confused:
 
Powered by: phpMyForum 4.2.1 © Christoph Roeder